hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Zorn der Titanen
Kampf der Titanen 2


von Christian Mester

WRATH OF THE TITANS
Regie: Jonathan Liebesman
Cast: Sam Worthington, Liam Neeson

Story:
Meistermonstermeuchler Perseus (Sam Worthington) darf erneut in die harten Sandalen steigen, denn in der Unterwelt brodelt neues Böses. Hades (Ralph Fiennes) lockt Zeus (Liam Neeson) ins Verließ Tartarus, um seinen bärtigen Bruder dort in Ketten zu legen. Niemand soll aufhalten, dass ihr Vater, der gigantische Lava-Mann Kronos, endlich emporbricht und die Welt der Menschen zu Marshmellows macht. Zusammen mit Agenor, dem Sohn Poseidons, und Kriegerkönigin Andromeda geht es auf ein turbulentes Abenteuer, bei dem dringend eine neue Superwaffe gefunden werden muss...

Kritik:
Zwei Jahre ist es her, dass Louis Leterriers (The Incredible Hulk) Remake des 80er Schinkens Kampf der Titanen die Welt erzittern ließ. Nicht allzu sehr, aber doch finanziell ausreichend, um einen Nachfolger zu verdienen. Das übernahm Jonathan Liebesman (World Invasion: Battle LA), der es gewissermaßen leicht hatte: mit Worthington, Neeson und Fiennes kehrten die drei wichtigsten Stars zurück, und da griechische Mythologie noch endlos viele Kreaturen bietet, brauchte man dem gelockten Perseus bloß neues Effektspektakel entgegenzuwerfen.

Und das kann sich selbst mit einem Auge sehen lassen: Zorn der Titanen ist eine Salatschüssel voller Mythenelemente, die wild durcheinander geschwenkt ist, flüchtige Action bietet und sich nie lange mit Einzelteilen aufhält. Sehr gut gelungen etwa ist die Chimäre, ein Wesen halb Löwen, halb Nashorn, halb Schlange. Bemerkenswerte Krieger sind die Makhai, die auf einem Beinpaar zwei Torsos haben und hämisch ganze Söldnerreihen lichten, während Kronos - ein berghoher Gigant aus Lava, der Lava wirft, sensationell gut inszeniert ist und God of War Fans das kalte Schwitzen beibringt. Eher missraten ist der wesentlich kleinere Minotaurus, was ein wenig an seiner vergleichsweise einfallslosen Erscheinung, eher aber daran liegt, dass er bei seinem Kampf in den finsteren Katakomben eines Labyrinths kaum zu erspähen ist. Zorn der Titanen erlebt es häufiger, dass Kampfszenen zu nah und zu wackelig eingefangen sind und die Übersicht in der Action somit abrupt abfällt. Ähnlich verfehlt sind die Zyklopen, die in diesem Fall bei einem Ausflug durch ein Waldstück vorbeischauen. Nicht ganz so riesig wie der Magmamann, sind sie zwar ebenfalls groß, allerdings nicht ebenso großartig umgesetzt.

Achtet man nur auf die schnelle Bildabfolge, auf die Sprünge, Schwerthiebe und Monsterschreie, geht Zorn der Titanen als durchaus brauchbare Fortführung durch, da Liebesmans Sequel satt neues Material liefert. Fängt man jedoch erst an, auch auf die Dialoge und die umfassende Handlung zu achten, ziehen am Niveauolymp Wolken auf. Der erste Teil war schon keine fordernde Kost, doch die linguistischen Ergüsse der Fortsetzung wird fraglos den Zorn aller Kritikertitanen wecken. Davon ab, dass insgesamt nur wenig geredet wird, sind es wenn, stets allersimpelste, banale Dialoge. Die neue Geschichte fällt zudem extrem einsilbig aus und wird auch zu einfach, und zu stark DejaVu weckend abgeschlossen. Dazu sei besser nichts über die Genauigkeiten der Umsetzung der griechischen Mythologie gesagt - Randale mit sandalierten Füßen. Vereinzelt versucht man sich immerhin am teils gelungenen Spaß des ersten Teils, doch Perseus' Sprüche sind im zweiten Teil weit weniger fetzig, was auch an Worthington selbst liegt.

Zwar macht Worthington noch immer einen guten Eindruck, hat er Schwert über und Monster unter sich, aber verglichen mit seinen ganzen letzten Filmen wirkt er hier ermüdet, elanlos, kommt es zu Gesprächen. Ein notgedrungen eingebautes Familienmitglied wirkt überflüssig. Fiennes und Neeson haben auch dieses Mal nur wenig zu tun, geben ihren Figuren aber eine akzeptable Weiterentwicklung mit. Als Sidekick ist Toby Kebbell zu selten zu sehen, während Rosamund Pike (ersetzt übrigens Alexa Davalos aus dem ersten Film) als toughe Kriegerin zwar (unverständlicherweise, da auch Königin des Landes und just gerade im Krieg) immer dabei, wird aber in jedem Fall immer nur achtlos zur Seite gestoßen, damit Perseus alle Heldentaten übernehmen kann. Eine Love-Story wird angedeutet, aber nicht ausgeführt. Als böser Gott des Krieges Ares versucht Edgar Ramirez Eindruck zu hinterlassen, bleibt aber inmitten der Kreaturen und Altstars (zu denen sich noch Bill Nighy und ein spezieller, blecherner Cameo hinzugesellen) völlig zurück. Da er eine zentrale Rolle einnimmt, ist es schade, dass die Figur wenig hergibt.

Filmtechnisch darf man in größten Teilen zufrieden sein. Die umgesetzten Monster sind zwar allesamt sehr cgi-lastig, aber bis auf die Zyklopen ordentlich realisiert. Perseus und Konsorten dürfen erneut viele Tempelanlagen durchkreuzen, darunter auch ein sich bewegendes Labyrinth, das zuweilen an Paul WS Andersons Alien vs Predator erinnern lässt. Der Score: kann man mit arbeiten. Eine löbliche Überraschung? Obwohl das 3D wie schon beim ersten Teil bloß nachträglich hinzukonvertiert wurde, ist der erzielte Effekt für die Verhältnisse überdurchschnittlich gelungen. Leterrier greift dabei weniger auf Tiefenwirkung, als auf herausfliegende Lava-, Schmutz-, Holz- und Steinstücke, sowie auf herausragende Pfeile, Schwerter etc zurück, allerdings nie in einem Maß, ab dem es störend würde. Fakt ist, will man 3D, bekommt man einiges und das brauchbar umgesetzt.

Fazit:
Zorn der Teutonen? Der zweite Kampf der Titanen bietet mehr Monster, mehr Action, mehr Effekte, hat dafür aber an Frische, Spaß und Story eingebüßt. Tumbes, dennoch unterhaltsames Haudraufkino für gesenkte Erwartungen.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich