Kritik:
Unthinkable
von
Christian Mester, basierend auf Import-DVD
UNTHINKABLE
(2010)
Regie: Gregor Jordan
Cast: Samuel L. Jackson, Michael Sheen
Story:
Steven Younger (Michael Sheen) meldet sich bei der
US-Regierung und behauptet, drei Atombomben in drei
großen US-Städten versteckt zu haben. Kurz darauf
erwischt man den Mann, der selbst jedoch kein Wort
verraten will. Eine Agentin (Carrie-Ann Moss) wird
daraufhin Zeuge, wie ein geheimer
Vernehmungsspezialist (Samuel L. Jackson) alles
"Undenkbare" versucht, den Mann zum Reden zu bringen
– koste es, was es wolle.
Kritik:
Die Ausgangssituation
des Films, der zu vollkommenen Unverständnis trotz
30 Millionen Dollar Budget, bekannter Namen und
ersichtlicher Qualitäten weltweit nur auf DVD
startet, ist schon ungemein spannend. Wie weit
würde, dürfte und sollte man gehenm um jemanden die
nötigen Worte zu entlocken, die Millionen retten
könnten? Darf man einen Einzelnen leiden lassen, um
das Richtige zu tun? Darf man das Leben Zahlloser
riskieren, ihren Verlust akzeptieren um moralisch
noch auf der richtigen Seite zu bleiben? Und wenn
ja, was, wenn das Opfer nur blufft oder lügt und man
ihn ungerechtfertigter weise folterte und verletzte?
Dazu kommt die Gegenseite: sollte man mit
Terroristen verhandeln oder ergibt sich dann ein
Loch, eine Achillesverse, die unzählige andere ähnlich nutzen könnten?
Dass es weltweit immer wieder brenzlige
Militärsituationen gibt, ist offensichtlich, auch,
dass das US-Militär Menschenrechte gern mal
insgeheim übergeht, um ihre wichtige Informationen
zu bekommen. Fraglich ist, inwiefern das moralisch
vertretbar ist. „Unthinkable“ macht das sehr
intelligent und spannend zum Thema. Die Zeit läuft
schnell aus, so ist man gezwungen, schnell auf den
Punkt zu kommen. Startschuss einer der besten
Performances von Samuel L. Jackson, der als
Folterknecht der Moderne zur Höchstform aufläuft. Er
spielt einen Charakter, der ungemein gut in seiner
Sache ist; allerdings keinen einsilbigen Macher, der
simplen Spaß an seinem Job hätte. Wie er sagt, macht er, was
er machen kann weil es niemanden sonst gibt, der in
der Lage ist, so weit zu gehen wie er. Und er geht
weit, bricht Tabus, Gesetze und Menschenrechte,
wirkt autoritär, einschüchternd, sehr überzeugend,
überrascht immer wieder mit neuen Momenten. Eine der
besten, wenn nicht sogar die beste Performance
Jacksons, der auf immerhin über 100 Filme
zurückblicken kann.
Schockiert betrachtet Ex-"Matrix
Lederträgerin Carrie-Ann Moss das
Geschehen, versucht immer wieder, an
eventuelle Menschlichkeit zu
appellieren, sich
gegen das Grauen einzusetzen… wobei
ihr langsam dämmert, dass ihre Zeit ausläuft
und eine der Bomben auch gerade in
der einen Stadt sein kann, in der
sie, ihre Familie und Freunde sich
gerade aufhalten. Ex-Superman
Brandon Routh spielt ihren
Assistenten, bleibt aber szenenlos
im Hintergrund.
Großartig ist Michael Sheen
(„Frost/Nixon“, „Underworld“ 1-3),
der seiner Figur des (möglichen)
Bombenlegers zahlreiche Facetten
verpasst. Mal ist er eiskalt und
spöttisch, mal nachdenklich und
ruhig, mal emotional und
verzweifelt; er bleibt
undurchschaubar und liefert sich
großartige Dialoge und Wortduelle
mit der möglichen Retterin und
seinem sich selbst überaus
verabscheuenden Peiniger. Ein
kritischer Blick wirft der Film auf
Vertreter der US-Regierung, die das
Geschehen bis zu einem gewissen Grad
tolerieren und in Form von Militär-
und Regierungsvertretern dargestellt
werden.
Die Spannung wächst mit jeder Minute
und bis zum Finale darf man gebannt
miträtseln, ob die Bedrohung nun
echt oder inszeniert ist, was die
wahren Beweggründe sind und wie weit
man bereit sein wird zu gehen. Moss’
Wandlung und das Katz- und Mausspiel
zwischen Jackson und Sheen lässt bis
zum Ende nicht ab. Die Foltereien
werden mit verlaufender Zeit zwar
immer härter, suhlen sich jedoch
nicht in plakativer Gewalt ala "Saw".
Zurückgeschreckt und verharmlost
wird jedoch vor nichts, weswegen die
Folterszenen durchaus unbequem
ausfallen.
Dass der Film 30 Millionen Dollar
gekostet hat, sieht man ihm nicht
ganz an, da er zum Großteil in einer
hastig umgebauten Schulsporthalle
spielt; Regisseur Gregor Jordan
lässt das jedoch gut übersehen, da
die dort spielende Kammerhandlung fürchterlich
spannend ist.
Was man nicht tun sollte: glauben,
der Film favorisiere illegales
Foltern oder setze sich für ihre
Legitimierung ein; Jordan bezieht
keinerlei festen Standpunkt und
überlässt es dem Zuschauer selbst
darüber nachzudenken, was er für
richtig hält.
Fazit:
Schweißtreibend, nervenaufreibend:
„Unthinkable“ ist ein ungemein
spannender Thriller mit großartigen
Darstellern und einer Handlung, die
sich packend entfaltet und
abschließend zum Nachdenken anregt.
Es ist unthinkable, dass der
nirgends im Kino anlief.
8 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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