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KRITIK:
WALL STREET 2:
Geld schläft nicht
von
Christian Westhus
WALL STREET 2: MONEY NEVER SLEEPS (2010)
Regie: Oliver Stone
Cast: Michael Douglas, Shia LaBeouf
>auch lesen:
Westhus' Kritik zu Wall Street 2: Geld schläft nicht
(2010)
>auch lesen:
Westhus' Kritik zu Wall Street (1987)
Story:
Acht lange Jahre hat Gordon Gekko (Michael Douglas)
wegen allerlei Betrügereien auf dem Finanzsektor im
Gefängnis verbracht. Als er einsam und verbittert in
die Freiheit tritt, sucht er nach dem Neuanfang.
Zeitgleich versucht sich der junge Jake Moore (Shia
LaBeouf) an der Börse, sucht nach einem verpatzten
Deal jedoch einen finanziellen Ausweg. Wie passend,
dass er mit Winnie (Carey Mulligan), Gekko Gordons
Tochter liiert ist…
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Michael Douglas ist nur
zwei Jahre älter als Sylvester Stallone |
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Kritik:
Als Oliver Stone 2007 überraschend ankündigte, eine
späte Fortsetzung seines Moneten-Thrillers Wall
Street machen zu wollen, spitzte man die Ohren. Teil
Eins ist ein echter Klassiker und kam aus einer
Zeit, in der man Stone als einen der ganz Großen
schätzen durfte. Werke wie "Platoon" und "JFK -
Tatort Dallas" bewegten die Welt und machten den
Mann zum Kultregisseur. Nach den 90ern griff er dann
gleich mehrfach daneben; seine letzten drei Filme,
darunter der Trümmer-Tränendrücker "World Trade
Center", interessierten niemand mehr. Zu Recht, denn
offen gesagt waren es gähnend langweilige
Weichspüldramen, die ein Stone vor zwanzig Jahren
noch anders gemacht hätte.
Beim ersten Wall Street hatte er sich mutig getraut,
die Geldgeilheit aufstrebender Yuppies und das
Wertpapiersystem bloßzustellen. Da gerade erst die
Finanzkrise geläutet hat, schien es also der
perfekte Zeitpunkt für Gekkos Rückkehr zu sein. Es
sollte auch Michael Douglas entgegen kommen, denn
der graumelierte und mittlerweile leider schwer
erkrankte Veteran hatte ebenfalls schon seit
Ewigkeiten keinen wirklich guten Streifen mehr
vorzuweisen. Für seine Rolle im Original hatte er
damals den Oscar bekommen. Ist noch einer machbar?
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Tom Cruise wollte Bud Fox' Rolle
haben, aber Stone hatte sie zuvor schon Sheen versprochen |
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Am Ende des ersten Teils konnte man Ehrfurcht vor
dem eindrucksvollen Gordon Gekko haben, der die
Wirtschaft in- und auswendig zu kennen schien und
jeden Gegner dem Erdboden gleichmachte. Jeden bis
auf "Hot Shots" Hühnchenbogenschütze Charlie Sheen,
der ihn vor Gericht bringen konnte. Jetzt stellte
sich also die Frage, in welcher Verfassung Gekko
sich nach so einer Haft t. Würde er sich rächen
wollen? Hätte er die lange Zeit genutzt, den größten
Masterplan aller Zeiten auszuhecken? "Ocean’s 14"
goes Online-Banking?
Der Film überrascht schon zu Beginn, denn nachdem
Gekko wieder freikommt, springt der Film erst einmal
weite acht Jahre weiter. In diesen Jahren macht er
nichts Wichtiges und enttäuscht auch bei seiner
ersten Comeback-Szene. Eine als fesselnd gedachte
Rede vor wissbegierigen Studenten bleibt kraftarm
und bestätigt erste Befürchtungen. Gekko ist nicht
mehr derselbe. Obwohl Douglas Charisma versprüht,
ist die Figur ausgebrannt. Obwohl Sheen kurz
auftaucht, hat er nichts gegen ihn. Stattdessen
konzentriert sich Gekko auf Brolins Mogul, doch wer
sich davon beeindruckenden Machtkampf zweier Größen
erwartet, irrt. Beide spielen zwar gute, aalglatte
Donald Trump Verschnitte, doch keiner von beiden
zeigt beeindruckende Manöver. Gerade zu albern ist
ein spätere Verwandlung Gekkos, der sich plötzlich
doch noch, welch Überraschung, als lügnerischer
Fiesling outet. Damit es optisch passt, gelt er sich
die Haare wieder nach hinten und sieht damit genau
so aus wie im Erstling, nur dass er nicht so
gerissen und bissig erscheint. Auch Stone selbst
enttäuscht in der Hinsicht, denn Wall Street 2 ist
kein anspruchsvoller, intelligenter Film über
Wirtschaft.
Das Geldhaibecken
wird sogar nur am Rande gezeigt, da der eigentliche
Fokus woanders liegt. Die Hauptrolle spielt "Transformers"-Junge
Shia LaBeouf, der eine Variation der Sheen Figur aus
dem ersten Teil spielt. Eine uninteressantere, denn
die meiste Zeit wird er davon abgelenkt, sich mit
den Finanzgeschichten auseinanderzusetzen. Das
maßgebliche Problem des ganzen Films ist seine
Freundin (Carey Mulligan), die unentwegt stört. Ein
Großteil der Handlung besteht darin, dass Jake ihre
Familienprobleme lösen will und sie sich davor
sträubt. Hochzeit und Kinder fallen als Begriffe,
aber selbst wenn man diese unnötige Romanze für das
wichtigste hält, wirkt sie nicht, da die ständig
nörgelnde Freundin unsympathisch bleibt und Stone
keinerlei Händchen für Romantik hat. Darüber hinaus
sieht LaBeouf einach zu jung aus, um ernst genommen
zu werden, obwohl er sogar älter ist als Sheen
damals.
Auch wenn Bretton und Gekko nicht das sind, was sie
sein könnten, lebt der Film jedes Mal auf wenn sie
wieder auftauchen. Auch in den Nebenrollen ist das
Ding eigentlich gut besetzt: der 94jährige, fast
mumienhafte Eli Wallach aus "Zwei glorreiche
Halunken", Ex-Skeletor Frank Langella und Susan
Sarandon aus "Speed Racer" heben zeitweise das
Niveau, können aber auch nichts daran ändern, dass
der Film in die falsche Richtung läuft. Gerade zu
katastrophal ist das nachträglich neu gedrehte Ende,
das es so zunächst nicht im Script gab. Statt in
einem ambivalenten Ende, das den Figuren treu
geblieben wäre, endet die Geldgeschichte im
schlimmsten Melodramenkitsch.
Visuell ist Stones "Wall Street 2: Geld schläft"
nicht einer der auffälligsten Filme des Jahres,
wobei das nicht unbedingt positiv gemeint ist. 1987
setzte Stone schon geteilte Bilder und schnelle
Übergänge ein, um den Stress und die Hektik des
Business-Alltags darzustellen, 2010 übertreibt er es
aber. Unentwegt wird mit dem Bild herumgespielt, es
gibt dutzende Einschübe, Aufteilungen und ein völlig
verrücktes Durcheinander an Überleitungen. Es wirkt,
als habe Stone die Funktion jetzt erst entdeckt und
gleich mal alles Verfügbare gleichzeitig
ausprobiert.
Es sticht sich mit dem eigentlichen Design und Klang
des Films, da man ständig in eleganten Luxus-Suites
und VIP-Bars hockt, die Ruhe und Gelassenheit
ausstrahlen. Ebenso der Soundtrack, der gemächlich
vor sich hindudelt, größtenteils auf alte Sinatra
Stücke zurückgreift und alt und elegant erscheinen
will. Wenigstens verzichtet man überraschenderweise
darauf, sich allzu sehr aufs Internet zu stürzen;
man bleibt wenigstens noch davor verschont, dass
Gekkos Leitspruch „Gier ist gut“ getwittert wird.
Fazit:
Gerade jetzt zur Zeit der großen Wirtschaftskrise
hätte Wall Street 2 ein bedeutender Film sein
können, doch den Anspruch hat Stone nicht. Anstatt
die aktuelle Finanzlage zum kritischen Thema zu
machen und näher zu beleuchten, verrennt man sich in
ein kitschiges Familienmelodram Wäre Gekko mal
besser im Knast geblieben.
4,5 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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