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KRITIK:

Walhalla Rising


von Christian Mester

Valhalla Rising (2008)
Regie: Nicholas Refn
Cast: Mads Mikkelsen

Story:
1000 nach Christus. Ein-Auge (Mads Mikkelsen) ist ein stummer, abgebrühter nordischer Krieger, der im frühen England als Sklave gegen Sklaven anderer antreten muss. Als er sich eines Tages befreit, stößt er auf eine Gruppe Christen, die vorhaben, einen spirituellen Kreuzzug gen Jerusalem zu führen. Zusammen mit einem Jungen schließt er sich ihnen an und reist mit ihnen in die Hölle…

Mikkelsen spielte Le Chiffre in
CASINO ROYALE

Kritik:
Einen Film wie „Walhalla Rising“ sieht man nicht alle Tage, denn das mystisch-atmosphärische Stimmungsstück interessiert sich wenig bis gar nicht für echte Handlung oder Charaktere. Schwerer Tobak, denn die eventuell actionreich oder abenteuerlich vermutet Reise offenbart sich recht schnell als poetisches Herumstochern im Dusteren. Unheilvolle Nebelfelder, schaurige Himmel und tote Wälder schaffen die Sphäre eines Lars von Triers „Antichrist“, einer übernatürlichen, unrealistischen Welt der flüsternden Verdammten, in der die Verlorenen limbusartig auf ihr Ende warten. Ob die Geschehnisse inmitten der Szenerie nun real oder  philosophisch gemeint ist, bleibt jedem selbst überlassen, allerdings darf man klar sagen, dass „Walhalla Rising“ mehr Kunst als typischer Film ist.

„Casino Royale“ Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen, 2010 auch im „Kampf der Titanen“ Remake zu sehen gewesen, beeindruckt trotz fehlender Worte als unbeirrbarer Frontmann, der als feste Säule inmitten immer stärker verzweifelnder Nebenfiguren fungiert. Er selbst spricht wenig, sein vernarbtes Antlitz jedoch Bände. Anfangs bekommt er noch alle Hand zu tun und beweist sich in harten Faustkämpfen als blutrünstiger Krieger, später bleibt er inmitten der sich treibenden Handlung jedoch recht passiv und versucht, mit seinem kantigen Gesicht die Härte und Unbeirrbarkeit der unbeirrbaren Härte der kantigen Umgebung darzustellen, die wiederum als blutrünstige Faustkampfhärte fungiert. Poetisch gesehen.

Mit Nicholas Refn drehte Mikkelsen bereits
die PUSHER Trilogie

Generell lässt Refn den Film durch seine Bilder sprechen und reduziert viele Dialoge auf Flüstern oder Laute der Verzweiflung. Ob einem Refns Experimentalfilm nun zusagt, liegt nun gänzlich am eigenen Geschmack. Um das Gesehene, das Feeling dessen einmal bestmöglich zu veranschaulichen: ein Mann steht minutenlang an einem Fluss, eine schwadrige Nebelwand hinter sich. Eingestreut sind blutrote Traumszenen, in denen der Mann im Gewässer liegt und tot davon treibt. Das ist „Walhalla Rising“ in seiner Gänze und Derartiges darf man nun entweder poetisch-wundervoll oder schrecklich gähnend langweilig finden.

Ist man offen für den ungewöhnlichen Stil, gibt es Macken, die Ein-Auges Abenteuer augenscheinlich trüben. Unterteilt ist der Film in Kapitel, die teilweise zu dick aufgetragene Titel wie „Hölle“ oder „Das Opfer“ haben. Die Handlung, so atmosphärisch sie auch in ihren Bildern sein mag, kann man sich darauf einlassen, mangelt spätestens ab der Hälfte und wird alsbald verwirrend. So verwirrend, dass man einen recht schmalen Pfad zwischen genial und gewollt genial läuft, bei dem Refn des Öfteren ins Straucheln kommt. Dass die anderen Figuren neben Mikkelsen nicht ausgebaut sind, lässt zu Wünschen übrig, würde vermutlich auch einiges leichter machen. Der Soundtrack ist Atmosphäre pur, führt dank fehlender Abwechslung jedoch zu ohrenleidigem Abstumpfen.

Fazit:
„Valhalla Rising“ ist der Anti-„300“. Ein stimmiger, faszinierender Film, leider zäh wie Kleister, monoton und anstrengend. Ein Film für den etwas anderen Filmabend.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

 


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