BG Kritik:

Unbroken


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Unbroken (US 2015)
Regisseur: Angelina Jolie
Cast: Jack O’Connell, Domhnall Gleeson, Jai Courtney

Story: Die aufregende Lebensgeschichte des Olympia-Läufers Louis Zamperini, der im Zweiten Weltkrieg zunächst Schiffsbrüchiger war, dann Gefangener in einem japanischen Kriegslager.

Angelina Jolies zweiter Film als Regisseurin, mit dem zwölfmal für den Oscar nominierten Kameramann Roger Deakins (u.a. Skyfall, True Grit, Prisoners, Die Verurteilten) an ihrer Seite.

Zamperini erlebte die Fertigstellung des Films noch so gerade, starb dann mit 97


Louis Zamperini hatte die Rechte an seiner Lebensgeschichte bereits in den 50er Jahren verkauft, doch manchmal dauert so ein Prozess halt 60 Jahre, gell Duke Nukem Forever? Ausschlaggebend war Laura Hillenbrands Nacherzählung in ihrem gelungenen Buch „Unbeugsam: eine wahre Geschichte von Widerstandskraft und Überlebenskampf“, das sich 4 Jahre lang in der New York Times Bestsellerliste halten konnte. Eine beachtliche und packende Geschichte, die ihren Weg auf Angelina Jolies Schreibtisch fand. Jolie hatte erst einen Film gedreht, das Bosnien-Drama „In the Land of Blood and Honey“, der gefloppt war und nur mittelmäßig ankam. Für „Unbroken“ ging sie daher direkt mit größeren Geschützen an die Front.

Hinter der Kamera der legendäre Roger Deakins, der als einer der besten seines Faches gezählt wird. Am Script? Die Coen Brüder Joel und Ethan, selbst dreizehn Mal für den Oscar nominiert, dazu den acht Mal nominierten Alexandre Desplat an der Musik, ein stattliches Budget und die beiden talentierten Neulinge Jack O’Connell und Domhnall Gleeson. Was sollte da qualitativ bruchlanden?

Dass „der Deakins“ die Bilder einfing ist ebenso schnell erkannt wie O’Connells Talent, aber leider ist Unbroken im Großen und Ganzen kein Goldmedaillensieger geworden. Obwohl der Film 140 Minuten lang ist, erscheinen Zamperinis Lebenskapitel unpersönlich, schnell und substanzlos heruntergekurbelt. In seiner Zeit als gemobbter Bengel in den Straßen New Yorks bleibt bereits ausschließlich hängen, dass er wie Forrest Gump ein Talent zum Laufen hat. Er ist weniger beschränkt und stammelt nicht, doch schon in seinen Kinderjahren fällt auch auf, dass der Filmzamperini trotz Laufkraft kaum Persönlichkeit hat. Viele Schuhe später ist er Olympia-Athlet, dann Soldat, doch abgesehen davon dass er n netten Kerl zu sein scheint, bleibt Zamperini glatt und unauffällig.

Zamperinis Peiniger im Film wird vom japanischen Popstar Myavi gespielt


Der beste Teil des Films findet in der Luft statt, an Bord eines Bombers mit dem neuen Kyle Reese Jai Courtney im Pilotensitz. Jetzt nicht wegen Courtney, der nicht viel macht, aber weil der Aufenthalt in der blechernen Klapperkiste ausnahmsweise packend inszeniert ist, ungefähr so wie die Eröffnungsszene des letztjährigen Wolfenstein Games. Zwei weitere lange Kapitel folgen, deren Nennung eigentlich nichts spoilen dürfte. Als Schiffsbrüchiger treibt Zamperini eine ganze Weile hungrig im Ozean herum. Gegessen wird, was auch immer töricht zu nahe kommt (und irgendwie verdaubar sein könnte) und Zamperinis legendäres Glück im ebenso legendären Pech erreicht fast Family-Guy-Ausmaße, als er bei einem Fliegerangriff auch noch gleichzeitig einem Haiangriff entgehen muss. Im Vergleich zu anderen Hochseeabenteuern wie All is Lost fällt Jolies Schlauchbootpaddelei jedoch wenig spannend aus, was ständiger Vorhersehbarkeit, uninteressanten Überlebenden und null überzeugenden CGI Haien unter Wasser anzulasten ist. Was überdies distanziert, ist eine Künstlichkeit. Keins von Zamperinis vielen Leiden wirkt authentisch; selbst der verdreckteste Schweiß ist zu ästhetisch eingefangenes Beiwerk einer sicheren Story, dessen Happy-End nie auch nur für eine Sekunde angezweifelt sei.

Das letzte Kapitel könnte man Last Samurai nennen, da der wenig zimperliche Zampo in japanische Kriegsgefangenschaft gerät und im Grunde eine halbe bis dreiviertel lange Stunde lang jene berühmte Szene nachspielt, in der Cruise von einem aggressiven Wächter niedergeschlagen wird und unbeugsam immer wieder von neuem aufsteht. Wie im Boot lässt uns das kalt, da Zamperini auch abgemagert und grün und blau verdroschen nicht interessanter oder nachvollziehbarer wird und Jolie es nicht vermag, Deakins' Bilder sprechen zu lassen. Die Coens waren nicht die einzigen am Drehbuch beteiligten. Aufgrund der vielen plumpen Dialoge muss sich am Ende vermuten lassen, dass die zwei lediglich Rechtschreib- und Grammatikfehler überprüft haben, nicht aber coensche Genialität beitrugen. Auch Komponist Desplat, der 2015 zwei der fünf Oscar Nominierungen erhalten hat, liefert hier nichts Besonderes ab, nichts, was eine dritte Nominierung rechtfertigen würde. Jolie hat sich eine gewaltige Geschichte zum Erzählen ausgesucht, vermag es aber weder, die Person Zamperini an sich zu einer einfühlsamen, verständlichen, inspirierenden Rolle zu machen, noch seine Zeitzeugen, die seine Unbeugsamkeit erlebten. Der Respekt vor der tatsächlichen Geschichte des 97 Jahre alt gewordenen Mannes, der Jahre später sogar zurück nach Japan flog um seinen Weltkriegs-Peinigern persönlich zu vergeben kommt auf, aber bei aller Imposanz bleibt der vorsichtige Gedanke, dass man einen bewegenden großen Film draus machen könnte. Dieser ist es nicht.

Fazit:

Es mag polemisch klingen Angelina Jolie mit Uwe Boll zu vergleichen, aber es trifft zu. Jolie mag zig Millionen Dollar Budget mehr, Deakins, Coen und Desplat im Boot gehabt haben, schafft aber am Ende eine ebenso unpersönliche, reine Nacherzählung einer historischen Tragik wie es Bolls Darfur war. Das ergibt okaye, informative, leicht ungemütliche Filme, doch cineastische Emotionen und Ergriffenheit wie bei Schindler's Liste oder 12 Years a Slave, die eine Geschichte wie Zamperinis bomberweise haben müsste, kommen nicht auf, nur ein wenig erweitertes Allgemeinwissen. Jolies Duke Nukem Forever ist also reichlich broken, wird es wohl verkraften, da Unbroken finanziell Erfolg hatte und sie selbst mit Maleficent letztes Jahr den erfolgreichsten ihrer Schauspielkarriere hatte.

4 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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