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Kritik:
Wolverine: Weg des Kriegers


von Christian Westhus

THE WOLVERINE
(2013)
Regie: James Mangold
Cast: Hugh Jackman, Tao Okamoto, Rila Fukushima, Famke Janssen, Hiroyuki Sanada, Svetlana Khodchenkova

Story:
Logan alias „Wolverine“ streift ziellos durch die Welt, bis er nach Japan eingeladen wird. Dort will sich ein alter Bekannter für Logans Hilfe bedanken, der ihm vor einigen Jahren das Leben rettete. In Japan gerät Logan in eine Verschwörung aus Großindustriellen, Yakuza und anderen Mutanten, die ihn zwingen, sich selbst zu finden und zu akzeptieren.

Kritik:
Nach drei „X-Men“ Filmen, „X-Men Origins: Wolverine“ und „X-Men: First Class“ ist der inhaltliche und chronologische Zusammenhang dieses eigentlich geschlossenen Universums bei 20th Century Fox ziemlich im Eimer. Mit „First Class“ und der 2014 erscheinenden Zeitreise-Fortsetzung „Days of Future Past“ versucht man die Lücken zu schließen und einen Neustart zu initiieren. Die Mutanten der ersten drei Filme sollen inhaltlich zusammenhängend den Stab an die neu besetzte „First Class“ weitergeben. Und „Wolverine: Weg des Kriegers“ fungiert gleichermaßen alleinstehend und als Kleister, die beiden Hauptgruppen zusammenzufügen. In erster Linie aber versucht man „Origins“, für den sich wohl auch Fox reichlich schämt, vergessen zu machen. „Origins“ fliegt komplett raus aus der verwirrenden Chronologie, wird ignoriert und geleugnet. Angesiedelt nach den Ereignissen von „Der letzte Widerstand“ ist es deutlich wichtiger, sich erinnern zu können, was denn mit Jean Grey los war und warum Logan seine Alter Ego Wolverine verleugnet, wenn er als bärtiger Zausel mit Wut und Selbstzweifeln durch die Wälder zieht und immer mal wieder von Jean träumt. 

Man will sich mit diesem „Wolverine“ vom finanziell akzeptablen, aber äußerst unbeliebten und für den Gesamtzusammenhang äußerst ungeschickten „Origins“ rehabilitieren. Regisseur James Mangold (u.a. „Todeszug nach Yuma“) ist kein Kreativer auf dem Level eines Christopher Nolan oder Joss Whedon, aber ein fähiger Handwerker, der dieses Wolverine Abenteuer ganz gezielt als hochqualitatives und ganz besonders ernstes Unterfangen inszenieren will. „Wolverine: Der Weg des Kriegers“ wirkt im allgegenwärtigen Selbstübersteigungstaumel der Sommerblockbuster ein wenig wie ein Fremdkörper. Ruhiger, langsamer und deutlicher kleiner, beschränkt sich das drohende Unheil auf ein paar wenige Figuren, die maximal an Geld oder körperlicher Unversehrtheit interessiert sind, statt den Weltuntergang heraufbeschwören zu wollen, wie das sonst so häufig der Fall ist. Man könnte auch sagen, dieser Film ist im Vergleich erfreulich bodenständig, erfreulich nah an den Figuren, statt um jeden Preis ein gewaltiges Spektakel zu präsentieren. Die Figur Wolverine ist alleine nicht unbedingt gut dafür geeignet, effektreich-zerstörerischen Bombast zu liefern, wie ihn das Blockbusterkino aktuell fordert. Wie das aussehen kann, wenn man aus einem Wolverine Film einen Spektakelfilm machen will, haben wir bei „Origins“ ja gesehen.

Hugh Jackmans Logan ergeht es dabei ein wenig wie Captain America, der im Vergleich mit Göttern und Kampfrobotern auch eher einfach wirkt und sich in erster Linie als pfiffiges Weltkriegsabenteuer mit Fantasy Touch präsentieren musste. Dieser „Wolverine“ ist noch eine Spur ernster, noch eine Spur weniger unterhaltsam. Action gibt es in gut gesetzten, aber großzügigen Abständen, in der Regel begrenzt auf kleinere Verfolgungsjagden und direkten Duellen mit Wolverine gegen schießwütige und schwertschwingende Yakuza. Das ist mit Kamera und Schnitt hier und da ein wenig zu nah, zu flott präsentiert, insbesondere für 3D, das man sich generell sparen kann, aber es macht durchaus Laune, den gewaltig aufgepumpten Hugh Jackman gegen einen Mann mit zwei Katanas vorgehen zu sehen. Jedes Mal, wenn der Film actiontechnisch mehr wagt, sich comicartigeren Auseinandersetzungen hingibt, wird es leicht albern; sei es im Finale oder bei einer irren Turneinlage auf einem Schnellzug. Mangold hat mehr Freude und Interesse, wenn er Logan als ewig brütenden, ewig angepissten Einzelgänger inszeniert, der nur langsam mit seiner Situation und den Leuten um ihn herum klar kommt. Die fremden Benimmregeln und gesellschaftlichen Konventionen in (einem doch spürbar westlich inszenierten) Japan stellen Logan natürlich mehrfach vor Probleme. Das ist nicht frei von Humor, aber insgesamt schon sehr erwachsen. Oder zumindest gewollt erwachsen. 

„Wolverine: Der Weg des Kriegers“ bewegt sich in einer gefährlichen Grauzone. An Spektakel oder Spaßfaktor kann er den „Avengers“ oder einem „Iron Man 3“ nicht das Wasser reichen. Er spielt nicht mal in derselben Liga. Als Charakterdrama ist er unterm Strich dann doch zu simpel, zu oberflächlich. Mangolds Herangehensweise (nach einem Drehbuch von Mark Bomback und Scott Frank) ist erfreulich und im gewaltigen Taumel der Konkurrenz willkommene Abwechslung, ohne radikal das Genre zu wechseln. Nur ob man mit diesem „drei Nummern kleiner“ Superheldenfilm die Massen begeistern kann, bleibt fraglich. Hugh Jackman hat nach wie vor Freude an der Rolle und bekommt hier endlich mal wirklich was zu tun; körperlich und emotional. Eine biochemische Waffe hat Einfluss auf seine Fähigkeiten und macht ihm zu schaffen, während er Jean nachtrauert, sich mit Schuldgefühlen abschleppt und in diese neue Verschwörung gerät, in der es natürlich eine Frau gibt, die Logan ganz besonders beschützen will. Mariko ist die Erbin eines Großindustriellen und steht schnell auf der Abschussliste. Ihre „Schwester“ Yukio und Logan wollen sie beschützen. Während Schurkin Viper nicht mehr ist, als ihre Fähigkeiten und ihre Gesinnung, sind Mariko und Yukio erfreulich gut ausgearbeitete Figuren. Zumindest im Vergleich zur sonstigen Comic-Konkurrenz. Es ist nicht besonders effektiv, die meisten Charakterhintergründe der beiden Frauen nur aus geäußerten Erklärungen oder Berichten zu erfahren, doch lebendig und interessant wirken sie dennoch. Und dass beide Darstellerinnen, Tao Okamoto und Rila Fukushima, eigentlich Models sind und hier quasi ihre ersten schauspielerischen Gehversuche unternehmen, fällt auch nicht auf. Sie liefern eine gute Leistung ab und sind mit dafür verantwortlich, dass diese beiden doch sehr zentralen Figuren mehr sind, als nur schmückendes Beiwerk. Das übereilte, überraschungsfreie und irgendwie antiklimatische Finale passt zum gesamten Film, der sich überaus motiviert und ambitioniert gibt, damit häufig überzeugt, aber unterm Strich nicht sein wirkliches Potential entfalten kann. (Für die obligatorische nachgeschobene Szene zwischen den End-Titeln lohnt es sich aber, nicht sofort aus dem Kinosaal zu flüchten.)

Fazit:
„Wolverine: Weg des Kriegers“ ist eine klare Steigerung zu „Origins: Wolverine“. Das war die Pflichtaufgabe. Regisseur James Mangold versucht sich mit einem top motivierten Hugh Jackman an einem gewollt ernsten und charakterbasierten Wolverine, der auffällig ruhig und deutlich kleiner ist, als die sonstige Comic-Konkurrenz des Sommers. Das ist sehr löblich und im Ansatz auch gelungen und interessant, entschädigt im Detail aber nicht immer ausreichend für fehlende Unterhaltung.

6 / 10

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