BG Kritik:

Die zwei Gesichter des Januars


von Christian Westhus

The two Faces of January (USA, UK, Frankreich 2014)
Regisseur: Hossein Amini
Cast: Viggo Mortensen, Oscar Isaac, Kirsten Dunst

Story:
1962: Das amerikanische Ehepaar Chester und Colette MacFarland (Mortensen, Dunst) reist durch Griechenland und gerät an Fremdenführer Rydal (Isaac). Dieser will vom wohlhabenden Paar ein wenig Geld abzwacken, doch Chester MacFarland wird wegen krimineller Machenschaften in den USA gesucht und zieht Rydal mit in seine Flucht vor der Justiz.

Patricia Highsmith hat mit ihren Romanen schon so manchen Filmemachern einen idealen Ausgangsstoff für einen neuen Film geliefert. Von Hitchcocks „Der Fremde im Zug“ zu Anthony Minghellas „Der talentierte Mr. Ripley“. Nun nutzt „Drive“ Autor Hossein Amini einen Highsmith Roman für sein Regiedebüt.

Der Film ist Anthony Minghella und Sydney Pollack gewidmet, Regisseur und Produzent von "Der talentierte Mr. Ripley"


„Die zwei Gesichter des Januars“ ist ein wunderbar altmodisches Thrillerdrama, elegant inszeniert und ohne aufgeblasene Action, das von seinen Schauplätzen und den Figuren lebt. Wir folgen Chester und Colette MacFarland durch Griechenland, wie sie den Parthenon Tempel der Akropolis erkunden. Mit ihrer eleganten weißen Kleidung und Colettes blondem Haar wirken sie nicht nur wie Touristen, sondern wie amerikanischer Quasi-Adel, der die alte Welt erkundet. Ganz anders Rydal, der ebenfalls aus den USA stammende Fremdenführer, der in einfacher Kleidung seiner wenig bedeutsamen und wenig ertragreichen Arbeit nachgeht, mit kleinen Tricks das Interesse von Frauen weckt oder Leute um ein paar Drachmen und Dollar erleichtert.

Dass Rydal und die MacFarlands zu einander finden werden ist vorherbestimmt. „Er erinnert mich an meinen Vater“, meint Rydal bezüglich Chester und gibt damit das unterliegende Thema der Handlung vor. Im Gegensatz zum Roman lässt Amini, der den Roman selbst als Drehbuch adaptierte, die Figur Rydal überwiegend im Halbdunkel. Rydals wirklicher Vater ist in den USA jüngst verstorben, doch Rydal ließ die Beerdigung absichtlich sausen, ist nicht gut auf seinen alten Herrn zu sprechen. Doch Chester MacFarland fällt ihm auf und das wiederum fällt Chester auf. Mit einem mythologisch allegorischen Verweis startet Amini seinen Film. Rydal erzählt Touristen die Geschichte von Heimkehrer Theseus und einem tödlichen Missverständnis mit seinem Vater König Aigeus.

Premiere auf der Berlinale 2014


Diese zuweilen fast schon zu plumpe Vater-Sohn-Thematik umgibt den Film durchgängig, der eigentlich „nur“ ein geradliniges Krimidrama ist. Der Subtext ermöglicht einen erweiterten Blickwinkel auf die Handlung, doch eigentlich will Amini nur eine gute Geschichte erzählen. Und das gelingt ihm überwiegend hervorragend. Mit bedächtigem, aber nie wirklich langsamem oder gar langweiligem Tempo lernen wir unsere drei Hauptfiguren kennen. Nach und nach gibt uns das Drehbuch neue Informationen mit auf den Weg. Wir sehen Rydals kleine Tricks auf dem Flohmarkt, spüren die zunehmende sexuelle Anziehung zwischen Rydal und Colette, beobachten die väterliche Neugierde von Chester, ehe uns dieser als polizeilich gesuchter Betrüger vorgestellt wird.

Die folgende Flucht vor der Justiz durchs griechische Hinterland, zwischen schroffen Felsen, kleinen Fischerdörfern und antiken Ruinen, ist blitzsauber und spannend inszeniertes Kino klassischer Bauart, das es gar nicht nötig hat, zu viele intellektuelle Verrenkungen zu machen. Die drei Hauptakteure machen jede Minute sehenswert, insbesondere Viggo Mortensen und Oscar Isaac. Es sind spannende Figuren, teilweise komplett konträr und doch im Kern so ähnlich. Zwei Männer die ein Bild nach außen präsentieren und so viel im Innern verborgen halten, das nur selten, zum Beispiel durch die Zufuhr von Alkohol, hervortritt. Und es ist überwiegend Kirsten Dunsts Leistung, dass Colette mehr ist, als ein wandelnder Konfliktpunkt für die Männer in Sachen Leidenschaft und Eifersucht. Aminis eleganter, in schönen Bildern fein beobachtender Stil macht aus den Figuren und dieser charakterlichen und moralischen Fluchtreise einen absolut sehenswerten Film und liefert ein Regiedebüt ab, das neugierig macht auf das, was da noch folgt.

Fazit:

Altmodisch-klassisches Thrillerdrama. Sauber inszeniert, schön fotografiert und gut gespielt erzählt „Die zwei Gesichter des Januars“ eine spannende, wenn auch leicht gewöhnliche Geschichte. Sehenswert.

7,5 / 10
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