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KRITIK:

Unstoppable
Außer Kontrolle


von Christian Mester

Unstoppable (2010)
Regie: Tony Scott
Cast: Denzel Washington, Chris Pine

Story:
Weil ein dusseliger Bahnmitarbeiter (Ethan Suplee) eines Morgens aus seinem fahrenden Zug springt um eine Weiche per Hand umzustellen, rast ihm dieser plötzlich führerlos davon. Wie es der Zufall will, sind die automatischen Bremsen abgestellt und der Gashebel auf Maximum gelegt. Weil auch das noch nicht brisant genug wäre, ist der Zug natürlich mit Treibstoff und gefährlichen Chemikalien beladen.

Den Tag retten müssen nun Jobanfänger Will (Chris Pine) und der altgediente Lokomotivführer Frank (Denzel Washington). Da der Ältere nichts von möglichen Ersatzkräften hält, verstehen sich die beiden zunächst nicht, doch die gemeinsame Rettungsmaßnahme schweißt sie dann zügig zusammen. Während sich die Presse gaffend auf das Geschehen stürzt, hilft ihnen eine Kollegin (Rosario Dawson) vom Büro aus. 

Der Film basiert auf wahren Ereignissen
aus dem Jahr 2001

Kritik:
Als ein gewaltiger Zug führerlos auf eine Katastrophe zu rast, können nur zwei tapfere Lokführer den Tag retten: Action-Veteran Denzel Washington und der neue Captain Kirk. "Speed" auf Schienen oder ein Film fürs Abstellgleis?

Tony Scott ist zwar schon 66 Jahre alt, doch der Regisseur von Action-Klassikern wie "Top Gun", "Crimson Tide" und "Der Staatsfeind Nr. 1" hält sein Arbeitspensum noch immer beachtlich hoch. "Unstoppable – Außer Kontrolle" (nicht zu verwechseln mit dem Wesley Snipes' DVD-Film "Unstoppable" oder Keanu Reeves' Kinostreifen "Außer Kontrolle" oder Van Dammes Zugfilm "Derailed - Terror im Zug" oder dem "Schrecken im Nachtexpress" Remake namens "Train") markiert nun die mittlerweile fünfte Zusammenarbeit mit seinem Lieblingsschauspieler Denzel Washington. Zusammen hatten sie erst im letzten Jahr einen Actionstreifen über Züge in den Kinos: "Die Entführung der U-Bahn Pelham 1-2-3" mit John Travolta.

Im Vergleich zum schicken U-Bahn Thriller bleibt sein thematisches Zug Sequel jedoch relativ gewöhnlich, da es keinen wirklichen Bösewicht gibt, nur einen Unfall, der eine Katastrophe anzurichten droht. Ein Thema, das Kollegen wie Roland Emmerich und Michael Bay angesichts der möglichen Zerstörungswellen die Hände reiben ließe, doch nutzt Scott seine Möglichkeiten?

Washintgtons zweiter Zugfilm nach
DIE ENTFÜHRUNG DER U-BAHN PELHAM 1-2-3

Schon seit Beginn an ist Tony Scott dafür bekannt, optisch flotte Filme zu drehen, die in immer packenden Kameraaufnahmen eingefangen werden. In "Domino" und "Mann unter Feuer" übertrieb er es zwar kurzfristig mit seinen wilden Cuts, Kameraschwenks und knallbunten Farbfiltern, doch sein neuester ist fraglos so solide inszeniert wie seine letzten beiden Denzels, "Deja Vu" und besagter "Pelham". Selbst wenn nur relativ wenig passiert, fängt Scott jeden einzelnen Moment als aufregenden Spannungsmoment ein. Selbst gelangweiltes Kaffeetrinken wird zum popcornlastigen Eventspaß aufgezogen. "Unstoppable" wird seinem reißerischen Titel in Sachen Tempo mehr als gerecht, da er schnell Gas gibt und bis zum Finale nicht mehr an Fahrt verliert. Längen kommen dadurch keine auf, doch andere Probleme ziehen hart an der Notbremse.

Das Ereignis basiert auf einer echten Begebenheit aus dem Jahr 2001, die für den Film gezielt überzogen wurde. Mit seiner packenden Ausgangssituation schreit zwar alles nach aufgeblasenem Hollywood-Spektakel mit Explosionen und Blechschaden-Extravaganza, doch wer sich epische Zerstörung und atemberaubende Stunts erhofft, liegt falsch. Die Action fährt trotz der schnellen Bilder auf mauer Sparflamme, da man es mit den Übertreibungen dezent hält. Die meisten waghalsigen Versuche, den Zug aufzuhalten, erscheinen unsinnig und wenig einfallsreich. Es hilft auch nicht, dass sich alle beteiligten Figuren oftmals dumm und unüberlegt anstellen. Schlimmer als das ist noch die Tatsache, dass diese Manöver zwar immer fesselnd eingefangen sind, selbst aber nicht fesselnd sind. Wenn ein Zug dreißig Minuten lang hinter einem anderen her fährt und Kirk junior schwitzend versucht, sie miteinander zu verbinden, kommt wenig Gänsehaut auf. Dass der Film geradlinig auf Schienen läuft und damit nicht abbiegen kann, lässt sich auch auf die Handlung übertragen. Überraschungen, Wendungen oder Entwicklungen gibt es keine – man rast linear aufs absehbare Ende zu, das abschließend überraschend lahm ausfällt.

Mit Denzel Washington kann man eigentlich nie viel falsch machen, da der Mann immer sehenswert ist und das Beste aus seinen Rollen macht. Schade ist in diesem Fall, dass ihm seine neueste nichts ermöglicht. Es ist die wahrscheinlich langweiligste Rolle Washingtons seit zehn Jahren, da er die meiste Zeit über nur in seiner Fahrerkabine sitzt und seinem jungen Kollegen Ratschläge erteilt, den er nicht einmal sonderlich mag. Jetzt sollte man meinen, dass Co-Star Pine dafür die besten Action-Momente bekommt, doch auch er darf nur relativ wenig machen. Beste Momente gibt es schlichtweg nicht.

Den größten TV-Film Charakter hat der leidige Versuch, ihren beiden Figuren durch melodramatische Hintergrundgeschichten (Pines Frau hat eine einstweilige Verfügung gegen ihn, Washingtons Töchter arbeiten bei Hooters) tragischer zu machen. Die in wenigen Sätzen aufgebrachten Einzelschicksale stammen jedoch aus der Rosamunde Pilcher Kladde für schwachen Schmalz. Auf dieselbe Weise wird ein scheinbarer Bösewicht aufgetrieben (Sam Witwickys Papa aus "Transformers 1-3"), der eigentlich nicht wirklich böse ist und als Antagonist auch nicht funktioniert. Der Zug selbst schafft einiges an Ehrfurcht mit seinen 4500 Tonnen Stahl, die mit 70 Meilen pro Stunde unaufhaltsam geradeaus preschen, doch aus der Idee wurde nur wenig gemacht. .

Fazit:
Der neue Scott "Unstoppable – Außer Kontrolle" ist leider nur laues Popcornkino ohne größere Aha-Momente. Er wirkt wie ein TV-Film mit Veronica Ferres, der zufälligerweise mit Hollywood Kaliber Denzel Washington daher kommt und mal schicker als üblich aussieht. Kann man sich ansehen, dann aber mit gesenkten Erwartungen..

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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