BG Kritik:

Wolf Creek 2


von Michael Eßmann

Wolf Creek 2 (AUS, 2014)
Regisseur: Greg McLean
Cast: John Jarratt, Ryan Corr, Shannon Ashlyn, Philippe Klaus

Story:
Irgendwann nach den Ereignissen aus „Wolf Creek“ ist der Killer von damals noch immer aktiv. Sein neues Ziel sind das deutsche Paar Katarina und Rutger, sowie der Brite Paul.



Mick Taylor ist zurück, seine Schrotflinte und sein Jagdgewehr im Anschlag und das Messer frisch gewetzt und einsatzbereit, patrouilliert der sadistische Killer in seinem blauen Pick-up-Truck durchs australische Outback, rund um den titelgebenden Wolf Creek-Krater. Wem der Name Mick Taylor nichts sagt, hat vermutlich Greg McLeans „Wolf Creek“ nicht gesehen. Denn vergessen kann man den fiesen Sadisten mit Backenbart und Flanellhemd wohl kaum. Nach Jahren des Wartens ist Mick nun in einem Sequel zurück. Wenn man als Horrorkonsument durch Wes Cravens „Scream 2“ etwas gelernt hat, dann vermutlich die Regeln einer Fortsetzung: „1. Es werden mehr Leute umgebracht. 2. Die Todesszenen sind besser ausgearbeitet, mehr Blut, mehr Gekröse, ein nettes Gemetzel, das erwartet die Fangemeinde!“ Und das trifft alles perfekt auf den zweiten „Wolf Creek“ zu.

Wieder von Greg McLean, wieder mit John Jarratt


Zuerst beginnt Teil 2 allerdings noch exakt wie das Original, indem über die bekannten Texteinblendungen wieder von wahren Ereignissen berichtet wird, auf welchen das Nachfolgende basiere. Natürlich Quatsch, sorgt aber für die notwendige Stimmung. Was sogleich auffällt, „Wolf Creek 2“ sieht ein gutes Stück teurer aus als der Erstling, und wirkt was die Regie angeht auch selbstsicherer und auch filmischer, da u.a. der günstige Handkamera-lastige Stil des Erstlings, zu Gunsten eines schnellen, mit mehr Schnitten, und eingesetztem Equipment, mehr oder weniger aufgegeben wurde. Dies ist der Dynamik sehr zuträglich, und technisch merkt man also, wo das erhöhte Budget gelandet ist, welches hier ca. 8 Millionen Dollar betrug. Teil 1 kostete noch 1 Million. Auch ist der Look deutlich satter, und da diesmal keine Regenzeit ist, kann man das Outback so in seiner vollen, orangeroten Pracht und unter glühender Sonne genießen. Wunderschön. Aber nicht nur über den Schnitt wirkt „Wolf Creek 2“ deutlich schneller, als noch Teil 1. Denn diesmal startet Mick Taylor seinen Truck, und gibt ohne Warmlaufphase direkt mächtig Gas, so dass es auch direkt mit blutigen Details losgeht.

Teil 1 brauchte hierfür eine Startphase von gut und gerne fast 50 Minuten, hatte aber natürlich auch den Job, gewisse Dinge und Figuren vorzustellen. Teil 2 braucht dies entsprechend nicht, und wo sich das Original wie gesagt noch damit abschleppte, die Rucksack-Touristen und die Gegend um den Krater vorzustellen, kann das Sequel direkt in die Vollen gehen, und lässt so auch in den ersten Minuten direkt, Mick at its best vom Stapel. John Jarratt ist wieder ganz in seiner Rolle, als hätte er sie seit 2005 nicht abgelegt. Und so ist sein Mick auch wieder so fies und sadistisch als wie zuvor, und erledigt im Opening erstmal auf spektakuläre und erstaunlich blutige weise zwei Cops, die ihn unberechtigterweise wegen zu schnellem Fahren verwarnen. Aber wer möchte es ihm verübeln. Den Vorteil eines Sequels voll ausnutzend, bemüht sich Greg McLean („Rogue - Im falschen Revier“) also diesmal gar nicht erst, die Neigungen von Mick in irgendeiner weise zu verstecken, sondern geht direkt in die Vollen. Hier merkt man spätestens, einen anderen Film vor sich zuhaben. Denn nicht nur beinhaltet dieser erste Kill, in etwa soviel Blut, wie der gesamte erste Teil. Nein, auch die Perspektive und Stimmung sind eine neue, und das hier ist die Mick Taylor-Show. Und der will in seiner Show zu den Klängen von „The Lion Sleeps Tonight“ gefeiert werden, denn er ist der Star.

Lebte Teil 1 vor allem von seiner Atmosphäre, so trifft dies auch auf das Sequel zu. Nur ist dies nun eine fast völlig andere, als noch beim Original. Denn von der sich langsam aufbauenden, dichten, bedrückenden, ja Panik auslösenden Stimmung des letzten Drittels, spürt man beim zweiten Ausflug zum Wolf Creek lange Zeit gar nichts mehr. Im späteren Verlauf ändert sich dies wieder, und es keimt die alte Atmosphäre aus dem Camp von Mick wieder auf, allerdings überstrahlt von plakativer und grafischer Gewaltdarstellung, die eher an einen der späteren Teile von „Saw“, denn an den Atmo-Shocker „Wolf Creek“ erinnert. In „Wolf Creek 2“ steht nun deutlich das Blut im Vordergrund, und zudem soll Mick Taylor sichtlich noch weiter zum elitären Club der Kult-Killer aufschließen. Denn von den ruhigen Psychospielen, mit moderatem Blutanteil, ist diesmal nicht mehr viel zu spüren. Psychospiele ja, aber der Blutzoll den Mick in seinem Sequel fordert, ist doch um einige Liter erhöht worden, und statt eines Horrorfilms mit dichter Atmosphäre und Phasen von sadistischer Gewalt, wird eher in Richtung Slasherfilm und sogar Torture Porn gefahren. Anstatt also erneut auf eine dichte Atmosphäre zu setzten, und mit im Kopf des Zuschauers wirkenden Momenten wie „Kopf am Stiel“ zu schocken, überschreitet der Film diesmal lieber die feine Linie zwischen Horror und Torture Porn-Kino, und das nicht nur einmal. Dementsprechend wird also ausgiebig gezeigt, statt angedeutet. Ähnlich wie damals der Sprung von Jonathan Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ zu Ridley Scotts „Hannibal“. Nur heftiger, und der unterschiedliche Präsentationsstil würde wohl weniger verwundern, säße nicht wieder Greg McLean auf dem Regiestuhl. Positiv gesehen, wiederholt man sich aber nicht, und versucht was anderes.

Der erste gehört zu den bekanntesten australischen Horrorfilmen


Bei einem ist allerdings alles beim Alten geblieben, und das ist Micks Hauptzielgruppe. Dies sind natürlich weiterhin die ungeliebten Rucksack-Touristen, von denen es seiner Meinung nach viel zu viele gibt. Und so wendet man sich nach dem Eröffnungskill dann auch mal kurz ab von Mick, und präsentiert dessen diesmaligen, bedauernswerten Hauptspielgefährten, bestehend aus dem deutschen Paar Katarina und Rutger, sowie etwas später auch den Briten Paul. Der Fokus liegt wie gesagt aber diesmal deutlich auf dem Killer, und nicht auf den Opfern. Daher sind diese neuen Opfer-Figuren nun auch etwas weniger tief gezeichnet, und mehr anonymes Schlachtvieh. Allerdings gut spielendes, denn die Opfer-Darsteller liefern eine wirklich gelungene Performance ab. Wenn es aber je wandelnde Stereotypen von Deutschen gab, dann hier. Denn kaum ist Katarina auf dem - zugegebenermaßen beeindruckenden - Kraterrand am Wolf Creek angekommen, beginnt das typisch deutsche Mädel, erstmal standesgemäß zu Jodeln.

Holladio, schallt es durchs Outback. Nur die Lederhosen fehlen. Schade eigentlich, denn dann wäre es wohl offenkundige Satire. Aber auch wenn die Naturkulisse nicht jeden zum spontanen Jodeln einzuladen vermag, beeindruckend schön ist es allemal, und gehörte ja auch schon zu den Stärken des Erstlings. Neben dem Klischee des jodelnden Deutschen, haben es noch weitere Klischees, und allzu bekannte Momente in den Film geschafft. Eines davon ist ein wahres Lehrbuch der Verfolgungsjagd im Film, nach extrem klassischem Muster. So droht beim PKW des flüchtenden Opfers nicht nur der Motor zu überhitzen, nein, auch die Tankanzeige signalisiert eifrig, einen gefährlichen Engpass, und als wäre dies nicht schon schlimm genug, kommt noch ein dritter, allzu bekannter Standard-Moment hinzu, der hier aber nicht benannt werden soll. Vielleicht wäre weniger echt mehr gewesen, und damit kann man auch einen weiteren Punkt beschreiben, die bereits ausgiebig erwähnte Gewalt. Denn teilweise geht dies schlicht zu weit, strapaziert über, und lässt einen übersättigt zurück. Ein klarer Fall von Gewalt zum Selbstzweck, und zu platt und plakativ in Szene gesetzt. Auch versandet im Verlauf der ca. 100 minütigen Laufzeit für eine Weile die Spannung, da es phasenweise ein wenig zu sehr Morden nach Zahlen, und damit zu berechenbar wird. Auf der anderen Seite betritt der Film aber auch angenehmes fast Neuland, und präsentiert mal was abseits der üblichen Klischees, um standardisierte Survivor-Girls, Helden und weiterem.

Fazit:

Mick Taylor ist zurück und hat sich bis auf deutlich erhöhte Blutgier kaum geändert. Der Film drum herum ist aber ein anderer geworden, und statt ruhiger Atmosphäre und Schockmomente, wird auf Blut, Terror und Folter gesetzt, aber so verkommt der Film zumindest nicht zu einem lauen Aufguss, sondern tischt etwas Neues auf. Beide Filme sind gut, aber nicht perfekt, und wo Teil 1 eine wirklich extrem lange Einführung hatte, - in der bis aus Wandern im Outback kaum was interessantes passierte - hat Teil 2 diverse Längen im Mittelteil, verzettelt sich zu lange in einer extrem langen Folterszene, und verliert durch eine extrem hohe Berechenbarkeit, einiges an Spannung. Insgesamt nicht ganz so gruselig wie das Original, dafür um einiges zeigefreudiger und blutiger, und statt „Kopf am Stiel“, gibt es eine Runde perverses „Wer wird Millionär“, mit ihrem Gastgeber Mick Taylor.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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