Story:
Das Ehepaar Peter und Carla wollen ein idyllisches Wochenende an einem
abgelegenen einsamen Strand verbringen. Doch die Großstädter nehmen kaum
Rücksicht auf ihre Umgebung. Ohne Respekt für die Umwelt werfen sie ihren Müll
achtlos weg, fällen Bäume und schießen aus Spaß auf wilde Tiere. Beim Schwimmen
im Meer sieht Peter plötzlich unter der Wasseroberfläche den dunklen Schatten
eines großen Tieres auf sich zukommen und kann sich gerade noch an Land retten.
Doch auch der Angriff eines Adlers und weiterer wilder Tiere trüben das
Camping-Glück. Als Peter kurz darauf die Leichen anderer Camper findet, versucht
er sofort mit Carla aus der Wildnis zu flüchten. Doch Mutter Natur hat ganz
andere Pläne und es beginnt der schier aussichtslose Kampf ums nackte
Überleben....
regie :
jamie blanks
cast :
james caviezel, claudia karvan
kritik :
tobias hohmann
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Kritik:
Jamie Blanks Remake des gleichnamigen
Originals aus dem Jahre 1978 überrascht durch eine zurückhaltende,
atmosphärische Inszenierung, zwei hervorragende Darsteller, einer grandiosen
Kulisse und der Tatsache, dass „Long Weekend“ ganz bewusst am derzeitigen
Horror-Mainstream-Publikum vorbei produziert wurde.
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Nicht viele werden das Original
von Colin Egglestone kennen, trotzdem ist sein Beitrag ein kleiner Geheimtipp im
recht übersichtlichen Subgenre des Öko-Horrorfilms. Daher wird es auch kaum
einen stören, dass sich Blanks und sein Drehbuchautor Everett De Roche, der auch
schon für das Original die Vorlage lieferte, weder inhaltlich noch optisch kaum
von der Vorlage unterscheiden; allenfalls minimale Anpassungen wurden
vorgenommen. Überraschender ist jedoch, dass es dem Remake gelingt, die
bedrohliche, intensive Atmosphäre mit den gleichen Stilmitteln zu erzeugen,
deren man sich auch schon vor 30 Jahren bediente. Wer aufgrund der Inhaltsangabe
einen Tierhorror- oder Survivalfilm erwartet, wird schwer enttäuscht sein, denn
„Long weekend“ ist im Grunde ein Zwei-Personen-Theaterstück unter freiem Himmel,
ein Drama über Liebe, Hass und Entfremdung. Die Geschehnisse um das Paar herum,
entwickeln sich parallel zu ihrer eigenen Situation, stehen jedoch nicht im
Vordergrund. Man sollte kein übliches „Man vs. nature“ Szenario erwarten, dafür
ist das Skript zu vielschichtig und zu clever. Einen wirklichen Angriff von
Mutter Natur sieht man nicht ein einziges Mal.
Es ist Blanks nicht hoch genug anzurechnen, dass er auf den derzeitigen
Geschmack des Horrorpublikums gepflegt pfeift: Es wäre leicht gewesen, aus dem
Stoff einen actionreichen, massentauglichen Öko-Survival Film zu machen, doch so
leicht wird es dem Zuschauer nicht gemacht. Die Hauptcharaktere Peter und Carla
sind alles andere als Sympathiefiguren, ihre Ehe steht vor dem Aus und ihre
gemeinsamen Dialoge am Anfang des Films sind so giftig und gut geschrieben, dass
jegliche Identifikation bewusst vermieden wird. Das man trotzdem mit diesen
schwierigen Figuren mitfiebert, ist ein Verdienst der beiden exzellenten
Schauspieler. Insbesondere James Caviezel, den meisten vermutlich aus „Die
Passion Christi“ bekannt, liefert hier eine hervorragende Performance als
arroganter Machoyuppie ab und schafft es im Laufe der Handlung trotzdem, dass
der Zuschauer – fast schon widerwillig – auf seiner Seite steht. Aber auch
Klaudia Karvan ist eine perfekte Besetzung, und meistert die nicht geringen
Anforderungen ihrer Rolle hervorragend, ihr Zusammenspiel mit Caviezel ist
exzellent.
Schüren Blanks und De Roche durch vage Andeutungen, einer hervorragenden
Soundkulisse und dem - zwar nur im Hintergrund wahrnehmbaren, aber ungemein
effektiven - Score in den ersten 60-70 Minuten eine bedrohliche Atmosphäre,
kippt der Film dann plötzlich und überraschend um. Aus dem bisherigen Drama mit
Horrorelementen, bei dem das Grauen sehr präsent unter der Oberfläche
schlummerte, entsteht ein verwirrender, jedoch ungemein packender Mystery Film,
der in seinen besten Momenten sogar surrealistische Züge annimmt. Im letzten
Drittel greift Blanks dann auch auf einige, wenige Schockmomente zurück, die
zwar so gut gemacht sind, dass sie ihren Zweck erfüllen, jedoch insgesamt eher
unnötig eingefügt wirken. Die unheimlichsten und prägendsten Szenen brauchen
diese „Buh“ Effekte nicht: So wird man eine Sehkuh nach „Long Weekend“ wohl mit
anderen Augen sehen. Dazu nutzt Blanks die beeindruckende Kulisse des
australischen Festlands wunderbar aus, ohne es zu übertreiben – alles wirkt
düster, bedrohlich, und das, obwohl „Long weekend“ überwiegend tagsüber spielt.
Das spricht für das Skript und für die Arbeit des Regisseurs.
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Aber natürlich hat „Long weekend“
auch Macken, die den endgültigen Eindruck nach unten ziehen. So kann es sich
Blanks nicht verkneifen, seine Protagonisten wie die Axt im Walde agieren zu
lassen. Insbesondere Peter wirkt mitunter arg überzeichnet, wenn er mit seinem
Gewehr in der Gegend rumballert und wandelt mitunter arg an der Grenze zur
Machokarrikatur. Es ist in diesen Momenten Caviezel zu verdanken, dass er seinen
Charakter auf Kurs hält. Die Subtilität, die Blanks bei der zunehmend düster
werdenden Atmosphäre, an den Tag legte, wünscht man sich auch in diesen
Momenten. Und ob man Peter wirklich noch diese, eigentlich bedeutungslose,
Nebenstory am Ende des Films als plakative Erklärung für die Geschehnisse aufs
Auge drücken muss, ist zumindest fraglich. Auch eine kürzere Laufzeit hätte dem
Film gut zu Gesicht gestanden; so ist die eine oder andere Länge nicht von der
Hand zu weisen.
Allerdings entschädigt dafür dann ein splattriger, sarkastischer Schockmoment am
Ende des Films, der eigentlich so gar nicht zum Rest des Films passen will, aber
trotzdem nicht deplaziert wirkt. Manchmal reicht schon ein kleiner Vogel um das
Gleichgewicht wieder herzustellen.
Fazit:
Donnerwetter! Das hätte man Jamie Blanks nach dem eher misslungenen „Storm
Warning“ gar nicht zugetraut. Ein ruhiges, überwiegend subtiles, mitunter sogar
surreales Mysterydrama mit zwei hervorragenden Schauspielern. Wer Schockmomente
und Action sucht, ist hier an der falschen Adresse. Doch wer etwas Geduld
mitbringt, und gerne mal Sachen abseits des klassischen Mainstreams sieht, ist
hier gut aufgehoben. Bis auf wenige Schnitzer gelang Blanks mit „Long weekend“
eine ambitionierte Parabel, die beweist, dass man wirklich sehenswerte und
frische Horrorfilmideen derzeit eher auf DVD als im Kino findet. Sehens- und
lobenswert, aber sicher nicht für jeden etwas.
7 / 10
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