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Kritik:
Underworld 4:
Awakening


von Christian Mester

UNDERWORLD AWAKENING
Regie: Mans Marlind, Bjorn Stein
Cast: Kate Beckinsale, Nicht Scott Speedman

Story:
Nachdem sie Jahrhunderte lang im Geheimen existierten, erfährt die Menschheit eines Tages von beiden Monsterarten - den Vampiren und Werwölfen. Ein Massensterben beginnt, dem die Vampirin Selene und ihr Hybrid-Freund Michael nur knapp entkommen. Von einer Explosion bewusstlos geschlagen, erwacht sie rund zehn Jahre später in einem Eisschrank in einem Labor. Verwirrt flüchtet sie rasch und stößt in Zuge dessen auf ein junges Mädchen – ihre Tochter. Mit der neugewonnenen Familie im Schlepptau geht sie den verloren gegangenen Vater suchen...

Kritik:
Als der erste Underworld 2003 in die Kinos kam, bot er ein beschauliches Konzept. Vampire, die sich seit Jahrhunderten mit Werwölfen bekriegten. Anfangs noch mit Klauen und Schwertern, heut dann mit MG und Raketenwerfer. Visuell einprägsam war Kate Beckinsale als eiskalte Vampirkriegerin Selene, die ihr endloses Leben dem Krieg der Kreaturen widmete. Zwischen den Fronten: Michael, ein verzweifelter Mensch, der unfreiwillig erst zum Werwolf, dann zum Wer-Vampir wird. Und sich natürlich in seine hübsche blutsaugende Begleitung verliebt.

Die Reihe wurde zwar nie zum ganz großen Erfolg, erzielte aber eine loyale Fanbase. Selbst beim dritten Teil, einem Prequel ohne Hauptfigur Selene, kamen sie in Scharen und verlangten anschließend einen weiteren. Den gibt es ab sofort in Form einer neuen Fortführung, die an das Ende des zweiten Teils Evolution anschließt. Awakening nutzt als erster der Saga das 3D-Format, verliert dafür jedoch drei alte Fan-Lieblinge: den Werwolf Lucian (Michael Sheen), den Vampir Viktor (Bill Nighy), sowie den Schauspieler von Selenes Freund und Rassenhybrid Michael (Scott Speedman). Verschmerzbare Verluste?

Eigentlich bedarf es wenig, um den typischen Underworld-Fan zufrieden zu stellen. Vampire, die in eleganten Posen gegen reißende Bestien kämpfen. Das gibt es auch im neuen Film, hier allerdings erstmalig auffällig lieblos inszeniert. Die neuen Regisseure Måns Mårlind und Björn Stein haben keinerlei Gefühl für Übersicht oder Spektakel. Scheinbar mit God Mode und unendlich Munition ausgestattet, besiegt Selene all ihre Widersacher in hektischen Einstellungen. Was sie damit erfolgreich killt: jegliche Spannung. Dass die Kämpfe nur wenig Spaß machen, liegt auch an den Figuren. Kühler denn je scheint die Protagonistin nichts mehr zu empfinden. Den ganzen Film über hat sie den gleichen Gesichtsausdruck und macht nichts, als Leute danach zu fragen, wo es die nächsten Werwölfe zu bekämpfen gibt. Wurde Selenes harte Art in den ersten beiden Teilen durch den unsicheren Menschen Michael wieder entschärft, fehlt dieser hier. Er taucht nur kurz via eines Body Doubles auf, da Speedman nicht verfübar war. Anstatt seiner gibt es Selenes Tochter Eve (India Eisley), die ganz nach der Mutter kommt, sowie einen befreundeten Vampir (Theo James) und einen Polizisten (Michael Ealy), die aber beide belanglos bleiben. Auf Seiten der Gegner sieht es nicht besser aus. Stephen Rea (aus Feardotcom) gibt einen austauschbar größenwahnsinnigen Wissenschaftler ab und seine Werwolf-Anhänger? Die erweisen sich als geballt inkompetenter Flohzirkus. Selbst ein riesiger Werwolf Marke „Das Uber-Werwolf“ stellt keine große Bedrohung dar und ist kein Vergleich zu dem geflügelten Marcus aus dem zweiten Film.

In den Gegnern steckt auch schon das nächste Problem, denn die Werwölfe im Film sind allesamt sehr suboptimal umgesetzt. Obwohl es schon beim ersten Teil vor acht Jahren, und für weit geringeres Budget, gute Werwolf-Animatronics zu sehen gab, greifen Mårlind und Stein primär auf maue Computereffekte zurück. Besonders schwach fällt eine nächtliche Verfolgungsjagd auf einer Straße aus, sowie der auf Hulk-Größe aufgeblasene Super-Werwolf. Dieser erinnert effekttechnisch zuweilen an Hugh Jackmans Riesen-Werwolf aus Van Helsing. Waren die Underworld-Filme bisweilen simple Unterhaltung, so boten die ersten drei Teile wenigstens immerhin ansatzweise Tiefe. Die andauernde Fehde der alten Familien beider Spezies wies Ansätze eines Epos auf. Vier hat damit keinerlei Verbindung mehr und setzt stattdessen auf das für die Kreaturen dystopische Zukunftsbild der Enthüllung vor der Menschheit. Das wird jedoch nur in den ersten fünf Minuten thematisiert und spielt dann keine Rolle mehr. Da Selene sich wieder fast ausschließlich mit Vampiren und Lykanern trifft und alle ohnehin immer versteckt sind, ändert sich dementsprechend wenig - verpasst man den Anfang, merkt man nichts von der globalen Änderung. Alles reduziert sich darauf, dass Selene erst mit Getöse aus einem Labor aus- später dann wieder ballernd in das gleice Gebäude einbricht. Zwischendurch stöbert sie Werwolf-Verstecke auf oder wird selbst aufgestöbert. Man würde sich nicht wundern, würde sie unterwegs nach der roten Keycard suchen.

Schauspielerisch gibt es im neuen Underworld nichts zu belobigen. Kate Beckinsale passt noch immer in den hautengen Catsuit, agiert darin allerdings zu wenig, nämlich gar nicht. Als Selene ist sie eine emotionslose Maschine geworden, die nicht mehr leicht cool ist, sondern kalt lässt. Die Nebendarsteller schlagen ebenfalls fehl, sind aber auch gefangen in einem schlechten Drehbuch, das niemandem eine Chance lässt. Regietechnisch versuchen die neuen Filmemacher den Look der ersten Filme zu imitieren: d.h. fast jede Szene erscheint in monotonen Blautönen. Der Film ist dazu äußerst blutig, fällt dafür aber an anderer Stelle plötzlich zögerlich aus. Als Selene aus ihrem Eisschrank fällt, liegt sie unbekleidet am Boden. Dabei wird ihr Körper von Farbfiltern überzogen und von CGI-Nebelschwaden umhüllt. Ein plumpler Erotik-Light Moment, dessen übertriebene Kaschierung unfreiwillig lustig wirkt. Wenigstens ist der verwendete 3D-Effekt gelungen. Im Gegensatz zu vielen 3D-Filmen direkt in 3D gedreht, gibt es eine gute Tiefenwirkung. Amüsant ist letztendlich die Spiegelung einer markanten Szene aus dem ersten Teil. Darin schoss Selene kreisrund in den Boden, bis sie grazil in den Raum darunter stürzte. Im neuen Film macht sie dies umgekehrt mit einem herabstürzenden Fahrstuhl.


Fazit:
Hätte sie ihre Selene mal besser im Eisfach gelassen. Kate Beckinsale passt der hautenge Catsuit zwar noch immer wie angegossen, doch ihre Rückkehr enttäuscht selbst bei geringen Erwartungen. Die ersten drei Teile waren schon alles andere als anspruchsvoll, boten aber immerhin kurzweilige, solide gemachte Action. Dieser hat sie nicht - zwar Nonstop-Action, dafür völlig uninspiriert inszenierte. Völlig inakzeptabel ist, dass viele Effektszenen schlechter aussehen als im acht Jahre alten ersten Teil. Somit nur treuen Fans der Reihe zu empfehlen, und selbst dann sollte man nur das Mindeste erwarten – es ist der schwächste Teil der Reihe.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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