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Kritik:
Von Löwen und Lämmern


von Christian Mester

Lions for Lambs
(2009)
Regie: Robert Redford
Darsteller: Tom Cruise, Meryl Streep

Story:
Janine Roth (Meryl Streep) ist eingeladen, sich mit dem jungen Senator Jasper Irving (Tom Cruise) zu treffen. Der Politiker will ihr von einem neuen Unternehmen in Afghanistan berichten, in das auch zwei Schüler des Lehrers Malley (Robert Redford) verwickelt sind. Während der Film gleichzeitig ihre Diskussion und den laufenden Einsatz vor Ort zeigt, gibt es auch noch ein Gespräch zwischen einem ihrer Mitschüler und dem Lehrer, der sich an deren fragwürdige Vorfreude auf die Kriegshandlung erinnert.

Kritik:
Über den Privatmensch Tom Cruise mag man schreiben was man will, aber in den letzten Jahren hat er weiterhin ein großartiges Händchen für tolle Projekte bewiesen, in denen er stets eine überaus gute Figur machte. Nach dem Splitmit Paramount öffnete Tom nun kurzerhand seine eigene Produktionsstätte United Artists, aus der das Drama Von Löwen und Lämmern nun sein erstes neues Stück ist... und mit dem hat er sich keinen Gefallen getan.

Zwar bietet die Zusammensetzung der Story genügend Möglichkeiten für eine berührende, verschachtelte Geschichte ala LA Crash oder Babel, aber Regisseur und Hauptdarsteller Robert Redford vermag es nicht, daraus auch nur ansatzweise Gewinn zu schlagen. Während die Diskussionen mit ihm, Cruise und Streep keinerlei Höhepunkte aufweisen und derart zahm, lieblos und verhalten ablaufen, das man des öfteren unruhig im Kinosessel herumrutscht, können auch die Gefechte an der Front nicht überzeugen.

Cruise spielt hier einen netten Politiker, der sich für seine Ideale einsetzt und Meryl Streep erklärt, wieso er so handelt wie er handelt. Streep's Charakter bleibt zwar skeptisch und hinterfragt viel, bleibt aber viel zu ruhig und damit unerwartet uninteressant. Weil sie keinerlei Spannungen oder Gefühle aufkommen lässt, bleibt auch Cruise neutral und bekommt wiederum keine Gelegenheit, sein Talent zu zeigen. Keiner von beiden dürfte nächstes Jahr bei den Oscars genannt werden, denn auch wenn sie üblicherweise zu den besten ihrer Art gehören, zeigen sie es in diesem Film nicht.

Redford geht es ähnlich. Er spielt sich mehr oder weniger selbst, als Mentorfigur mit Vorschlägen, die aber auch keinen Nachdruck haben und nicht sonderlich beachtlich wirken. Derek Luke und Michael Pena sind ebenfalls talentiert, aber auch die beiden kriegen undankbare Kanonenfutterrollen, deren Actionszenen nicht der Rede wert sind.

Selbst in der Regie kann Redford nicht punkten. Von Löwen und Lämmern ist mit simpelster Technik gedreht worden, die hauptsächlich aus abwechselnden Close-Ups der diskutierenden Figuren besteht. Das Setdesign an der Front ist schon besser, aber da die Handlung dort nichtssagend ist, bleibt es der Rest auch. Der lahme Soundtrack tut dann sein übriges.

Letztendlich bleibt ein Film, den man nu schwer empfehlen kann. Selbst Hardcore-Fans von Streep, Redford, Cruise und Politdiskussionen derdritten Programme sei abgeraten, 90 Minuten mit derart konsequenter Zeitverschwendung zu verschwenden.

Diese Meinung ist auch nicht etwa aus Sicht des Mainstreams zu verstehen. Andrew Dominik brachte vor kurzem einen kleinen Film namens Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ins Kino, der mit 160 Min doppelt so lang wie Lämmer geht und es schafft, mit einer nur knapp 30 Min langen Handlung und nur wenig Text mehr als zwei einhalb Stunden großartiges Kino zu zaubern - mit Spannung, Theatralik, Emotionen, ergreifenden Bildern, einem fantastischen Soundtrack und unvergesslichen Figuren. Der Fruchtgehalt des neuen Cruise dagegen liegt bei 0%, und einzig die Professionalität der umgesetzten Langeweile bewahrt ihn vor dem Totalausfall.

Fazit:
Was ist ein Film mit Topschauspielern, die aber nichts tun, mit einem hervorragendem Regisseur, der nichts daraus macht, mit einer starken Story, die vollkommen frei von Emotionen, Handlung, Statements oder Aktionen ist? So wie Redford und Cruise hier alles potenziell Gute übersehen, sollte man das auch mit ihrem Film halten. Eine gewaltige Enttäuschung.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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