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KRITIK:
LEGION
von
Christian Mester
LEGION (2010)
Regie: Scott Stewart
Cast: Dennis Quaid, Paul Bettany
Story:
In einem Diner im amerikanischen Nirgendwo
staunen ein Wirt (Dennis Quaid) und seine Gäste
nicht schlecht, als sich eine vermeintlich harmlose
Rentnerin vor ihren Augen in einen fauchenden Dämon
verwandelt. Die Frau soll nur Vorhut einer ganzen
Legion besessener Angreifer sein, die gemeinsam
versuchen, einen unwissend Wichtigen aus ihren
Reihen in ihre Klauen zu kriegen. Hilfe naht in Form
eines abtrünnigen Engels (Paul Bettany), der ihnen
unterbreitet, Gott habe den Glauben an die
Menschheit verloren und nun vor, sie alle
auszulöschen. Zusätzliche Gefahr droht in Form eines
weiteren Engels (Kevin Durand), der den Kampf zu
etwas Persönlichem macht...
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Kevin Durand spielte den Blob in
X-MEN ORIGINS: WOLVERINE |
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Kritik:
Wie stellt man sich Engel vor? In der Regel als
geflügelte Hänflinge, die Harfen klampfend blümerant
durch die Gegend flattern und seufzend von
Wattebausch-weichen Himmelswölkchen träumen. Nicht
so in „Legion“, denn die dort auftauchenden Engel
sind geradezu martialische Sixpack-Rambos. Die
meisten seiner Gespräche führt der knallharte Engel
Michael via dualer Maschinengewehre, die er
kommentar- und gnadenlos in die Menschenmengen
dämonifizierter Angreifer hält. Sein Gegenspieler –
nicht Gott, Engel Gabriel – hat kugelsichere Flügel,
trägt römisch anmutende Rüstung und schwingt einen
mächtigen Streitkolben. Badassery steht auf dem
Programm und so geht es reichlich bleihaltig
zugange, wenn Menschen, Engel, Dämonen und böse
Engel sich miteinander in die Haare kriegen.
Obwohl das Diner relativ gefüllt ist – darunter
Dennis Quaid, Adrienne Palicki und zwei ehemalige „The
Fast and the Furious“ Darsteller: Tyrese Gibson
(„2 Fast“) und
Lucas Black
(„Tokyo Drift“) –
ist doch relativ wenig los, da die meisten wehrlos
und verängstigt (und hilflos geschauspielt) mit
ansehen dürfen, wie Michael alles niedermäht. Die
Action an sich ist durchweg unterhaltsam in Szene
gesetzt, nur fällt doch sehr auf, dass es dem
Gesamtkonzept höllisch an Budget zu mangeln schien.
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Paul Bettany kehrt noch im gleichen Jahr in
zwei anderen religiös angehauchten Filmen
auf: CREATION über Charles Darwins Leben und PRIEST; einem
Actioner |
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Die verwandelten Menschen sehen unübersehbar
künstlich aus, das auf das Diner beschränkte
Welt-Endzeitsszenario wirkt gedrungen, Michaels
Gottesberichte, die infernale Gesamtgeschichte zu
klein. An Regie und Darstellern liegt es nicht; vor
allem Bettany und Gegenspieler Kevin Durand geben
eine tolle Show ab, deren Kampf natürlich zum Ende
hin in den besten Szenen des Films kulminiert, aber
das Gefühl will einfach nicht schwinden, dass eine
größere Geschichte hier auf kleinere Mittel
herunterreduziert wurde. Das Budget soll rund 25
Millionen Dollar betragen haben – der Idee wären
göttliche 100 Millionen würdiger gewesen. Das beste
Beispiel für fehlendes Geld ist bereits die
Grandma-Szene des Trailers. Ursprünglich als
gruseliger Moment gedacht, ist der lumpig gemachte
Monstereffekt lachhaft und leidlich Atmosphäre
raubend. Ebenso ernüchternd ist die Feststellung,
dass die Handlung tatsächlich nahezu komplett im und
am schnell satt gesehenem Diner stattfindet.
Die eigentlichen Probleme finden sich erst in den
Pausen. Jedes Mal, wenn es nicht kracht und der
Fokus auf die Schicksale und Geschichten der übrigen
Teilnehmer verlegt wird, verliert der Film an
Spannweite. Belanglose Unterredungen und
vorhersehbare Charakterzüge gleiten ab ins Leblose
(besonders lahm: Lucas Black, nur für den schnellen
Scheck und +1 auf der Filmographie dabei: Dennis
Quaid), philosophische Gedanken über Untergang,
Verdienst und Rettung des Menschenschicksals bleiben
nur oberflächlich. Dazu kommen einige Probleme im
Drehbuch, die unübersehbar bleiben und vor allem im
Showdown die Flügel stutzen. Bei der geschätzten
Kürzung auf kleineres Material fielen entweder
wichtige Szenen der Schere oder schon früh der
ENTF-Taste zum Opfer, oder markante Probleme wurden
bewusst ignoriert oder einfach nicht gesehen. Zu
viele diabolische Fragen kommen auf, die am
vorhandenen Fresko des Regisseurs kratzen: wenn Gott
die Welt im Film wirklich vernichten will, stellt er
sich dafür erstaunlich unfähig und machtarm an
(Alanis?). Wenn es nur Gabriel und Kollegen sind,
stellen auch sie sich ineffizient an. Fünfzig
ankommende Besessene lassen sich leicht abfertigen,
laufen sie unbewaffnet auf eine Gruppe schießwütiger
Verzweifelter zu. Warum sind es dann nicht gleich
Tausende? Und wenn Gott seinen Spielplatz leer
räumt, was macht der Teufel in der Zwischenzeit -
Gitarre spielen?
Dazu
kommt, dass es im letzten Moment einen
außerordentlich lahmen Grund für die Rückkehr eines
verloren Geglaubten gibt, der schlimm mit den Augen
rollen lässt und das ganze erlebte Abenteuer
schrecklich entsaftet.
Fragen, die der Film
nicht beantworten will oder muss um unterhaltend zu
sein, aber es ist schade, dass man sich nicht näher
erklärt und damit von der reichlich simplen,
bekannten „prophezeiter Held rettet alle“ Fabel
abgrenzt. Sieht man genauer hin, sieht man
verdächtig bekannt wirkende Motive aus Filmen wie „Terminator“
(Bettanys Ankunft und Schutz eines Menschen erinnert
sehr an Kyles Mission) und „Matrix“ (charismatischer
Vertreter einer größeren Macht duelliert sich mit
möglichem Revoluzzer), derer sich „Legion“ nicht
unbedingt diebisch bedient, sich aber inspirieren
lässt, ohne sich gleichzeititg von Script- und
Fertigungsstärken besagter Titel beeinflussne zu
lassen.
"Legion" ist kein Sakrileg, aber weitab davon
entfernt, in irgendeiner Form himmlisch zu sein.
Dabei ist doch gerade das filmische Motive eines
sakralen, ultimativen Krieges zwischen Gut und Böse
automatisch Krippe für potentiell zahllose
Filmideen, die man in tragische, packende,
berührende, bedeutende Geschichten verwandeln
könnte. Nicht in diesem - "Legion" ist platter
Popcorn-Leib Christi.
Fazit:
„Legion“ ist ein solider Mittelklasseactioner mit
angenehm unüblichem Setting, aber letzten Endes
stumpf, einsilbig und bleibt in zu kleinem Rahmen.
Engel mit Wummen und ordentliche Coolness Durands
und Bettanys müssen reichen, sonst schlurft man
flügelarm aus dem Saal.
4 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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