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Kritik:
Universal Soldier 4:
Day of Reckoning


von Christian Mester

UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING
(2012)
Regie: John Hyams
Cast: Scott Adkins, Jean-Claude Van Damme, Dolph Lundgren

Story:
John (Scott Adkins) wacht eines Tages aus dem Koma auf, nachdem er Traumatisches erleben musste: maskierte Männer drangen des nachts in sein Haus ein und nahmen ihm seine Familie. Langsam wieder zu Kräften kommend, erklärt ein FBI Agent, wer dahinter steckt: der ehemals hoch dekorierte Universal Soldier Luc Devereaux (Jean-Claude Van Damme), der anscheinend wahnsinnig geworden ist und eine Bruderschaft von abtrünnigen und geklonten Universal Soldiern befehligt. Jake macht sich auf, der Sache auf den Grund zu gehen...

Kritik:
Nach dem überraschend guten Universal Soldier 3: Regeneration, der statt erwartetem Trash solide B-Action, insbesondere gute Kämpfe und verhältnismäßig gute Kamera bot, verwunderte es nicht, dass sich die Beteiligten bereiterklärten, noch einen zu bringen. Überraschend war dann jedoch die frühe Info, dass Franchise-Held Luc (Van Damme) nicht mehr länger der Held sein würde. Mit Scott Adkins stand enthusiastischer Ersatz an, doch Regisseur und Autor Hyams wagt hier weit mehr und macht Devereaux erstmals zum Gegenspieler. Eine ungeahnte, wenn auch nicht völlig abwegige Entwicklung.

Wir erinnern uns: im ersten Film starben Van Dammes Luc und Dolph Lundgrens Andrew Scott bei einem Kampfeinsatz in Vietnam, bei dem sie sich gegenseitig umbrachten. Im UniSol Programm wurden sie wieder auferweckt, gentechnisch verändert und zu übernatürlich starken und heilungsfähigen, aber seelenlosen Marionetten gemacht, bis Luc sich wieder erinnern konnte und Scott erneut Schlafen legte. Im zweiten Film räumte der nun wieder "normale" Luc mit einer neuen Generation von UniSols auf, bevor er im dritten mit speziellen Aufputschmitteln gegen Terroristen vorging, die rein zufällig über geklaute UniSols verfügten (darunter einem geklonten Scott, den Luc zum dritten Mal erledigte). Selbstredend ist es zunächst seltsam, den einstigen Helden in 4 als wortkargen, kahlen, teils geschminkten Killer zu sehen, doch der Wandel, so gewöhnungsbedürftig er auch wirken mag, scheint nachvollziehbar.

Nun mag man schätzen, dass Universal Soldier 4 bloß einer von diesen typischen B-Action Filmgurken ist, billig in Osteuropa gedreht, mit gedoubelter, wenig aufregender Klopperei, lahmen Schusswechseln, langweiligen Pausen, tumbester Story und rundum lustloser Beteiligung - wie es bei vielen DVD-Actionfilmen der Formate Lundgren / Seagal / Van Damme leider oftmals der Fall ist, doch Day of Reckoning will nicht dazu gehören und strebt nach mehr. Zunächst einmal übertrumpft er die meisten der Kollegentitel in Sachen Blut, denn Day of Reckoning darf zweifellos einer der härtesten, blutigsten Actionfilme der letzten Dekade genannt werden, der Film ist ein ruhloses Massaker - und das größtenteils in vollem Ernst. Es gibt vereinzelte anderweitig wirkenden Momente, beispielsweise wenn Adkins gleichgültig wuchtige Machetenschläge mit seinen blanken Armen abfängt oder wenn Bowling-Kugeln mit bloßen Händen zertrümmert werden, in denen die Absurdheit der Härte an Humor anzugrenzen droht, doch der Film will per se keinen Spaß machen: dafür ist er zu finster, zu ruhig, zu oneliner-arm. Wer sich nach The Expendables 2 also ähnliches erwarten mag, hat hier wenig zu lachen.

Man muss Hyams zugestehen, dass er für dieses zumeist wenig ambitionierte Untergenre, und für die Weite dieses Franchises eine unverhofft gute Handlung auftischt. Anfangs, und auch später noch (und auch darüber hinaus womöglich) etwas sehr konfus geraten, weckt der Film tatsächlich Neugier zu erfahren, was da los ist. Der im dritten Film gesprengte Pitbull Andrei Arlovski ist nun Klempner? Scott ist schon wieder geklont, nun blond und im Bordell? Wieso spielt Van Damme Marlon Brando Cosplay, wo stecken Ralf Möller und Goldberg, wieso faselt Lundgren erneut sinnfreies Geschwätz, wieso ergibt vieles keinen Sinn (angeblich drohen die UniSols kurz davor, sich zu replizieren... wie? Wieso nicht auf normalen Wege, und wieso klonen sie nicht einfach noch mehr von sich, wenn das hinsichtlich Lundgrens Scott anscheinend einfach ist?), seit wann können sich die UniSols ganze Körperteile nachwachsen lassen, und was passiert wenn man einen in der Mitte durchschneidet, wachsen beide Hälften, sodass es dann 2 ganze sind? Diese und andere Fragen werden erst nach und nach (oder auch nicht) beantwortet und schaffen eine durchaus interessante Entwicklung, sodass man nicht bloß ungeduldig von Actionszene zu Actionszene ausharrt.

Hyam's Ambitionen im Script finden in seiner Regie jedoch noch größeren Halt, denn auch da will er mehr aus dem Stoff herausboxen: er "malickt" in nachdenklichen ruhigen Bildern, er setzt auf Stroboskoplicht ala Enter the Void, er summt den Drive Soundtrack und lässt visuell zuweilen an das erste Max Payne Game erinnern. Manchmal übertreibt er und seinen Vorbildern kommt er nie wirklich nahe, doch das Experiment, wenn auch rätselhaft, macht den Film fraglos interessanter als andere Genrevertreter, lässt grübeln, was Hyams wohl als nächstes macht - bei geradlinigen Prügel-Filmen wird es offensichtlich nicht bleiben, und Talent zu mehr ist offensichtlich gegeben.
Dennoch bleibt das Gefühl, dass Hyams diesbezüglich etwas knapper hätte treten, und dafür seine Figuren öfter hätte treten lassen sollen. Es gibt gute, sogar grandiose Actionszenen im Film, die x-mal teureren Konkurrenten die Schuhe ausziehen: immer übersichtlich gefilmt, stets destruktiv, mit gnadenlos hartem Sounddesign, dynamischen Bildern und spektakulären Kämpfen. Van Damme kommt dabei etwas zu kurz, aber der Pitbull, Lundgren und im Spotlight Adkins dürfen mächtig aufräumen; einzig eine etwas lahm inszenierte Verfolgungsjagd lässt zu Wünschen übrig. Das und die Tatsache, dass der, so athletisch und kampfsporttechnisch begabt Adkins auch sein mag, er als Guter nicht funktioniert - das Charisma fehlt ihm, wie schon in Ninja. Wohler fühlt er sich fraglos in Bösenrollen, s. Expendables und den Boyka Filmen.

(Da die Köln FFF Vorstellung nur in 2D lief, ist leider nichts über den 3D Effekt zu sagen. Auffällig ist nur, dass es angenehmerweise kaum plumpe Pop-Ups gibt)

Fazit:
Ein Film, der Ellen, Speichen und Gemüter mit der Machete spaltet: wer bloß die alten Recken plus Adkins mit mächtig Bodycount sehen will, wird ihre Szenen abfeiern, sich aber im künstlerisch-konfusen, recht ernsten Anspruch John Hyams' langweilen. Wem die Story gefällt, bekommt womöglich Probleme mit dem wenig ausdrucksstarken Hauptdarsteller und der Exzessgewalt; ist man jedoch offen für beides, kann Universal Soldier 4 tatsächlich ein empfehlenswerterer Actionfilm sein als ...viele weit höher budgetierte Kinokonkurrenten. Blick wert.

6 / 10

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