BG Kritik:

Warcraft - The Beginning


von Marco Steimels -> Starblight.de besuchen

Warcraft - The Beginning (USA, 2016)
Regisseur: Duncan Jones
Cast: Travis Fimmel, Toby Kebbell

Story:
Als der Ork-Hexenmeister Gul'dan (Daniel Wu) ein Portal von Draenor nach Azeroth öffnet, entbrennt ein Krieg zwischen den Orks und den Menschen. Doch während die Menschen - angeführt von Anduin Lothar (Travis Fimmel) - ihre Welt verteidigen, fängt Durotan (Toby Kebbell), der Häuptling des Frostwolf-Clans an, die Taten Gul'dans zu hinterfragen.


Die legendäre Spielereihe endlich auf der großen Leinwand - ein würdiges Fantasyepos?

Der Film bezieht sich auf das erste Spiel der Reihe, Warcraft: Orcs and Humans


Als Blizzard in den 90ern mit ihrem Titel Warcraft den Grundstein für eine der erfolgreichsten Videospielreihen überhaupt gelegt haben, hätte wohl niemand gedacht, dass man den ewigen Konflikt zwischen Horde und Allianz irgendwann auch auf der großen Leinwand erleben würde. Mit den technischen Möglichkeiten und dem Anspruch von Blizzard entwickelten sich neben den Spielen selbst auch stets die animierten Intros und Zwischensequenzen weiter. Dadurch wurden auch die Rufe nach einer Verfilmung der epischen Geschichte immer lauter. Durch den finanziellen Erfolg des Online-Spiels World of Warcraft beschwingt, wurden erste Planungen bei Legendary Pictures angestrebt, welche sich die Filmrechte sicherten. Dennoch dauerte es noch viele Jahre, bis das Projekt erste Formen annahm und man mit Duncan Jones, welcher zuvor Moon inszenierte, einen geeigneten Regisseur fand. Zudem wurden auch viele kreative Köpfe von Blizzard Entertainment involviert, um sicher zu gehen, dass der Film der Vorlage treu bleibt und auch alteingesessene Fans ein zufriedenstellendes Ergebnis bekommen.

Doch die Treue zur Vorlage könnte auch ein Stolperstein für Zuschauer sein, die bisher keinen Kontakt zu den Spielen hatten, denn man macht kein Geheimnis daraus, dass das Warcraft-Universum voller fantasievollen Orten und Kreaturen ist und es viel Geduld braucht, um sich in dieser Welt einzufinden.

Eine große Stärke des Films sind die unterschiedlichen Perspektiven der beiden bekriegenden Parteien. Die Orks müssen ihre der Zerstörung nahen Heimatwelt verlassen, um zu überleben, während die Menschen sich gegen die Bedrohung durch die Orks verteidigen müssen. Dieses Spiel mit den Perspektiven bietet eine interessante Möglichkeit, welche im Verlaufe des Films in einer großartig inszenierten Einstellung mündet, in der die Blickwinkel fließend ineinander übergehen. Der Film zeigt auch viel Herz, was vor allem bei brutalen und kämpferischen Orks sehr dabei hilft, eine gewisse Sympathie aufzubauen. Jedoch kränkelt Warcraft oft an den teils substanzlosen Dialogzeilen, die die ansonsten motivierten und durchaus gut besetzten Schauspieler vortragen. Ben Schnetzers Khadgar, ein junger Magier, sorgt mit seiner unbeholfenen Art für den nötigen lockeren Unterton, bekommt aber auch viele Szenen, in denen er mehr als nur Comic Relief sein darf.

Bei Erfolg sollen Verfilmungen von Diablo und Starcraft folgen


Die Effektqualität ist durchgehend hervorragend. Sowohl die von ILM in aufwändigem Motion-Capture-Verfahren realisierten Orks an sich, als auch die komplett im Computer geschaffene Welt sind detailreich und überzeugend authentisch. Fans der Spiele werden sich sofort heimisch fühlen, und begeistert sein, wie lebendig alles wirkt. Ein besonderer Augenschmaus ist die Visualisierung der Zauber, die für beeindruckende Momente sorgen.

Wer sich mit der Geschichte von Warcraft auskennt, darf leider keine großen Überraschungen in der Handlung erwarten, denn diese ist bis auf gewisse Zeitabläufe und Handlungsorte nah an der Vorlage gehalten. Für das Massenpublikum wurde sie zwar stark vereinfacht, das aber, ohne ihre Stärken zu verlieren. Der Film wirkt in sich stringent, doch hätten weitere nachvollziehbare Charakterentwicklungen der Dramaturgie durchaus behilflich sein können. Dass viele Fragen offen bleiben, ist sicherlich der Hoffnung auf Fortsetzungen geschuldet. Seltsamerweise fehlt es im ersten offiziellen Teil an großen epischen Schlachtszenen, die den Film noch denkwürdiger hätten machen können, und die man anhand der Trailer eventuell hätte erwarten können.

Duncan Jones, selbst großer Liebhaber der Spiele, liefert eine sehr gute Regiearbeit ab, fängt die hektischen, oft brutalen Kämpfe gut ein und sorgt für eine ansehnliche Bildsprache, die durch den geschickt eingesetzten 3D-Effekt zusätzlich an räumlicher Tiefe gewinnt. Ramin Djawadi zeichnet sich für die musikalische Untermalung aus und bedient sich an Themen aus der Spielereihe, verwob diese aber mit seiner eigenen Note zu einem Geflecht, welches die Szenen gekonnt mit der passenden Stimmung unterlegt. Dies alles ergibt einen guten Film, der am unbefangenen Kinogänger leider kaum Spuren hinterlassen wird und sich zu sehr auf die zahlreichen Verehrer der Videospielreihe konzentriert. Es gibt viel Potenzial und auch die Welt wird ausreichend aufgebaut, um dieses in weiteren Filmen auszunutzen, jedoch hinterlässt der Erstling beachtlichen Hunger auf mehr, und so mancher Zuschauer wird dabei neidvollen Blickes zu anderen Genrevertretern schielen. Mit mehr Laufzeit und groß angelegten Schlachten hätte Warcraft ein bemerkenswertes Epos sein können, so ist dieses Werk aber nach aktuellem Stand zwar die bisher beste Umsetzung eines Videospiels, als Fantasyfilm jedoch nur ein guter.

Fazit:

Warcraft ist ein Film von Fans für Fans, leidet jedoch an teils platten Dialogen und kratzt nur am möglichen Potenzial, bietet dafür aber eine großartige Optik mit faszinierenden Schauplätzen und könnte nach Avatar die nächste Evolutionsstufe der Computereffekte darstellen.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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