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Kritik:
Valerian: Die Stadt der
tausend Planeten


von Christian Mester
BG Chefredakteur, schrieb für Gamestar und Gameswelt, war Projektleiter für Kinofilm-Marketing, hat offensichtlich längst zu viele, aber noch immer viel zu wenige Filme gesehen...

VALERIAN AND THE CITY OF A THOUSAND PLANETS (2017)
Regie: Luc Besson
Cast: Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Rihanna

Story:
In der Zukunt haben sich Menschen und diverse Alienkulturen auf einer fliegenden Raumstation namens Galaxity eingenistet, die Deep-Space-Nine-mäßig als interplanetare Botschaft, als Handelsposten und Treffpunkt fungiert. Der hippe junge Valerian und seine Partnerin Veronique sind dort Agenten einer Art Föderation, die eines Tages seltsame Ereignisse untersuchen sollen...

Kritik:
Mit Valerian: Die Stadt der tausend Planeten beabsichtigte Luc Besson nichts geringeres als ein französisches Star Wars zu schaffen, und seine Liebe zum in Frankreich sehr bekannten Ursprungsmaterial, der Comic-Reihe Valérian et Laureline von Pierre Christin (läuft seit 1967) ist fraglos deutlich zu erkennen. Nach jahrelanger Vorbereitung und Finanzensammlung ist es höchstambitioniert der teuerste nicht-amerikanische Film geworden. Wie Jurassic Parks Mr Hammond hat auch Besson keine Kosten und Mühen gescheut, seinen ersehnten Traum zu realisieren, und im Fall dieser heiteren Space Opera hieß das, eine Vielfalt außerirdischer Kulturen und Technologien zu visualisieren, in deren Gegenwart zwei Menschen ein Abenteuer erleben.

Imposant ist schon die Eröffnungsszene, in der einem Na'Vi ähnlichen Volk ein tragisches Schicksal ereilt. Die Computereffekte sind exzellent, Referenzmaterial für 4K-Fernseher und damit auf beachtlichem Cameron-Niveau, die vielen Designs herrlich ungewöhnlich und kunterbunt. Mag man Weltraumfantasy und schwärmt davon, auch mal andere Big Budget Sci-Fi als immer nur die Marken Star Trek oder Star Wars mit ihren bekannten Schiff- und Charakterdesigns, ihren Stilrichtungen und Limitierungen zu sehen, ist der Film sogar eine größere Augenweide als es Jupiter Ascending und John Carter waren (auch wenn man durch einen riesigen Stapel themenähnlicher Games wie Mass Effect mittlerweile derart gesättigt sein dürfte, dass alles bloß noch Variationen bekannter Designs sind).

Die beiden Agenten kriegen dann auch jede Menge zu tun: arbeiten in mehreren Dimensionen gleichzeitig, infiltrieren außerirdische Läden, fallen, fliegen und rennen durch verschiedenste Alienwelten, suchen Verräter in den eigenen Reihen und laufen Gefahr, politische Probleme mit anderen Spezies zu schaffen. Das Gerangel der beiden macht Spaß, und auch wenn bis Filmende lockerfluffige Schulterzuckattitüde bestehen bleibt und es trotz dringendst aufzuhaltender galaktischer Bedrohung, kommt seltsamerweise nie Epik auf, die die Optik und 50 Jahre Veröffentlichungsgeschichte eigentlich mitbringen können sollten.

In den 90ern hat Luc Besson Das 5. Element mit Milla Jovovich und Bruce Willis gedreht, der ebenfalls heitere Action mit einigen interessanten Sci-Fi Ideen war. Im direkten Vergleich müssten sich die beiden Vs des nun 20 Jahre älteren Machers ein wenig geschlagen geben. Bruce Willis als blonder Taxifahrer, der desinteressiert eine infantile Superkriegerin aufnimmt und dann gegen einen völlig durchgeknallten Gary Oldman im Ragemodus antritt? Sorry, aber das ist schon konzeptionell sehenswerter als Dane DeHaan (der wesentlich besser darin ist, Bösewichte oder kaputte Figuren zu spielen, siehe Chronicle, The Amazing Spider-Man 2 und A Cure for Wellness) als lockerer Charmeur-Sunnyboy mit Suicide Squads fröhlich frecher Cara Delevingne als 0815 Space Cops, díe beiläufig einen 0815 Fall mit langweiligem, schnell absehbaren Bösewicht lösen. DeHaan und Delevingne sind beide in Ordnung in ihren Rollen und eine niedliche CGI-Kreatur ist niedlich, doch Besson setzt zu sehr auf ihr screwballartiges Geflirte, nicht erkennend, dass die zwei eben nicht Carrie Fisher und Harrison Ford sind - schon mal gar nicht Katharine Hepburn und Cary Grant, und dass sein eigenes Script lange nicht an Billy Wilder Sachen heranreicht.

Immerhin ist er nicht so anstrengend dröge wie Jupiter Ascending, der sich viel zu ernst nahm, noch fehlbesetzter war und gewaltige Plotprobleme aufwies, und rast mit einem bemerkenswerten Tempo gen Abspann. Ob es noch weitere Episoden geben wird? Unwahrscheinlich, da der Film gerade mal eingespielt hat was er gekostet hat, allerdings hat es Besson zuvor schon bei seinen mit Tokio Hotel synchronisierten Arthur und die Minimoys nicht aufgehalten, noch zwei weitere Filme zu produzieren.

Witzig ist, dass Gaststar Rihanna (nach Battleship endlich wieder im Kino!) zugleich Höhe- als auch Tiefstpunkt des Film liefert. Als flubberartiges (apropos Flubber: Robin Williams als Valerian hätte vermutlich einen interessanteren Film abgegeben) Formwandler-Alien bekommt sie die besten Momente, insbesondere bei einem stumpf sinnlos überlangen (züchtigen) Striptease, doch wechselt sie in Rihannas Menschenform und soll ernst schauspielen, darf einem Tommy Wiseau ganz wuselig werden.

Eins der Probleme ist sicherlich der Ursprung. So wie Edgar Rice Burroughs John Carter als inhaltlicher Vorreiter für Star Wars und Co galt, darf man den Comic Valerian et Veronique wohl mit zu den graphischen Ideengebern zählen. George Lucas und Konsorten nahmen sich diese Basics und ergänzten sie um eigene Ideen, was bis heute fortgeführt wurde. Keine Ahnung, auf wie viel Comic-Historie Besson seinen Film gründet, schließlich läuft die Reihe seit 50 Jahren, aber der Film wirkt insgesamt sehr einfach gehalten, strukturell primitiv, typisch und bekannt. Das mag chronologisch rückblickend interessant sein um die Herkunft heutiger Sci-Fi-Fantasy zu recherchieren, doch als neuer Release danach wirkt der Film (der übrigens aus Prinzip Valerian und Veronique: Die Stadt der tausend Planeten heißen müsste, da Veronique keine kleinere Rolle hat und Delevingne sogar mehr Spaß macht) bleibt bei allem visuellem Klimbim und aller Hektik der Eindruck, was Altbackenes zu erleben.

Fazit:
Buntes Geballer, das zwar relativ charakterlos bleibt und schnell wieder aus allen Gedächtnissen verschwunden sein wird (und der wahr gewordene Albtraum all derer ist, denen das neue Star Trek aktuell zu leichtgängig und actionbasiert ist), aber durchaus spaßig und mit einigen für Genrefans sehenswerten Momenten versehen ist. Am besten in der höchstmöglichsten Auflösung sehen - eventuell sogar extra auf die jüngst angekündigten 8K-Monitore warten.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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