BG Kritik:

Veronica Mars - Der Film


von Christian Westhus

Veronica Mars (USA 2014)
Regisseur: Rob Thomas
Cast: Kristen Bell, Jason Dohring, Enrico Colantoni, Krysten Ritter, Ryan Hansen, Tina Majorino, Chris Lowell, Percy Daggs III, uvm.

Story:
Ihre Zeiten als jugendliche Privatschnüfflerin hat Veronica Mars (Kristen Bell) seit einigen Jahren abgelegt. Nun versucht sie beruflich und privat den sicheren und vernünftigen Weg zu gehen. Doch als ihr geliebter und gehasster Ex-Lover Logan (Dohring) eines Mordes verdächtigt wird, zieht es Veronica zurück nach Neptune, in ihre so innig verabscheute Heimatstadt. Veronica trifft alte Bekannte wieder und steckt bald mittendrin in einer Verschwörung, die die Fähigkeiten der alten unvernünftigen Veronica erfordert.

„Veronica Mars – Der Film“ wird in die Geschichte eingehen. Vielleicht nicht der Film als solcher, aber die Entstehungsgeschichte allemal. Nachdem die Serie 2007 nach drei Staffeln eingestellt wurde und Spekulationen um eine mögliche vierte Staffel versandeten, gingen Serienerfinder Rob Thomas und seine Hauptdarsteller 2013 zu Kickstarter, um per Crowdfunding die Fans auf ihre Seite zu holen und Rechteinhaber Warner Bros. davon zu überzeugen, dass es genügend Leute gibt, die „Veronica Mars“ mögen. Schon am ersten Tag wurde das Crowdfunding Ziel von zwei Millionen Dollar erreicht. Am Ende spendeten über 90.000 Fans rund 5,7 Millionen Dollar und machten den „Veronica Mars“ Film zum bisher größten und erfolgreichsten Kickstarter Projekt. Fans freuen sich natürlich auf ein Wiedersehen, aber es stellt sich die Frage, ob ein von Fans produzierter Film vielleicht auch ausschließlich für Fans funktioniert.

Mit einer Kurzzusammenfassung geht es los. Veronica heute kommentiert zu Bildern und Ausschnitten aus den drei Staffeln, wie sie als Jugendliche ihrem Vater, damals Sheriff, nacheiferte, den Mord an ihrer Freundin aufklärte und sich in Neptune dauerhaft als Privatermittlerin verdingte. Es ist eine stilistisch plumpe Einführung, die man sicherlich auch anders hätte einfügen können, insbesondere da Veronica sich zu Beginn bei einer Anwaltskanzlei vorstellt und man dort neugierig ist, was es mit ihrer Vergangenheit als Detektivin auf sich hat. Es ist der notwendige Service für all diejenigen, die erst jetzt das erste Mal in die Welt von Veronica Mars und der kalifornischen Küstenstadt Neptune eintauchen. Durch diese ersten Minuten ist die Grundhaltung des Films schon recht klar: Neulinge sind willkommen und werden nach Möglichkeit freundlich an die Hand genommen. Doch ein nicht zu unterschätzender Reiz zieht sich daraus zu wissen, was damals war, miterlebt zu haben, was Veronica und Co. in der High School erlebt haben.

Kristen Bell sprach jüngst in der US-Fassung von "Die Eiskönigin" Prinzessin Anna


So ist Veronica Mars für Außenstehende eben das was sie ist. Eine ehemalige jugendliche Detektivin, die nun Anwältin werden will, sich aber durch einen Fall in ihrer alten Heimat auf ihre lange verdrängten Stärken zurückbesinnen muss. Das funktioniert auch ohne genaue Kenntnis von Lilly Kane, Duncan Kane, einem tückischen Busunglück oder der schrecklichen Erkenntnis, dass Veronica bei einer High School Party damals unter Drogen gesetzt und vergewaltigt wurde. Es funktioniert, weil Kristen Bell nach wie vor großartig in der Rolle ist und wunderbar mit den gewitzten Dialogen von Rob Thomas umgehen kann. Veronica ist kess, manchmal dreist und forsch, will mit dem Kopf durch die Wand und gibt ungern klein bei. Egal ob Polizisten, Lehrer, Biker Gangs oder potentielle Mörder, Veronica begegnet ihnen mit ihrer unverkennbar Mischung aus selbstbewusster Direktheit und provozierendem Sarkasmus. Nicht nur weil all dies Veronica als weibliche Protagonistin noch mehr zum Unikat macht, als es eine weibliche Protagonistin in einem Krimi ohnehin schon wäre, sind Serie und nun Film absolut sehens- und empfehlenswert.

Dass Veronica trotz ihrer taffen Art klischeegetreu in ihrem Liebesleben Probleme hat, ist eine Ironie, die schon die Serie kommentierte. Auch „9 Jahre später“ steht sie wieder zwischen zwei Männern, die umso deutlicher die zwei Seiten der Veronica Mars repräsentieren. Der aufrichtige Schwiegervatertraum Stosh Piznarski (Chris Lowell), mit dem unglückseligen Spitznamen „Piz“, mit dem Veronica ihr neues Leben bestreiten will, auf der einen Seite. Ex-Lover, Prominentensohn, Prügelknabe und dauernd in häufig selbst geschaffene Probleme geratener Quasi-Krimineller Logan Echolls (Jason Dohring) auf der anderen Seite. Auch hier ist die Wirkung bei den Zuschauern aufgeteilt. Außenstehende bekommen von beiden Männern genügend mit, um diese Kurzbeschreibungen selbst anfertigen zu können. Was es mit der komplizierten Beziehung zwischen Logan und Veronica auf sich hat ist dann doch eine Frage, die nur die Serie wirklich beantworten kann. Egal wie man es dreht und wendet, egal wie sehr man Neulingen entgegen kommt, „Veronica Mars“ ist eine Fortsetzung mit einer reichhaltigen Vorgeschichte. Die hier erzählte Geschichte funktioniert gut genug, doch der Service des Films gilt in erster Linie den Fans.

Ja, das ist Tina Majorino. Die Kleine aus "Waterworld" und dem Robbenfilm "André".


Ein Klassentreffen wird zusätzlich in die Handlung gewoben, um noch mehr alte Bekannte zeigen zu können. Man muss es dem Film positiv anrechnen, dass die meisten Nebenfiguren und Gastauftritte sinnvoll sind und nur selten so verkrampft und unnötig wirken, wie zum Beispiel zuletzt beim „American Pie“ Klassentreffen. Die alten Freunde Wallace und Mac sind dabei und wirken harmonisch integriert, auch wenn sie nicht übermäßig viel zu tun haben und auf den ersten Blick einfach nur „die Freunde“ sind, während es Ex-Biker und Gangster Weevil mit seinem 180° Lebenswandel vielleicht am schwersten hat, sich in diesem Film passend zu positionieren. Es ist für alle Anwesenden auch eine Art Bewerbungsvideo, denn selbst Kristen Bell, die häufiger im Kino zu sehen ist und damit die mit Abstand erfolgreichste Post-VM-Karriere hat, kann einen Publicity-Schub gut vertragen. Dass Ryan Hansen, der aktuellen Gerüchten zufolge in einer „Veronica Mars“ Spin-Off Serie die Hauptrolle spielen soll, nicht häufiger in Komödien auftaucht, ist ohnehin sehr verwunderlich. Auch hier ist er als dumpfbackiger Maulheld Dick Casablancas wie gewohnt eine Wucht, ganz besonders wenn er sich mit Veronica zofft.

Es war immer die Stärke der Serie, ernste und mitunter düstere Themen und Fälle mit einem glaubwürdig leichten Ton mit humoristischen und sarkastischen Untertönen zu kombinieren. Das gelingt auch hier wieder sehr unterhaltsam und ist auch dringend nötig, denn der zentrale Fall um den Mord an Logans prominenter Freundin ist nett, aber nicht viel mehr als das. Die Grenzen von Fernsehen und Kino sind manchmal schwer zu unterscheiden und in einer Zeit, in der schwedische Fernsehkrimis (ebenfalls mit weiblicher Hauptfigur) zu Kinoerfolgen inklusive amerikanischen Remakes werden, fühlt sich „Veronica Mars“ schon noch sehr bodenständig an. Rob Thomas inszeniert souverän, die Bilder sind gelungen, die Stärken liegen eh bei Dialogen und Figuren, und entsprechend haben wir mehr Interesse an Veronicas Neukalibrierung ihres Lebenswegs, als an die Mordgeschichte, die mit einem Wust an zeitgenössischen technischen Details (YouTube, Twitter, Handykameras und Co.) immer weitere Kreise zieht. Etwas kondensierte kriegt man ähnliche Fälle auch wöchentlich im TV. Das Fernsehen (und eigentlich auch das Kino) bietet aber nur sehr selten Figuren wie Veronica Mars und Anhang. Das lange überfällige Wiedersehen mit der selbst ernannten blonden Zicke lohnt sich also allemal. Denn, in den Worten des Titellieds, „we used to be friends, a long time ago.”

Fazit:

Die durch Crowdfunding produzierte Film-Fortsetzung der viel zu früh abgesetzten Serie um Privatdetektivin Veronica Mars ist unterhaltsam und sehenswert. Ein angenehmes Wiedersehen mit alten Bekannten, bei dem man sich auf die Stärken der Serie – Dialoge, Figuren, Kristen Bell – konzentriert, während der zentrale Kriminalfall häufig nur Mittel zum Zweck ist, um die Figuren wieder zusammen zu bringen.

7 / 10
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