Kritik:
Der Zoowärter
von
Christian Mester
DER ZOOWÄRTER
(Zookeeper, 2011)
Regie: Frank Coraci
Cast: Kevin James, Rosario Dawson, Leslie Bibb
Story:
Seit Griffin (Kevin James) den urplötzlichen Laufpass von
seiner Ex bekam, geht der gutmütige Zoowärter seiner
Lieblingsalltagsbeschäftigung nach - sich mit Kollegin Kate
(Rosario Dawson) um die Tiere seiner Arbeitsstelle kümmern.
Als seine Verflossene jedoch urplötzlich wieder auftaucht und
neue Avancen macht, will Griffin nicht mehr länger der ewige
Loser sein, der im Zoo schlecht bezahlt Tierdung wegfegt. Als die Tiere
sehen, dass Griffin damit geradewegs ins Messer läuft, bieten
sie – die übrigens sprechen können
– an, ihm zu zeigen, was ein richtiges
Alpha-Männchen ist.
Kritik:
Alter Falter. Der
King of Queens sucht zum zweiten Mal Hitch, den Date-Doktor auf -
dieses Mal in reversibler „Dr. Doolittle“ Form
sprechender Tieren? Als seichtes Komödienmaterial ein echter
No-Brainer, fallen einem doch auf Anhieb zahlreiche skurrile Dinge ein,
die man mit Kevin James und verrückten Tieren machen
könnte. Was als derartiger Stoff jedoch eigentlich
funktionieren kann, müsste, wird in James‘ neuester
Kinokomödie zu muffendem Affendung.
Der Pfundskerl mit dem sympathischen Schusselfaktor spielt zwar erneut
die ewig gleiche und gern gesehene Rolle, die er abgesehen von seiner
Dramenrolle in „Dickste Freunde“ immer abgibt,
lässt sich damit aber selbst nichts bei sich ankreiden. Wie eh
und je ist es amüsant, ihn bei seinen Faxen, seinen
urkomischen Versuchen, sich in schrägsten Lagen nichts
anmerken zu lassen und seiner überkaramellisierten Coolness zu
beobachten, doch so aktiv der ehemalige „Kaufhaus
Cop“ auch ins Feld stechen mag, es
übertüncht den verlausten Rest nicht.
„Der
Zoowärter“ ist trotz Star-Aufgebots und
Blockbuster-Budget eine der lieblosesten, langweiligsten
Hollywood-Zoten seit langem geworden. Kinder werden maßlos
enttäuscht sein, dass die sprechenden Tiere, eigentlich die
größte Besonderheit des Films, nur teilweise
vorkommen und bis auf eine haarige Ausnahme keine Pfote aus ihrem Zoo
setzen. Dort machen sie auch nichts. Sie ersetzen Date-Berater Will
Smith alle Schnauze lang darin, James hirnbefreite Ratschläge
zu geben, die aus müdester Retortenschublade kommen. So
rät ein Bär James, sich an einem Baum zu kratzen, was
dieser sodann macht; ein Wolf rät James, an einen Baum zu
pinkeln, wobei er kurzum erwischt wird. Da kullert man vor Lachen. Der
Rest weiß, wieso da Stroh liegt: wird James noch rechtzeitig
merken, dass seine Ex Leslie Bibb eine arrogante, falsche Ziege ist und
wird James noch sehen, dass seine niedliche Kollegin sein wahres
Herzblatt ist? Keine Frage, Aspekte wie dieser sind in all diesen
Komödien absehbare Abhaknummern und als solche auch in der
Regel okay, doch im Film nimmt es einen größeren
Rahmen ein, da es rundherum schlichtweg nicht ausreichend witzig
gemeinte sonstige Szenen gibt.
Während James noch die
beste Figur abgibt, sind seine menschlichen Co-Stars nicht der Rede
wert. Dawson als auch Bibb bleiben Abziehbilder. „Saw
2“-Darsteller und New Kids on the Block Sänger
Donnie Wahlberg gibt einen eindimensionalen fiesen Zoowärter
(Brian Cox spielt eine ähnliche Rolle im kommenden
„Planet der Affen: Prevolution“) und Ken Jeong
spielt dieselbe überdrehte, übersexuell aufdringliche
Rolle, die er 2011 schon in „Hangover 2“ und
„Transformers 3“ gab. Der einzig
auffälligere Kurzauftritt kommt ausgerechnet von
Ex-„Wetten Dass??“ Moderator (und
Schauspielkünstler aus „Piratensender
Powerplay“ und „Zwei Nasen tanken Super“)
Thomas Gottschalk, der als schwuler Modezar auftritt, nachdem ihn James
nach dessen letzten Show-Besuch zu einer Nebenrolle eingeladen hatte
– natürlich, in LA wohnt Gottschalk ja direkt um die
Ecke. Man kann Gottschalk zu Gute halten, dass er nicht ganz so
außerordentlich schlecht ist wie in Till Schweigers
Mittelalterpest „1 ½ Ritter“, doch sein
überalberner Auftritt ist so plakativ
überflüssig und unlustig, dass man sich durchaus
fragen mag, wer das denn wohlwollend durchgewunken hat.
Dass sich unter den
Synchronstimmen der Tiere derweil Mario Barth findet, wird ebenfalls
Meinungen spalten. Interessanter klingt das Star-Aufgebot des O-Tons:
da sprechen Adam Sandler, Sylvester Stallone, Nick Nolte und Jon
Favreau die Tiere. Einig sein wird man hingegen darüber, dass
diese lieblos eingesetzt werden. Wenn sie sprechen, bewegen sich die
Münder auf einfachste Art und da nichts Spektakuläres
mit ihnen gemacht wird, darf man sich kinngrübelnd fragen,
wohin die vielen Millionen geflossen sind. In Co-Producer &
Synchron-Stimme Adam Sandlers Portmonee? Er hatte das Ding ins Leben
gerufen und es James überlassen – anscheinend, weil
es ihm persönlich zu schlecht war.
Fazit:
Man
weiß nicht, was am Ende trauriger ist – dass der
Film stolze 80 Millionen Dollar gekostet hat oder eine Armada von
fünf Leuten am Drehbuch doktorn mussten. Eine über
weite Strecken leider fade Komödie gänzlich ohne
Highlights, die man sich nur antun sollte, kriegt man vom King of
Queens Kevin James nicht genug. Es wird Zeit, dass er bessere Projekte
bekommt – verdient hätte er es.
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