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KRITIK:

WALL STREET


von Christian Westhus

WALL STREET (1987)
Regie: Oliver Stone
Cast: Michael Douglas, Charlie Sheen

>auch lesen: Westhus' Kritik zu Wall Street 2: Geld schläft nicht (2010)

Story:
Broker Bud Fox (Charlie Sheen) will nicht länger kleine Brötchen backen und drängt sich bei Spekulationsguru Gordon Gekko (Michael Douglas) auf, der Fox’ Talent erkennt und mit ihm und neuen Insider Infos ordentlich Kasse macht. Fox steigen Geld und Erfolg zu Kopf, doch irgendwann kann er mit Gekkos Skrupellosigkeit nicht mithalten.

Die Rolle des Gordon Gekko
sollte ursprünglich an Richard Gere gehen

Kritik:
Oliver Stones Finanzthriller traf 1987 wie die Faust aufs Auge und erzählte, inspiriert von verschiedenen tatsächlichen Wall Street Skandalen und Anekdoten der 80er, eine geradlinige Studie über Macht, Geld und Beschaffungsmechanismen. Gordon Gekko wurde in der fantastischen Verkörperung von Michael Douglas zum Sinnbild für den amerikanischen Kapitalismus und mit „Gier ist gut“ macht man bis heute jeden Börsianer glücklich.

Regisseur und Co-Autor Stone hatte im Jahr zuvor mit „Platoon“ ein viel umjubeltes, aber auch umstrittenes Vietnamkriegsmeisterwerk abgeliefert, wandte sich danach einem gänzlich anderen Kriegsschauplatz zu. Der Krieg an der Börse, rund um Spekulationen, Kurstreiberei, Bestechung und lechzen nach wichtigen Insiderinfos, ist geprägt vom kapitalistischen Grundgedanken Geld zu vermehren. Ein ‚Genug’ gibt es nicht, wie auch Gordon Gekko dem grünschnäbligen Bud Fox erklären muss, der sich als durchaus talentierter Broker bei ihm einschmeicheln will. Mal gewinnt man, mal verliert man. Geld wird einfach nur übertragen. In einer von vielen brillanten Reden meint Gekko, er erschaffe nichts, er besitze nur. Börsenspekulation ist ein Glücksspiel. Rot oder Schwarz? Gerade oder ungerade? Gekko beherrscht das Spiel so gut, dass er es nicht mal mehr als Glücksspiel ansieht.

Tom Cruise wollte Bud Fox' Rolle
haben, aber Stone hatte sie zuvor schon Sheen versprochen

Von der Macht und dem Reichtum träumt auch Bud Fox, der bisher damit beschäftigt war, Besserverdienende zu kleinen Aktienkäufen zu bequatschen. Gekko verspricht mehr und Fox ist sich sicher, dass er das auch will, dass er die abgeklärte, ganz bewusst überarrogante Art Gekkos als idealisierte Verkörperung der Finanzwelt sieht. Charlie Sheen und sein Scheitel wirken lange Zeit ein wenig zu nett und Douglas spielt eh alles an die Wand, was sich mit ihm in dieselbe Szene traut. Doch wie Gekko mehr und mehr seine grotesken Formen und Vorstellung der freien Marktwirtschaft erläutert, da wächst auch Sheen enger mit seiner Figur zusammen. Fox wird selbstsicherer, eilt durch die Flure, drei Telefone gleichzeitig am Ohr und stets wilde Zahl- und Buchstabenkombinationen ausspuckend. Gekko krempelt ihn um, weil Fox ihm aus der Hand frisst, weil das neue Leben, das Geld, die Macht, die Anerkennung und auch die Frauen ihm gefallen. Und plötzlich sprudeln Gekkos Worte aus Buds Mund.

Stone inszeniert absolut geradlinig, aber schnell und überlegt. Der Schnitt sitzt, die packende Musik treibt und die Dialoge sind eh messerscharf. Beim chaotischen Börsentreiben klingeln schnell mal die Ohren, doch abstrahiert ist „Wall Street“ „nur“ ein metaphorischer Hahnenkampf um das größte Stück vom Kuchen. Macht und Machtmissbrauch; Vertrauen und Vertrauensmissbrauch. Jeder will das längere Ende für sich, denn der Egoismus siegt. Im Team kann man an der Wall Street nicht reich werden, nicht wirklich reich. Irgendwann muss man Eier zeigen und das einfordern, was einem noch nicht gehört, jedoch gehören soll. Wer am lautesten ruft gewinnt. Geschickt streut das Drehbuch von Stone und Stanley Weiser kleine Nebenplots ein, die wunderbare Gegenentwürfe zur Finanzwelt bieten, die eigentliche Handlung rund um Fox vs. Gekko jedoch nie unterdrücken. Buds Versuch einer ernsthaften Beziehung ist natürlich mit Problemen verbunden, während das Familienbild der Familie Fox gegen das der Gekkos steht. Das Bild der Anführer, der Väter und Leitwölfe zieht sich durchaus subtil und unaufdringlich durch den gesamten Film. .

Das ist aber auch nötig, denn mit zunehmendem Verlauf wird das Script müde, die Handlung vorhersehbar. Jedes Mal, wenn Gekko den Mund auf macht ist es ein Fest, doch Aufstieg und Fall und weitere Zukunft von Bud Fox entsprechen zu sehr den Erwartungen. Da bringen die Nebenhandlungen zumindest etwas Menschlichkeit in das illegal-amoralische Treiben mit Wertpapieren. Dank Stones schon damals routinierter Inszenierung fällt der Film jedoch nie stark ab und hat bis heute kaum von seiner Bissigkeit eingebüßt. „Wall Street“ zeigt den Börsenkrieg als Mann gegen Mann Duell, abseits vom weltpolitischen Treiben. Aktienspekulation als Schwanzvergleich und den Verlust des Unterlegenen muss der Arbeiter ausbaden, mit dessen Firma und Arbeitgeber auf viel höherer Ebene russisch Roulette gespielt wurde.

Fazit:
Es ist entweder die große Gordon Gekko/Michael Douglas Show oder ein bis heute relevanter, ja noch relevanterer Blick auf die kapitalistischen Spielereien auf dem Finanzsektor. Die eigentliche Handlung ist klassisch, doch Stone weiß zumeist, wo die Stärken von Film und Drehbuch liegen.

7,5 / 10

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