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KRITIK:
MAX MANUS


Regie: Joachim Rønning, Espen Sandberg
Darsteller: Aksel Hennie
Release: 2010


von Tobias Hohmann


Story:
Max Manus ist nur einer von vielen jungen Männern in Norwegen, die entsetzt sind, als ihr Land in die Hände von Nazi-Deutschland fällt. Zu allem entschlossen, schließt er sich gemeinsam mit seinen besten Freunden dem Widerstand an und macht den Besatzern mit ersten Sabotageakten das Leben schwer. Max setzt sich nach Schottland ab, wo er sich militärisch ausbilden lässt. Als er nach Oslo zurückkehrt, gelingt es ihm, in einer spektakulären Aktion wichtige deutsche Kriegsschiffe außer Gefecht zu setzen. Weitere Aktionen seiner „Oslo-Gang“ lassen das ganze Land aufhorchen. Die Antwort der Nazis lässt nicht lange warten. Erbarmungslos macht Gestapo-Offizier Fehmer Jagd auf den Widerstand...

In einigen Szenen spielten bis zu 1800
Statisten mit

Kritik:
Der sieben Millionen teure „Max Manus“ entwickelte sich zum erfolgreichsten norwegischen Film der letzten 35 Jahre und erhielt bei verschiedenen Festivals sehr gute Kritiken – mit Recht, kann die Mischung aus Kriegsfilm und Charakterstudie doch auch im internationalen Vergleich bestehen.

Der zweite Weltkrieg wird noch immer auf verschiedene Arten filmisch aufgearbeitet. Produktionen wie „Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat“ (Kritik), „Sophie Scholl“ oder „Inglourious Basterds“ (Kritik) könnten unterschiedlicher nicht sein, spielen aber rein thematisch vor der Kulisse dieser Zeit. So überrascht es nicht, dass auch eher kleiner Film-Länder immer noch ihre eigene Vergangenheitsbewältigung im Kino austragen. Max Manus ist eine reale Person, ein Kriegsheld und in Norwegen insbesondere wegen verschiedener Sabotageakte gegen die deutsche Marine ungemein populär. Einen kleinen, aber interessanten Abschnitt seines bunten Lebens stellt das Regieduo Rønning und Sandberg, die 2006 ihr Leinwanddebüt im von Luc Besson produzierten „Bandidas“ feierten, in den Mittelpunkt ihres Films, den man gerechterweise in zwei Hälften teilen muss, um diesem gerecht zu werden.

In Norwegen der erfolgreichste Film aus eigenem
Land.

Die erste Hälfte ist ein unterhaltsamer, gradlinig inszenierter und durchaus spannender Thriller vor historischer Kulisse, der jedoch davon abgesehen etwas glatt und konventionell wirkt. Als Folge dieser konventionellen Erzählung und Inszenierung wird die Figur Manus, trotz sichtbarer Bemühungen diesem Eindruck entgegen zu steuern, auf eine ziemlich leicht zu durchschauende Art und Weise in den schlechtesten Momenten des Film zu einer reinen Propagandafigur, die sich nicht wesentlich von amerikanischen Vorbildern unterscheidet, obgleich man betonen muss, dass es nie in den gefürchteten Michael Bay-Hurra-Patriotismus abdriftet. Das ist ohne Frage gut in Szene gesetzt und von Hauptdarsteller Aksel Hennie auch gut gespielt, doch die unerwartete Simplifizierung der Umstände ist auffallend.

Doch dann gelingt dem Film eine in der Form nicht zu erwartende Wende, die „Max Manus“ doppelbödiger und vielschichtiger werden lässt. Denn der mitunter etwas unreflektierte Heldenmythos wandelt sich zu einer überraschend stimmigen Mischung aus Actionfilm und Charakterstudie, in der der etwas platt aufgebaute Charakter aufgebrochen wird, verzweifelt den Sinn seiner Aktionen hinterfragt und so bedeutend menschlicher, greifbarer wirkt, als man das noch in der ersten Hälfte erwartet hatte. Auch der filmische Stil ändert sich: Aus der glatten, immer etwas distanziert wirkenden Inszenierung wechseln Joachim Rønning und Espen Sandberg plötzlich die Kameraperspektive, arbeiten vermehrt mit Nahaufnahmen und schaffen es so tatsächlich, die Figuren realer und glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Mit der Einführung des SS Offiziers Siegfried Fehmer, gespielt vom deutschen Schauspieler Ken Duken, der auch in „Inglourious Basterds“ zu sehen war, gelingt dem Drehbuch zudem noch der Kniff, der Story einen persönlichen Anstrich zu verleihen, da Fehmer es sich zur Aufgabe gemacht hat, Manus zu fassen. Dieses Jäger und Gejagte Szenario sorgt für eine stetig steigende Spannung, in der die gut eingefangenen Actionszenen, bei denen man hin und wieder auch auf sehr gute CGI Effekte zurück griff, clever über die Laufzeit verteilt wurden.
 


So ist die zweite Hälfte zwar auch nicht ohne Fehl und Tadel, da die Übergänge bei der Mischung aus Hollywood-Bombast und zurückhaltendem Kopfkino ein ums andere Mal etwas holprig sind, kann jedoch insgesamt über weite Strecken fesseln und packen. Insgesamt betrachtet ist es vielleicht etwas zu viel des Guten, dass „Max Manus“ ins Oscar-Rennen um den besten, ausländischen Film geschickt wurde. Aber ein gelungener, da doppelbödiger und mit unerwarteten Stil- und Handlungswendungen versehener, Vertreter seiner Art ist „Max Manus“ auf alle Fälle und somit sicher mehr als nur einen Blick wert.

Fazit:
Einer etwas zu konventionellen und glatten ersten, steht eine mitunter überraschend komplexe und vielschichtige zweite Hälfte gegenüber. Sauber inszeniert, gut gespielt, im Endeffekt vielleicht etwas zu kurz. Aber absolut sehenswert.

7 / 10


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