hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
2 Tage New York


von Christian Westhus

2 DAYS IN NEW YORK
(2012)
Regie: Julie Delpy
Cast: Julie Delpy, Chris Rock

Story:
Französin Marion (Delpy) und Amerikaner Mingus (Rock) haben beide jeweils ein Kind von einem anderen Partner und leben nun seit einer Weile in New York zusammen. Als Marions chaotische Familie für einen Besuch vorbei kommt, wird die Patchworkfamilie reichlich durcheinander gewirbelt.

Kritik:
Schauspielerin Julie Delpy hat seit einigen Jahren großes Interesse daran, ihren Wirkungsgrad im Filmgeschäft auszubauen. Ihr mittlerweile fünfter Film als Autorin und Regisseurin ist nicht nur Zeichen für Kreativität und Ausdruckswillen, sondern verhilft ihr auch zu den Rollen, die sie sonst wohl nicht mehr bekommt oder findet. „2 Tage New York“ ist die Quasi-Fortsetzung des erfolgreichen „2 Tage Paris“, in dem Delpy als Marion mit ihrem amerikanischen Freund Jack (Adam Goldberg) Familie und Freunde in Paris besuchte. Was folgte, war ein turbulenter Reigen aus nationalen Stereotypen und Beziehungsklischees, die Delpy wunderbar amüsant, dramatisch und unterhaltsam zusammen fügte. Und mehr oder weniger genau das erwartet Marion und den Zuschauer nun, einige Jahre später, in New York, mit einem neuen Mann an Marions Seite. 

Dabei ist „2 Tage New York“ eine Fortsetzung, die auch völlig ohne Kenntnis des ersten Teils funktioniert. Alles, was man über die vorherige Beziehung Marions mit Jack wissen muss, erfährt man bzw. erschließt sich. Mit Mingus führt Marion eine auf vielfachte Art und Weise multikulturelle Patchworkfamilie, die eigentlich gut zu funktionieren scheint. Man wird nicht jünger und ist sich nicht immer einig, aber insgesamt scheint man gut zu harmonieren, auch mit den beiden Kindern, die beide jeweils aus vorherigen Beziehungen mitgebracht haben. In diese Familie dringt jetzt eine weitere Familie ein, als Marions Vater, ihre Schwester Rose und dessen aktueller Freund Manu für einen Besuch vorbei kommen und häufig ganz wortwörtlich alles auf den Kopf stellen.

Marions Familie war schon in „Paris“ ziemlich verschroben, aber hier, insbesondere durch den nicht eingeladenen Gast Manu, mutieren sie zu wild wütenden Halbwahnsinnigen, die es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht haben, Chris Rock zu terrorisieren. Das ist bisweilen schon arg überzeichnet, wenn Marions Vater Mingus mit einer Feder befummelt, wenn Rose nackt durchs Zimmer rennt und wenn Manu einfach mal zwielichtige Gestalten in eine Wohnung einlädt, in der er Gast ist. Die Sprachbarrieren machen die Sache auch nicht einfacher. Glücklicherweise sind diese schrillen Eskapaden aber oft genug auch wirklich witzig. Delpys Drehbuch erinnert, wenn man so will, ein wenig an frühere Filme Woody Allens, ist dabei aber französischer, sprich derber, jedoch weniger intellektuell. Und das, obwohl Marion in der zweiten Hälfte, die es sich mit ein paar Storywendungen etwas zu kompliziert macht, einen philosophischen Diskurs über die Möglichkeit der Existenz einer Seele führt. 

Gerade die erste Hälfte ist aber gelungen, mit häufig frivolem Witz, mit dem die nationalen Stereotypen und Beziehungsklischees aufgepeppt werden. So gelingt es Delpy als Regisseurin, Autorin und Darstellerin, sich nicht völlig auf Klischees und Überzeichnung zu verlassen bzw. diesen immer noch den nötigen Pepp, die nötige Authentizität zu geben. Marion wird durch die Ankunft und das überdrehte Verhalten ihrer Familie selbst zu einem Nervenbündel und Delpy stürzt sich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs und tobt sich darin mit Wonne aus. Der ruhige Gegenpol ist dabei Chris Rock, der nicht nur mit seiner Ruhe (im Vergleich zu seiner sonstigen Art) überrascht, sondern auch mit seinem authentischen Spiel, das man so schon lange nicht mehr von ihm gesehen hat. Inmitten dieses teils hysterischen Hin und Hers bleibt Mingus Sympathiefigur, da er darauf so reagiert, wie man als Außenstehender auf diesen irren Haufen wohl im Normalfall reagieren würde. Aber Rock ist nicht nur auf Reaktion beschränkt, hat ein paar herrlich komische Szenen und als Highlight eine Sequenz, in der er sich von einem prominenten Pappkameraden beraten lässt. In New York macht Julie Delpys Beziehungskomödie, die stilistisch wie inhaltlich auf unterhaltsame Weise die französisch-europäische Seite und die amerikanische Seite der Filmemacherin verknüpft, mit Abstrichen ähnlich viel Spaß, wie sie es in Paris machte.

Fazit:
Ein ähnlich unterhaltsames Beziehungs- und Familienchaos, wie es der erste Teil war. Amüsant, überdreht und immer wieder treffend, lebt der Film nicht zuletzt von der Spielfreude seiner Schauspieler.

6 / 10

> Deine Meinung zum Film?

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich