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DREHBUCH-KRITIK:

TWILIGHT 3: ECLIPSE


von Christian Mester

THE TWILIGHT SAGA: ECLIPSE (2010)
Drehbuch: Melissa Rosenberg

Prolog:
Der „Twilight“ Erfolgszug rollt noch immer und dürfte auch nach dem diesjährigen „The Twilight Saga Teil 3: Eclipse“ (Vorschau) nicht zum Halten kommen. Dass die Qualität der Filme dem Hype nicht standhalten kann, weiß bereits jeder, der einen der ersten beiden Filme gesehen hat.

Während Fans der Reihe gnädig über alle Mängel hinwegsehen und sich von dem Beziehungsdreieck Schülerin-100jähriger Untoter-Lykaner unterhalten fühlen, rollen andere gepflegt mit den Augen und verstehen nicht, wie man von diesen Filmen derart begeistert sein kann. Es sind keine grottenschlechten Werke vom Schlage eines „Street Fighter: The Legend of Chun-Li“, aber Filme, die ihre bisherigen Möglichkeiten mit den Füßen treten. Der erste Teil, eine fast charmante Romanze zwischen Mensch und Blutsauger, hatte interessante Ansätze, die jedoch durch kleine Mittel begrenzt waren. „New Moon“ war daraufhin ein Schritt herab, da er inhaltlich überhaupt rein gar nichts zu bieten hatte.

Das einzig übergreifend Relevante war die Tatsache, dass Edward die berüchtigten Ober-Vampire des Volturi-Clans erzürnte. Jacob war schon im ersten Film eifersüchtig und das Auftreten Victorias als Gegnerin führte nirgendwo hin, wurde auch nicht aufgelöst. Dass Bella trotzig ist und Vampirin werden will, ergibt sich ebenfalls schon am Ende des ersten Films, womit man „Twilight 3“ auch direkt nach „Twilight 1“ schauen könnte, ohne etwas Eklatantes zu verpassen. “3“ geht wieder nach oben, wenn auch nur in kleinen Schritten.

Sowohl Pattinson als auch Stewart
sind selbst keine großen Fans ihres Franchises

Story:
Wie schon nach dem ersten Teil sinnt Vampirin Victoria auf Rache, ist dieses Mal jedoch ein wenig aktiver, als nur durch Wälder zu hechten. Mit Hilfe zahlreicher neuer Vampire plant sie, Bella und ihre Freunde ein für alle Mal zu erledigen. Darüber hinaus tauchen die angereisten Volturi inklusive Telepathin Jane auf, wodurch sich die Erzfeinde Jake und Edward gezwungen fühlen, ihren andauernden Konkurrenzkampf um Bella kurzfristig zu pausieren.

Kritik
:
„Eclipse“ wird jedem besser gefallen als der inhaltlose „New Moon“, was primär daran liegt, dass „Eclipse“ eine leicht solidere Handlung erzählt. Keine besonders gute, doch es wird dieses Mal merklich mehr aus den Figuren gemacht. Die seit dem ersten Film laufende Rache-Story findet hier ihr ausstehendes Ende und der Zwist zwischen Wolfsmenschen und Vampiren entwickelt sich; beides Handlungsstränge, die unter Einsatz aufkommender Konflikte Nährwert haben.

Wer sich von dem Trailer eine Art „Underworld“ mit größeren Kämpfen zwischen Wölfen und Vampiren erwartet, darf seine Erwartungen bändigen. Zwar gibt es zwei, drei Actionszenen (und eine Trainingssequenz ala „Rocky“) im Script, doch alle fallen eher kurz und unspektakulär aus. Überraschend ist, dass die Kämpfe zumindest in Script-Form reichlich blutig geschrieben sind: auf dem Papier werden Gesichter abgerissen, Köpfe abgeschlagen und Arme ausgerissen, als wäre es schamloses 18er Material. Im Film wird es hinsichtlich der Altersfreigabe sicherlich nicht derart drastisch umgesetzt sein, aber es ist interessant, dass Drehbuch-Autorin Melissa Rosenberg es auf diese Art betont.

  


Was sich weiterhin nicht ändert: Bella. Obwohl die Außenwelt stetig auf sie einwirkt und sie entgegenkommend reifer machen will, ist sie gegen Script-Ende immer noch das trotzige, zumeist schlecht gelaunte Mädchen mit strahlend rosa Brille, die bewusst alles ignoriert und ihre gesamte Existenz darauf reduziert, möglichst viel Zeit mit Edward verbringen zu wollen. Der Versuch, Bellas Streben gegen typisch menschliche Gegebenheiten wie Berufung, Freunde und Verwandte zu einem rebellischen Freigeist zu machen, misslingt, macht sie auch dieses Mal zu einer egoistischen, unreifen Hauptfigur. Obwohl Edward im Vergleich zum zweiten Film unentwegt anwesend ist, hält er sich relativ zurück, dafür treten die Vampire Rosalie und Jasper etwas in den Vordergrund, die sogar eigene Flashbacks bekommen.

Nahezu peinlich sind einmal mehr die Dialoge, die größtenteils 1-1 aus den Büchern Stephenie Meyers übernommen wurden. Zum Glück halten sich die Liebesbekundungen dieses Mal in Grenzen, dennoch ist auch „Twilight 3“ außerordentlich kitschiger, oberflächlicher Romantik-Trash. Die schlimmsten Dialogfetzen bekommt Wolf Jacob, der als ständig shirtloser, störrischer Verfolger nicht von dem zweifelhaft interessanten Mädchen ablassen will. Hier geschieht jedoch fast ein Wunder, denn das Drehbuch zeigt Edward plötzlich als vernünftigen Denker, der sich mit Jacob einem jungen, naiven, ebenso unreifen Jugendlichen wie Bella gegenübersieht. Das Script geht sogar weiter und referenziert die Absurdität der Verliebtheit in Mutanten und Untote, macht darauf aufmerksam, wie banal manches ist und schmunzelt mehrmals selbstironisch über sich selbst. Interessant ist, dass sich „3“ der ungemein bizarren Absurditäten der folgenden Ereignisse aus „4“ und „5“ bewusst ist und schon mal langsam an die grotesken Ideen heranführen will.

Mester meint:
„The Twilight Saga Teil 3: Eclipse“ wird niemanden restlos begeistern oder bisherige Zweifler urplötzlich zu Fans machen, doch wer die Reihe aus popkultureller Neugier verfolgt, sieht einen leicht besseren Film als den leeren Schmachthappen des letzten Teils. Zumindest laut Vorlage. Von den Trailern nicht täuschen lassen, denn was da nach Horror und Action aussieht, ist bereits fast alles Derartige im Film.


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