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KRITIK:

THE YOUNG VICTORIA


von Christian Westhus

YOUNG VICTORIA (2010)
Regie: Jean-Marc Vallée
Cast: Emily Blunt, Rupert Friend, Paul Bettany

Story:
Nach dem Tod von König William wird dessen 18-jährige Nichte Victoria 1837 Königin von England. Am Hof buhlen verschiedenen Parteien um die Gunst der angeblich naiven Monarchin, während diese sich stark gibt und nach Liebe sehnt.

Emily Blunt sollte als erste Black Widow in IRON MAN II
spielen, musste aus Termingründen jedoch absagen

Kritik:
Schicksalsjahre einer jungen Kaiser- pardon, Königin. Kitsch und Intrigen am englischen Hofe, weil eine Jugendliche Königin werden soll und den älteren Herrschaften bei ihrem drohenden Machtverlust die Knie schlottern. Und zwischen dem höfischen Charadespiel muss das junge Ding namens Victoria die große, neue Rolle ausfüllen und sorgt sich doch nur zu sehr um die eigenen Herzensangelegenheiten. Ein zünftiger Kostümfilm also, der die ersten Regentschaftsjahre der späteren „Großmutter Europas“ behandelt. Ein Teeny im Buckingham Palace und geifernde Herren gieren nach ihrem Teil.

Und so muss Victoria, bevor sie volljährig ist und den Thron besteigen darf, das strenge Regiment von ihrer Mutter und deren Vertrauen Lord Conroy ertragen, die das arme Kind rigoros isolieren und mit teils lächerlichen Auswüchsen adliger Etikette schikanieren. Nicht ahnend, dass unter der Fassade des nur latent mürrischen, nach außen gehorsamen Mädchens die Aufmüpfigkeit brodelt. Sie ahnt, mit großer Macht folgt nicht nur große Verantwortung, sondern auch große Genugtuung und so werden sich Mutti und Lord Conroy noch wundern. Diese beiden wollen natürlich, sitzen sie doch direkt an der Quelle, ebenfalls ihr Stück vom Machtpotential abhaben, was nach Möglichkeit bedeuten soll, dass sie selbst regieren dürfen. Conroy, der wahlweise unterstützt wie gezielt lenkt, wird von einem Mark Strong gespielt, der, wie so oft in letzter Zeit, mal wieder so etwas wie den Schurken des Films geben darf.

YOUNG VICTORIA gewann den Oscar für
die besten Kostüme

Doch tatsächlich versucht alle Welt Victoria für sich zu gewinnen, zu lenken und zu verkuppeln, nun, da der noch regierende König William sich langsam aber sich dem Grabe nähert. An dessen Geburtstag (historisch war’s eigentlich an Victorias Geburtstag) stolpern wir relativ früh in ein wahres Kasperltheater an royalen Peinlichkeiten, wenn der König, Victorias Onkel, leicht angeschickert mal so richtig Dampf ablässt, was ihm in seiner Sippschaft aktuell so richtig gegen den Strich geht. In konfus montierten ersten Minuten läuft erzähltechnisch einiges falsch. Kindheitseindrücke, wallende Kostüme, ein kurzer Moment aus der Krönungszeremonie und plötzlich sind die nachfolgenden 30 Minuten mal wieder unnötige Rückblendenmomente, geprägt von eigenartigem Palaver und amüsant-unbeholfenen Werbeversuchen um die zukünftige Königin. „The Young Victoria“ verkommt früh zur reichlich unentschlossenen Adelsschmonzette. Weder Fisch noch Fleisch und Kuchen dürfen wir in diesem Fall auch nicht essen.

Besonders in der ersten halben Stunde wirkt das meiste in Sachen Dialog und Handlung doch erstaunlich modern. Störend modern, weil es eben nicht so konsequent und weitsichtig wie im „Marie Antoinette“ Film ist, sondern unpassend und fremdartig. Aber die Jugendlichkeit der Gebärde macht ja auch Sinn, wollen wir Victoria doch noch als Teenager wahrnehmen, was hier so viel heißt wie: Menschen des 21. Jahrhunderts sollen Victoria als Teenager wahrnehmen. Zum Glück ist da Emily Blunt, die das etwas oberflächliche Drehbuch rettet und ihrer Victoria die verschiedenen Facetten durchaus unverkrampft und sympathisch verleiht, ohne sich in darstellerische Bereiche einer „Elizabeth“ bewegen zu müssen. „The Young Victoria“ nimmt sich ernst, verhält sich aber reichlich locker, was dem fertigen Film nicht immer kleidend bekommt.  

So hangelt sich das Skript über kleine Momente durch die ersten Regentschaftsjahre der Queen Victoria, und damit alles im Fluss ist, gönnt uns die Musik quasi nie eine Pause. Ständig fidelt und klimpert es durchaus ansprechend, weil sich die hochwohlgeborenen Jugendlichen am liebsten über klassische (bzw. damals zeitgenössische) Komponisten auslassen. Nur passen will der musikalische Dauerbeschall nicht und weder in der Bildsprache noch in der Emotionalität gibt es eine Entsprechung für dieses Meer aus Streichern und Pianisten. Sandy Powells mit dem Oscar prämierten Kostüme sind mal wieder ansprechend und gar nicht so aufdringlich präsentiert, wie z.B. in genanntem „Elizabeth“ – wo die Fummel übrigens auch weitaus kunstvoller waren – aber irgendwann hat man sich an Kleidern und den reichhaltigen Dekors satt gesehen und würde lieber mit den Figuren leiden, lachen und lieben.

Zwei Männer ringen um das Herz unserer Vicky. Der eine will seine Macht festigen und stärken, der andere meint es ernst, wird seinerseits jedoch von machtgierigen Lords und Prinzen geleitet. Das höfische Intrigenspiel belebt als einziges Element die ansonsten eher anämische Handlung, wiederholt sich jedoch auch. Man würde gerne schmachten ob der Liebesplagen der Königin, doch die großen Emotionen sind scheinbar von der vornehmen Etikette verschluckt oder lösen sich einfach zu schnell in nichts auf. Tatsächlich scheint nahezu gar nichts wirklich zu passieren. Es ist entweder schlicht zu wenig Material für einen abendfüllenden Spielfilm, oder viel zu viel Stoff, der durch Komprimierung an Wirkung verliert. Jeder Konflikt, jedes Problem oder jede dramatische Szene ist nach jeweils wenigen Minuten vorbei, gelöst oder verpufft, auch weil man für die vergehende Zeit kein Gefühl vermittelt bekommt. Victoria und Albert schmachten sich in Briefen an und plötzlich heißt es, dass bereits Jahre vergangen sind.

Einen wirklichen Höhepunkt, ein Ziel, auf das der Film hinaussteuert, gibt es nicht. Auch der – fiktive – überdramatische Schicksalsschlag gegen Ende lässt erschreckend kalt, in den gesamten zwei Minuten, die man sich damit beschäftigt. Die Krönung, die z.B. bei „Elizabeth“ konsequent am Ende stand, haben wir hier schon nach einer knappen halben Stunde und der Rest dient zur Machtfestigung, Liebesfindung und Eingewöhnung in die Regentschaft. Mehr nicht. Da kann Rupert Friend in der knuffigen Albert-Rolle noch so sympathisch rüber kommen. Er und Blunt harmonieren ganz gut und im Hintergrund turnt noch ein wunderbar reduzierter Paul Bettany herum, der für innere Zerrissenheit bei Victoria sorgen und den politischen Hintergrund in die episodische Handlung integrieren soll. Treffen mit Premierministern und politische Verwicklungen interessierten die Macher des Films aber wohl nur am Rande. Wie eigentlich fast alles, da „The Young Victoria“ sich wohl kostümiert zwischen die Stühle setzt. Eben weder Fisch noch Fleisch. Kuchen gibt’s woanders.

Fazit:
„The Young Victoria“ ist leider nicht mehr als eine seichte Adelsromanze in ansprechender Optik. Der Film geistert etwas ziellos durch die ersten Jahre der britischen Königin und so wirklich will der Funke nicht überspringen. Nicht mal bei der Romanze.

4 / 10


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