Kritik:
World Invasion
Battle Los Angeles
von
Christian Mester
BATTLE LA
(2011)
Regie: Jonathan Liebesman
Darsteller: Aaron Eckhart, Michelle
Rodriguez
Story:
Als sich eine Schar Asteroiden der
Erde nähert und dabei langsamer
wird, ahnt das US-Militär bereits,
dass es sich bei dem kommenden
Besuch aus dem All nicht bloß um
Steine handelt. Sie sollen mit ihrer
Besorgnis Recht behalten, denn
nachdem die vermeintlichen
Gesteinsbrocken in Nähe aller großen
Metropolen einschlagen, tauchen
außerirdische Soldaten auf, die die
Zivilbevölkerung der Menschen
angreifen.
Wie es der Filmtitel bereits verrät,
zeigt der als erster von mehreren
geplanten Filmen die Schlacht von
Los Angeles. Inmitten des
Kriegsgebiets bekommt ein Platoon
von Soldaten die Aufgabe, eine
Gruppe Zivilisten zu bergen. Staff
Sergeant Nantz (Aaron Eckhart), der
in einem Kriegseinsatz zuvor einmal
ein ganzes Team verlor und davon
noch traumatisiert ist, sieht seine
Chance auf Wiedergutmachung.
Selbstlos stürzt er sich ins
Gefecht.
Kritik:
Ob bei "Mars Attacks",
"Skyline" oder "Krieg der
Welten": Angriffe böser E.T.s zeigt
man in der Regel aus dem Blickwinkel
gewöhnlicher Bürger, während
militärische Einheiten im
Hintergrund bleiben. Die
prominenteste Ausnahme bildet wohl
"Independence Day", da Will Smith
als Kampfpilot Stephen Hiller darin
maßgeblich daran beteiligt wird, die
Welt zu retten. Wie in Mars Attacks
ist die Army aber auch in diesem
Film ein nur kleiner Teil einer
größeren Besetzung, da das
Hauptaugenmerk auf Fernsehtechniker
Jeff Goldblum liegt. "World
Invasion: Battle Los Angeles" dreht
den Spieß nun erstmals um und wird
ausschließlich aus Sicht eines
Army-Platoons erzählt. Das Konzept?
"Black Hawk Down" mit Aliens.
Für den Film zeichnet sich Jonathan
Liebesman verantwortlich, der zuvor
zwei größere Horrorfilme
inszenierte: "Darkness Falls" und "The
Texas Chainsaw Massacre: The
Beginning". Um seinen ersten
Actionfilm passend zu besetzen,
holte er sich nun Aaron Eckhart (Two-Face
aus "The Dark Knight") und Powerfrau
Michelle Rodriguez mit ins Boot.
Seine Arbeit am Film begeisterte das
Studio abschließend sogar so sehr,
dass man ihm prompt einen der
größten Blockbuster des nächsten
Jahres überließ: Die Rache der
Titanen, die Fortsetzung des
Fantasy-Actionfilms Kampf der
Titanen.
Man mag es Hollywood vorhalten
können, dass ein x-ter
Alienangriffs-Film nicht unbedingt
von außergewöhnlichem
Einfachsreichtum glänzt, doch es
steht wohl außer Frage, dass das
Schreckensszenario immer eine
interessante Grundlage für einen
Film abgibt. "World Invasion: Battle
Los Angeles" schreit mit seinen
Soldaten als Helden nun förmlich
nach sehenswertem Spektakel, geht es
doch im Kerne um harten
Überlebenskampf gegen einen
unbekannten und gleichermaßen
unheimlichen Gegner. Was im Konzept
jedoch viel versprechend klingen
mag, wird im Kinofilm leider nur
mäßig unterhaltsam umgesetzt. Diese
Invasion von Los Angeles ist letzten
Endes kaum der Rede wert. Die Makel
beginnen bereits auf Seiten der
Menschen. Aaron Eckhart ist zwar ein
äußerst sympathischer, und, wie man
in "Thank You For Smoking" bereits
erleben konnte, auch talentierter
Darsteller, gibt in diesem Fall aber
keinen auffälligen Anführer ab.
Trotz großer Ansprachen und
wagemutiger Einzelaktionen ist er
ein nur geringfügig charismatischer
Anführer, was auch daran liegen mag,
dass er keine nennenswerten Partner
in seinem Squad hat. Michelle
Rodriguez ist als Soldatin wie zu
erwarten tough, bleibt jedoch noch
einsilbiger als in "Avatar: Aufbruch
nach Pandora". Schlimmer sind
restliche Soldaten, die gänzlich
austauschbar sind und null
Persönlichkeit entwickeln. Es hilft
auch nicht, dass der Film sämtliche
Kriegsfilmklischees durchläuft („Sag
meiner Frau, dass ich sie liebe!“)
und diverse Logiklöcher aufweist.
Ähnlich misslungen wie die Menschen
sind die intergalaktischen Feinde.
Was anfänglich noch interessantes
biomechanisches Design ist, verliert
schnell seinen Reiz. Die Aliens
haben keinerlei sichtbares Gesicht,
nur eine nach Knete aussehende ovale
Gesichtskugel, womit sie automatisch
vollkommen unfähig sind, Emotionen
auszudrücken. Dazu kommt, dass sie
fast immer aus ferner Distanz
agieren und nie so eingesetzt
werden, dass sie gruselig wirken.
Schlimmer als das ist jedoch, dass
ihr militärischer Angriff auf Dauer
kaum eindrucksvoll wirkt. Sie sehen
zwar bizarr aus, schießen aber
altertümlich mit Kugeln, haben
keinerlei überlegene High-Tech, wie
beispielsweise überlegende Waffen
oder undurchdringbare Schutzschilde
(schwach: eine Kommandostation, die
aussieht, als hätten untalentierte
Blechkünstler planlos Fundstücke vom
örtlichen Schrottplatz
zusammengeschweißt) und zeigen
keinerlei nennenswerte Intelligenz.
Sie greifen nicht einmal in immenser
Überzahl an, sodass man sehr schnell
anzweifeln darf, dass die
ungebetenen Gäste ernsthaft Chancen
auf die Weltherrschaft hätten (und
somit nach erstem Schreck keine
wirklich ernstzunehmende Gefahr
darstellen). Bei all dem Kampf
Mensch gegen Monstrositäten hat man
es auch nicht unterlassen, den
gewöhnlichen Spießbürger außen vor
zu lassen. Die Zivilisten agieren
hier zwar hauptsächlich als
Missionsobjekt für die Soldaten,
bekommen aber teilweise längere
Momente, die allesamt nicht
funktionieren. Michael Pena aus "Shooter"
und Bridget Moynahan aus "I, Robot"
weinen als leidende Opfer viel, sind
aber ähnlich schlecht
charakterisiert wie die Soldaten,
womit all ihr zwischen-menschliches
Drama nur unnötig von Actionszenen
abhält und emotionales Debakel ist.
Neben all den inhaltlichen Schwächen
des Films vermag es leider auch
Regisseur Jonathan Liebesman nicht,
seinen Film handwerklich zu etwas
wirklich Sehenswertem zu machen. Er
versucht, bekannte Kriegsmotive aus
Filmen wie "Der Soldat James Ryan"
und "Black Hawk Down" filmisch
nachzuahmen und wackelt
dementsprechend viel mit der Kamera,
doch es wirkt oftmals eher störend
als atmosphärisch. Schwächen zeigen
sich in seinem Unvermögen,
Actionszenen fesselnd zu gestalten.
Die Aliens schießen meistens aus
Entfernung und aus Deckung, während
sich die Soldaten stets hinter
Autowracks ducken und Kontra geben,
aber bis auf eine einzige brenzliche
Situation auf einer zerstörten
Freeway-Brücke fällt die Action
dadurch uninspiriert und
unspektakulär aus. Zumindest in
technischer Hinsicht weiß "World
Invasion: Battle Los Angeles" zu
überzeugen. Obwohl der Film aus
Kostengründen zum Großteil in
Louisiana gedreht wurde, geben die
Sets eine glaubwürdige Nachstellung
der Küstenstadt ab, wäre sie ein
zerstörtes Kriegsgebiet. Hinzu
kommt, dass die wenigen deutlich
sichtbaren Auftritte der
Außerirdischen und ihrer Maschinen
gut inszeniert sind. Abgerundet wird
das Geschehen durch wuchtige Sounds,
die den Surround-Effekt hervorragend
ausnutzen.
Fazit:
"World Invasion: Battle Los
Angeles" sieht zwar recht schick aus
und hat tollen Sound, ist darüber
hinaus aber ein wenig aufregender
Popcornfilm. Langweilige
Heldenfiguren kämpfen gegen
misslungene Gegner, wobei es
zwischen beiden Fronten niemals
wirklich spannend oder spektakulär
wird.
4 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
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