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Kritik:
Zwei Leben


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

Zwei Leben
(2013)
Regisseur: Georg Maas
Cast: Juliane Köhler, Liv Ullmann, Sven Nordin, Ken Duken, Rainer Bock, Thomas Lawinky, Klara Manzel, Vicky Krieps, uvm.

Story:
Katrine (Juliane Köhler) lebt ein glückliches Leben. Sie lebt mit dem Mann ihrer Träume zusammen und liebt ihre Familie über alles. Doch mit dem Fall der Mauer und der politischen Neuordnung Europas wird Katrine von ihrer Vergangenheit eingeholt: Als Tochter einer Norwegerin und eines deutschen Soldaten wurde sie als Kind von den Nazis nach Deutschland verschleppt. Dort wuchs sie in einem Kinderheim auf.

Mit Mitte 20 floh Katrine aus der DDR nach Norwegen, um ihre leibliche Mutter Åse (Liv Ullmann) zu finden. Der junge deutsche Anwalt Sven Solbach (Ken Duken) will dieses schwerwiegende Verbrechen des Nazi-Regimes vor Gericht bringen und braucht dafür die Aussagen von Katrine und ihrer Mutter. Doch je mehr Katrine von ihrer Vergangenheit preisgibt, umso tiefer verstrickt sie sich in ein Netz aus Widersprüchen, Lügen und Verrat. Noch ahnt niemand, dass Katrine ein folgenreiches Geheimnis hütet. Wer ist sie wirklich? (Farbfilm Verleih)

Kritik:
„Zwei Leben“ scheint nur ein weiteres Stasi-Drama aus der deutschen Filmfabrik zu sein, startet aber mit sehr starkem Rückenwind in den Kinos, wurde doch erst vor Kurzem bekannt, dass der Film für Deutschland um den Oscar 2014 als bester fremdsprachiger Film gehen wird. Zurecht?

Oscars? Stasi-Drama? Moment hatten wir das nicht erst? Genau den Oscar 2007 für den besten fremdsprachigen Film gab es für „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck. Natürlich liegt da der Vergleich mit „Zwei Leben“ nahe, auch wenn sich Georg Maas ein anderes dunkles Kapitel rundum die Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR ausgesucht hat. Ein Ärgernis sei vorweg schon mit auf den Weg gegeben. Warum sah man sich gezwungen den Film komplett auf Deutsch zu synchronisieren, anstatt ihn auf Deutsch/Norwegisch zu lassen, wie er scheinbar auch gedreht wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Gegenzug in Norwegen eine komplett auf norwegisch synchronisierte Fassung gezeigt wird. Dieser Synchronisierungswahn, nimmt den Schauspielern viel an Authentizität und klaut dem Film auch etwas an Atmosphäre, wenn einfach immer und überall nur Deutsch gesprochen wird, obwohl der Film mehr in Norwegen, als in Deutschland spielt. Juliane Köhler und Ken Duken lernten extra für den Film Norwegisch und davon blieb nun nichts übrig in der deutschen Kinofassung. Man kann nur hoffen, dass zumindest für den Heimkinomarkt auch dem deutschen Zuschauer der Originalton zur Verfügung gestellt wird.

Nimmt man mal Abstand von dem Ärgernis über die Synchronisation und davon, dass es eigentlich viel zu viele Stasi-Dramen mittlerweile gibt, hat man hier doch einen ziemlich düsteren und bedrückenden Film vor sich. Das die Stasi „böse“ war und vor nichts halt machte ist hinlänglich bekannt, aber hier geht das Ganze meiner Meinung nach nochmal einen ganzen Schritt weiter. Je nachdem wie sehr man sich vorher in die Thematik einliest, hat man das bisher noch nicht gemacht und vor den Film zu sehen, sollte man das aus „Spannungsgründen“ dann auch sein lassen, trifft einen der Film unvorbereiteter. Der Film versucht nämlich ziemlich lange Dinge nicht auszusprechen und Geheimnisse zu wahren, die man aber als Zuschauer viel schneller herausbekommt, als das unsere Protagonisten im Film tun.
Einen gewissen Sog entwickelt der Film so erst zum letzten Drittel hin. Hier können sich die Schauspieler endlich entfalten und müssen nicht weiter etwas spielen, was der Zuschauer schon lange durchschaut hat.

Schauspielerisch ist das über allem Zweifel erhaben, auch wenn das ein weiteres Mal ein wenig durch die Synchronisation kaputt gemacht wird, aber das soll der Leistung der Darsteller am Ende keinen Abbruch tun. Auch wenn ich fast schon sagen würde, dass sie teilweise unterfordert sind und wie der Film selbst ihre Anlaufzeit brauchen. Ein etwas ausgeklügelteres Skript und ein besserer Schnitt hätten dem Ganzen auf jedenfall gut getan. Dann hätte man das Spiel auch so mit den Zuschauern treiben können, wie man das jetzt tut, aber im Grunde schnell scheitert.   

Fazit:
Bedrückendes Drama, das es sich nur am Ende etwas einfach macht, mit ganz wenigen Thrillereinschüben, dass durch seine nüchterne, aber direkte Präsentation der Thematik beeindruckt und fasziniert. Von der Machart her nicht so hochwertig wie „Das Leben der Anderen“, aber ein Film, den es sich auf jeden Fall lohnt mal eine Chance zu geben

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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