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Kritik:
Zum Geburtstag


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

ZUM GEBURTSTAG
(2013)
Regisseur: Denis Dercourt („Das Mädchen, das die Seiten umblätterte")
Cast: Mark Waschke, Marie Bäumer, Sylvester Groth, Sophie Rois, Saskia Rosendahl

Story:
Das perfekte Leben von Anna (Marie Bäumer) und Paul (Mark Waschke) ändert sich mit einem Schlag, als eines Tages Georg (Sylvester Groth) als neuer Chef in Pauls Büro steht: Man kennt sich aus Jugendtagen. Plötzlich tauchen kompromittierende Bilder auf, die Paul mit seiner Sekretärin zeigen, geschäftliche Misserfolge werden ihm angelastet. Paul wird allmählich bewusst, dass ihn eine längst vergangene Geschichte aus der gemeinsamen Vergangenheit brachial einholen könnte. Seine Lüge – damals mit einem gefälschten Liebesbrief – war nur eine Seite der Medaille: Georg, der in Teenagerzeiten mit Anna zusammen war, überließ Paul Anna bereitwillig. Er stellte jedoch die Bedingung, dass er Anna in jedem Fall zurückbekäme, wenn er sie wieder haben wolle. Nun ist Georg da und mit ihm seine undurchschaubare Frau Yvonne (Sophie Rois); leise dringen beide immer mehr in die Familie ein, und Georg umgarnt besonders die hübsche Tochter Emelie. Auch die Ehe zwischen Anna und Paul wird von den Schatten der Vergangenheit belastet. Muss Paul Anna tatsächlich freigeben? Was haben Georg und Yvonne vor? Oder bildet sich Paul einen Hinterhalt nur ein?

Kritik:
Alle Jahre wieder wartet man auf einen kleinen Ausbruch im deutschen Film. Einem gelungenen Genre-Film. Keinen Schweiger’schen Hollywoodabklatsch, sondern was wirklich eigenständiges. Als moderner Film-Noir wird Dercourts Film beschrieben. Ein dichter Psychothriller will er sein. Für sein Drehbuch holte der Franzose sich eine Riege bekannter und vor allem talentierter deutscher Schauspieler. Doch es half alles nichts. Der Film ist ein großes Ärgernis und für jeden mehr ein Schandfleck als ein Leuchten in der eigenen Filmografie. Gesehen wird es ja wahrscheinlich eh nur von wenigen auf der großen Leinwand. Ausnahmsweise mal kein Bedauern, denn bei diesem Film kann man nur lernen, wie man es nicht machen soll.

Die ersten Gedanken, die einem nach ein paar Minuten kommen? Ich habe schon lange nicht mehr solche schlechten Dialoge gehört und ich habe die Schauspieler, die sie sagen, schon lange nicht mehr so schlecht spielen gesehen. Die sind teilweise so neben der Spur, dass man nicht studiert haben muss um zu erkennen, dass sie wohl ziemlich unsicher und ohne klare Anweisungen am Spielen waren. Ob es eine Sprachbarriere mit dem französischen Regisseur gab, darf man spekulieren, aber hier scheint es irgendwie, dass man einfach gar nicht geredet hat, sondern jeder einfach machte, wie er gerade Lust hatte. Das Mark Waschke, ob im Kino oder im Fernsehen, nur noch den Schönling mit zwei Gesichtern spielt, sei mal dahingestellt. Das macht er ja auch oft auch ganz gut und annehmbar sympathisch. Aber hier sieht man ihm fast schon den Überdruss und seine Lustlosigkeit von der ersten Sekunde aus an. Er hat auch auffallend oft die richtig harten Dialogklötze zu sprechen und versucht die irgendwie vom Drehbuch auf Zelluloid zu bekommen und schnell weiter im Geschehen. Ähnliches gilt für Sylvester Groth. Es ist so ein großes Ärgernis, denn auf dem Papier ist das eigentlich so eine wunderbare und treffende Besetzung. Sophie Rois könnte stundenlang aus einem Kochbuch vorlesen und das kommentieren und es wäre tolle Unterhaltung, doch Dercourt schafft es auch hier sie irgendwie langweilig zu inszenieren. Das ist schon mehr eine Kunst für sich.

Das die Wendungen des Films jeweils viel zu früh ersichtlich sind, ok, das ist auch bei jedem Zuschauer anders, aber spätestens der finale Twist wird so in die Länge gefrimmelt, dass auch Hinz und Kunz, die nach 5 Minuten eingeschlafen sind und gerade wieder wach wurden, schon den Braten riechen, bevor im Film erste Ahnungen gespielt werden. Das hier ist kein Problem des deutschen Schauspielens. Die Leute die hier mitwirken, haben schon oft genug gezeigt, dass sie es besser können. Es ist vor allem das Drehbuch und dessen Dialoge, die dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machen. Man wundert sich nur, warum das vorher keinem aufgefallen ist.   

Von Anfang an wird der Film von einem schwere, sehr streicherlastigen Score von Jerome Lemmonier getragen. Doch da findet man schon die weitere Inkohärenz im Gerüst von Dercourts Film. Viel zu aufdringlich und laut ist die Musik für die Bilder des Films. Er ist viel zu groß für das, was man auf der Leinwand sieht. Er will ein feiner, sensibler aber präsenter Thrillerdramascore sein und abseits vom Film ist Lemoniers Partitur vielleicht auch ganz interessant, aber im Film viel zu präsent und oft störend. Sie reißt einen mehr aus dem Film raus und hält einen das Trauerspiel vor Augen, als die Bilder zu untermalen und dem Fluss der Geschichte zu helfen.

Fazit:
Von wegen Psychothriller oder moderner Film-Noir. Ein wascheschtes Kasperletheater. Es fehlt eine klare Linie und vor allem ein gelungenes Drehbuch. In vielen Augen also die halbe Miete.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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