BG Kritik:

Who am I - Kein System ist sicher


von Michael Herbst

Who am I - Kein System ist sicher (DE, 2014)
Regisseur: Baran Odar
Cast: Elyas MBarek, Hannah Herzsprung

Story:
Benjamin ist im wahren Leben ein Einzelgänger, der nur daheim am Rechner so richtig aufblüht. Als Teil einer Hackergruppe bricht er die Regeln des Systems und findet gleichgesinnte Freunde. Problematisch wird’s als ihnen die Behörden auf die Schliche kommen…

Ob der eine Verbindung aufbauen kann?

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Dass Computerthemen unterhaltsames Kino sein können, bewies Fight Club Macher David Fincher vor einigen Jahren mit seinem Facebook Film The Social Network. Die Darstellung des Mark Zuckerberg zeigte zwar keinen allzu kriminellen Schwerverbrecher bei aufregenden Brüchen, konstatierte aber effektiv die nebenher laufenden Kernthemen wie Verrat und Freundschaft. Vergleichbares versuchte Benedict Cumberbatch vor kurzem mit dem Wikileaks Streifen Inside Wikileaks, scheiterte daran aber vergebens.

„Who am I“ des Schweizers Baran Odar ist vom Ergebnis her ungefähr zwischen den beiden Vorgängern zu finden. Der Film hat mit Elyas M’Barek, Tom Schilling, Wotan Wilke Möhring und Hannah Herzsprung ein gut gewähltes Raster deutscher Stars, die alle ihre gewohnten Stärken ausspielen dürfen. So gibt M’Barek einmal mehr den vorlauten Charismaten, Schilling den emotionalen Kern, Möhring den Humor und Herzsprung die Vernunft. Eine dicke bärtige Nebenfigur gibts, aber die ist nur Witzfigur am Rande. Die Bande bereitet jede Menge Spaß, entspricht wenn wir mal ehrlich sind aber nicht den typischen Hackervorstellungen. Keiner von ihnen ist ein unsportliches Kellerkind, stattdessen sind sie viel unterwegs, feiern ausschweifend, nutzen ihre Künste um live vor Ort einzubrechen und leben überhaupt das aus, was viele Filme wie The East, Wir sind die Nacht und Ein Freund von mir vorschwärmen: grenzenlose Freiheit, raus aus den typischen Pflichten, tun und lassen was und wann man will und mit allem davon kommen. Who am I glorifiziert das Kriminellenleben in überzeugenden Bildern. Wenn man immer anonym sein könnte, wer hätte die Neugier nicht?

Elyas M'Barek dreht bereits Gack ju Göthe 2


Das hat seinen Reiz und wie es jede Sündengeschichte verlangt, folgt auch hier der spätere Fall. Plötzlich sind sie selbst die Gejagten und es kommt zum großen Duell, wer der klügere am Keyboard ist. Hier verliert die ohnehin schon aus Klischees, Klischeefilmfiguren und Klischeewendungen zusammengesetzte Handlung sich dann zu sehr in Altbekanntem, den plötzlich ertappt man Odar dabei, einen reichlich berühmten anderen Film zu imitieren. Kennt man den, verfällt sämtliche Restspannung. Kennt man den nicht, ist es eine effektive Überraschung, sofern man den vielen Andeutungen und schwachen Kaschierungen nicht zum Opfer fällt. Gut gewählt ist die Erzählperspektive. Was zunächst lahm erscheint, dass Benjamin rückblickend den Behörden erzählt wie sich alles zutrug, wird interessant wenn man merkt, dass Benjamins subjektive Geschichte so eventuell nicht ganz stimmen könnte.

Für sein rebellisches, modernes Auftreten bleibt „Who am I“ recht diskussionsarm. Abseits der passablen, aber halt schon oft gesehenen 0815-Handlung werden die interessanten Überlegungen bezüglich Vernetzung, Social Networking und Datensicherheit im Netz ohne größere Beachtung behandelt. Es wird kaum darauf eingegangen, was alles möglich ist, wem was möglich ist und nur in oberflächlichem Maß darüber diskutiert, ob man diese Instrumente so einsetzen können sollte, was es für unsere Zukunft oder aktuelle Gegenwart bedeutet oder dergleichen. Was den Film interessanter gemacht hätte, wäre eine Idealistenfigur, die intellektuell was in Bewegung setzt, ein Statement über unseren aktuellen Datenumgang macht. Das hat Odar nicht, er will bloß unterhalten. Unter dem Strich ergibt es einen Film über einen Mann, der einer Frau mit einem coolen, kriminellen Hobby imponieren will und dabei (fast) auf die Schnauze fällt.

Fazit:

Who am I – Kein System ist sicher ist ein durchschnittlich guter Film mit unterhaltsamen Darstellern und vielen funktionierenden Klischees. Packender als Inside Wikileaks, aber nicht ansatzweise so denkwürdig wie 23 - Nichts ist wie es scheint oder The Social Network.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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