BG Kritik:

Zulu


von Daniel Schmitt

Zulu (US, 2014)
Regisseur: Jérôme Salle
Cast: Forest Whitaker, Orlando Bloom

Story:
Im von der Apartheid gebeutelten Südafrika ermitteln der dunkelhäutige Ali und sein weißer Partner Brian im Mordfall an zwei jungen Mädchen. Die Ermittlungen führen sie ins Drogenmillieu Südafrikas und zwingt sie sich mit der Vergangenheit des Landes auseinanderzusetzen.

Nachdem Forest Whitaker mit seinem Afrika-Drama Der letzte König von Schottland Großes zeigte, lädt er Orlando Bloom nun zu einem politisch-dramatischen Thriller ein. Ein weiterer Volltreffer?

Kaum wiederzuerkennen: Orlando Bloom


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte eine Vormachtstellung der europäischstämmigen, weißen Bürger in Südafrika. Man nannte dieses politische System der Rassentrennung 'Apartheid' und es war einer der dunkelsten Zeiten des Landes. Mit unerbittlicher Härte herrschte man über die größere, schwarze Bevölkerung des Landes. Erst als Nelson Mandela demokratisch gewählter Präsident wurde, endete diese Zeit der Unterdrückung. Zumindest offiziell. „Zulu“ spielt im Südafrika dieser neuen Zeit. In welcher die Menschen, die dieses Regime aufrecht gehalten haben, und diejenigen die es bekämpften Seite an Seite für eine bessere Zukunft arbeiten sollen. Doch lässt sich die Vergangenheit so einfach abschütteln?

Ali Sokhela (Forest Whitaker) ist in der Apartheit groß geworden und hat, bis auf seine Mutter, seine gesamte Familie verloren. Er ist Angehöriger des Stammes der Zulu, welche die größte Volksgruppe in Südafrika ausmacht. Trotz aller Widerstände und Vorurteile hat der verantwortungsbewusste und ruhige Ali es geschafft, zum Chef der Mordkommision befördert zu werden und ermittelt zusammen mit seinem Partner Brian Epkeen (Orlando Bloom), einem weißen Frauenhelden und Alkoholiker im Mordfall von zwei jungen Mädchen. Gleichzeitig taucht auch noch eine neue Droge auf, welche die Menschen rasend macht. Beide Opfer haben die Droge konsumiert, worauf die beiden ungleichen Ermittler erkennen, dass die Sache größer ist als erst vermutet.

Starkes Afrikakino, das nachdenklich stimmt


Der Regisseur Jérôme Salle (The Tourist, Largo Winch) inszeniert mit "Zulu" keinen Politthriller, sondern eine brutale Kriminalgeschichte mit politischem Hintergrund. In großartigen, weitreichend totalen und ungeschönten Nahaufnahmen versteht es Salle die Gräueltaten der Menschen, aber auch die Schönheit des Landes zueinander in Kontrast zu stellen. Optisch gibt es bei dieser französisch-südafrikanischen Koproduktion nichts zu bemängeln. Allerdings weist die Geschichte Schwächen auf. Basierend auf dem Roman des Franzosen Caryl Férey, schrieb Salle auch das Drehbuch, welches aber nicht ganz so gut funktioniert wie seine Bildsprache. Die Geschichte steckt voller Klischees und unwirklich erscheinenden Lösungen. Beispielsweise, wird eine komplexe Figur samt dessen Hintergründe eingeführt aber ihre gesamte Existenz, samt allen Verwicklungen verschwindet von einem Moment auf den nächsten und hinterlässt verwirrte Zuschauer. Zwar versteht man, warum man sich die Mühe macht die Figur einzuführen, aber nicht warum man ihre Geschichte so lieblos wieder entfernt. Besonders, wenn man mit den Polizisten Ali und Brian genug Material hat um den Film zu tragen. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Orlando Bloom (Herr der Ringe, Black Hawk Down), hat für die Rolle des Brian sein Image komplett geändert. Von dem blond gebleichten Elben Legolas ist nichts mehr zu erkennen, was eindeutig kein Fehler ist. Bloom ist kein schlechter Schauspieler, es wird Zeit das er sich verstärkt in anderen Rollen zeigt und nicht nur spielt, wenn Peter Jackson ruft. In „Zulu“ verkörpert er einen Alkoholiker und geschiedenen Familienvater mit Disziplin- und Geldproblemen. Die Rolle ist zwar ein wandelndes Polizeiklischee, aber Bloom spielt sie so gut es geht. Nur hat die Rolle des Brian einen erwachsenen Sohn, was auf der Leinwand nicht ganz funktioniert, da Bloom zu jung erscheint. Dieses Problem hat die Figur des Ali nicht. Für diese Rolle war zunächst Djimon Hounsou (Blood Diamond, Amistad) vorgesehen, dieser konnte die Rolle aber nicht antreten, weswegen Forest Whitaker (Der Butler, Last King of Scotland) sie übernommen hat. Der Oscarpreisträger Whitaker spielt die Rolle des Ali Sokhela sehr überzeugend. Seine Figur hat die Apartheit als Kind selbst erlebt, weswegen er den Schmerz aus dieser Zeit mit sich trägt, was dem Zuschauer den ganzen Film über vermittelt wird.

Ali ist wütend, folgt aber den Lehren Mandelas seinen Peinigern zu vergeben, anstatt Rache zu suchen. Was aber immer schwerer wird. Er wirkt wie ein brodelnder Vulkan, welcher nur darauf wartet endlich explodieren zu dürfen. Das klingt zwar ebenfalls nach einem Klischee, wird in "Zulu" aber nicht als solches vermittelt. Man merkt das Salle, ob beabsichtigt oder nicht, sein Hauptaugemerk auf die Figur des Ali gelegt hat und Bloom eigentlich unterstützend wirkt. Leider funktioniert die Chemie zwichen Bloom und Whitaker nicht so wie sie sollte, die langjährige Freundschaft, die beide verbindet, kommt nirgendwo richtig durch und es stellt sich die Frage, ob es an den Schauspielern oder am Drehbuch liegt. Vielleicht wäre da Hounsou tatsächlich besser gewesen. Er hätte sich eher auf einer Leistungsebene mit Bloom befunden, den Whitaker spielt ihn eiskalt an die Wand.

Fazit:

„Zulu“ ist ein ernsthafter Thriller mit beeindruckender Härte, realem Hintergrund, einer überzeugenden Besetzung und großartigen Bildern. Allerdings weist er Schwächen im Drehbuch auf, welche hätten vermieden werden können und eine sonst tadellose Geschichte schwächer erscheinen lässt.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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