Kritik:
Twilight 4:
Breaking Dawn Teil 1
von Christian Mester
THE TWILIGHT SAGA: BREAKING DAWN
PART 1
Regie: Bill Condon
Cast: Kristen Stewart, Robert
Pattinson, Taylor Lautner
Story:
Brautalarm im Hause Swan: Die junge
Bella (Kristen Stewart) und ihr
fahler Verlobter Edward (Robert
Pattinson) wagen endlich den
nächsten Schritt: sie heiraten.
Einer romantischen Hochzeit in Weiß
folgen Flitterwochen in Rio, deren
Harmonie alsbald ein jähes Ende
findet. Bella erkennt nach zwei
Wochen, dass sie schwanger ist - mit einem
Vampir-/Menschenbaby, das
übernatürlich schnell wächst. Jacobs Wolfs-Clan
sieht in dem kommenden Hybridenbalg
daraufhin eine Art Vampir-Antichrist, der das
Ende der Wölfe bedeuten könnte. Es
liegt also an ihm (Taylor Lautner), sein T-Shirt
einmal mehr auszuziehen und sich für
die richtige Seite zu entscheiden.
Kritik:
Zum vierten Mal über die
Twilight-Reihe herzuziehen wirkt
fast, als nehme man einem Kind sein
Eis weg. Natürlich hat sich auch
beim neuesten Teil nichts am Niveau
der Figuren, der Schauspieler oder
der Handlung gebessert. Aspekte die
sich nicht ändern werden, denn über
2 Milliarden Dollar Kasseneinspiel
machen irgendwann immun gegen
jegliche Kritik. Über die
Hintergründe des neuen Films muss
man dieses Mal nur eines wissen: wie
beim letzten Teil der Potter-Reihe
teilte man das letzte Buch in zwei
Filme auf. Nur so soll gegeben sein,
dass man der großen Epik des Romans
von Stephenie Meyer gerecht werde.
Jetzt wäre es ein leichtes, Breaking
Dawn Teil 1 bloß als ‚noch einen
Twilight‘ abzustempeln. Der vierte
Film überrascht Fans und nicht
Nicht-Fans aber beide zugleich. Auf
der einen Seite gelingt es ihm, den
Unsinn der bisherigen Filme noch
weit zu überbieten. Waren die
Vorgänger oft unfreiwillig komisch,
strapaziert Teil 4 die Lachmuskeln
mehr denn je (schon allein dadurch,
dass Jacob sein Shirt jetzt bereits
in der ersten Szene auszieht). Zum
anderen setzt er den treuen Fans der
Teen-Schmonzette einen abrupten
Genre-Wandel vor, die nur schwer zu
schlucken ist. Aus der Love-Story
wird, man glaube es kaum, ein
grotesker Horrorfilm.
Schon der Anfang überrascht mit
ungewohnten Facetten. Aufgrund der
Hochzeit ist Heldin Bella zum ersten
Mal gut gelaunt. Ein Novum für die
bis dahin leider meist mies gelaunte
Schülerin aus Forks, die somit
endlich mal ein wenig sympathischer
wirken darf. Dafür jedoch, dass die
Hochzeit ein Höhepunkt ihrer
epischen Liebesgeschichte sein
sollte, fällt diese überraschend
verhalten aus. Stattdessen geht es
rasch in die Flitterwochen, in der
abends die heiß erwartete
Hochzeitsnacht ansteht. Nach drei
Teilen keuschem Händchen halten
freuen sie sich auf die Nacht, doch
die streng gläubige Mormonin Meyer
bestraft beide umgehend für ihre
Sünde. Bella wird in nur wenigen
Tagen hochschwanger und erlebt das
pure Grauen. Sie wird todkrank und
droht am kommenden Kind zu sterben.
Dieses erinnert mitunter an einen
jungen Chuck Norris, da es Bella mit
einem Kick vom Mutterleib aus… das
Rückgrat bricht.
Der Hunger des Kindes ist bald so
gefährlich, dass es droht, sich von
innen durch Bella heraus zu fressen.
Gut also, dass Hilfe zur Stelle ist
und man ihr den Bauch kurzerhand
aufbeißt. In der Tat wird ein
Kaiserschnitt mit bloßen Zähnen
gemacht, bevor das Kind wie ein
Alien-Chestburster aus ihrem
Oberkörper explodieren kann. Wer nun
meint das wäre bereits der schrägste
Moment, irrt. Was folgt ist die wohl
romantischste Liebesszene der
Filmgeschichte: ein 18jähriger
verliebt sich unsterblich in das
Neugeborene. Dann gibt es eine
alberne Diskussion, in der Werwölfe
stumpf mehrere Minuten lang knurrend
voreinander stehen und sich per
Telepathie streiten. Ein weiteres
Highlight ist die Hochzeitsnacht, in
der Edward vor Wollust den
Bettkasten kaputt bricht und alle
Kissen zerbeißt. Dass Bella dabei
blaue Flecken bekommt und sogar
bewusstlos wird, stört sie nicht. In
ungeheuer fragwürdiger Message macht
sie sich stattdessen ergeben Sorgen,
ob er denn auch ja auf seine Kosten
kommen konnte. Das Bild von Sex als
Sünde, Schwangerschaft als Grauen
und völliger Ergebenheit dem Ehemann
gegenüber darf da gerne befremdlich
wirken.
Versuchten die ersten drei Teile
noch am Rande auf Mystery zu setzen,
in dem es Bösewichte und offene
Fragen gab, ist Breaking Dawn Teil 1
stark vereinfacht. In der ersten
Filmhälfte geht es nur um Hochzeit
und Flitterwochen, in der zweiten
nur noch um die Geburt des
Monsterbabys. Einen echten Bösewicht
gibt es dieses Mal nicht, dieser
lässt sich erst in der Abspannszene
blicken. Stattdessen mucken Jacobs
Werwölfe für fünf Minuten kurz auf,
bleiben aber unwichtig. Beschämend
muss man dennoch sagen, dass der
Split des Buches hier besser
funktioniert als bei Potters
Heiligtümern des Todes. Wirkte
dessen erste Hälfte des letzten
Teils zu abrupt endend, ist diese
erste Filmhälfte als Einzelstück
runder. Dennoch ist die Handlung
erneut spannungsarm und ohne
Höhepunkte. Die Schwangerschaft will
als ergreifende Tragödie verkauft
werden, wird aber zu oberflächlich
präsentiert. Der wenige Spaß der
Vorgänger wird bettlägerig gegen
talentfrei gespieltes Drama ersetzt,
das nicht bewegt. Dass Twilight 4
doppelt so viel wie Twilight 2
gekostet hat, sieht man wie zu
erwarten war, nicht. Es gibt weniger
Sets als in den vorherigen Teilen
und die Werwölfe sind weiterhin
schlecht gemacht. Die Regie der
Teile 4 und 5 übernahm
Musical-Spezialist Bill Condon (Dreamgirls,
Chicago), der aber nichtsEeigenes
mit einbringt. Sklavisch wird sich
am Stil der Vorgänger gehalten,
sodass seine Arbeit reine
Auftragsarbeit bleibt.
Schauspielerisch ist derweil alles
beim alten geblieben: Lautner
verfehlt es noch immer, wirklich
grimmig zu wirken, Stewart beißt
sich zu oft auf die Lippe und
Pattinson erscheint unbeteiligt.
Fazit:
Man stelle sich einen Film vor, in
dem ein Baby seiner Mutter die
Wirbelsäule bricht. Mit einem
Roundhouse Kick im Mutterleib. In
dass sich daraufhin ein erwachsener
Mann verliebt. Sieht man von den
vielen schier verrückten Handlungen
ab, ist Breaking Dawn Teil 1 ein
absolut unverständlicher Blockbuster.
Der Film ist bizarre
Verhütungswerbung, die darüber
hinaus sonst nichts zu bieten hat.
2,5 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
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