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KRITIK:

Metropolis
(restaurierte Fassung)


von Christian Mester

Metropolis (1927)
Regie: Fritz Lang
Cast: Gustav Fröhlich, Brigitte Helm

Story:
Der junge Freder (Gustav Fröhlich) ist erschrocken, als er in der utopisch perfekten Welt Metropolis eines Tages mit ansieht, wie sein Vater (Alfred Abel) einen Mann aus hoher Stelle feuert. Die Kündigung ist der Abstieg in eine Unterklasse, die unterirdisch schwere Arbeit verrichten muss und verdammt ist, Sklaventum der modernen Welt zu sein. Die Welt beginnt zu wanken, als der Vater erfährt, dass sich sein Sohn unter Tage für das Wohl der Verdammten einsetzt und darüber hinaus auch noch der Gesuchte einer Prophetin (Brigitte Helm) zu sein scheint. Indes konspiriert ein nach Vergeltung dürstender Wissenschaftler, der plant, Fredersens Welt mit Hilfe einer Roboterfrau zu stürzen...

Insgesamt kamen 27.000 Komparsen zum Einsatz, gedreht wurde
an 310 Tagen und 60 Nächten

Kritik:
83 Jahre ist es her, dass Fritz Lang „Metropolis“ in die deutschen Kinos brachte. Das für damalige Verhältnisse unbeschreiblich teure Werk zementierte sich nach ersten Pleiten rasch als einer der größten deutschen Filme aller Zeiten und genießt bis heute einen hohen kulturellen Stellenwert. Der Film trägt (inter)national sogar eine solch große Bedeutung, dass man den Stummfilmklassiker nach Fund verloren gegangener Szenen aufwendig neu restaurierte. Am 12. Februar 2010 folgte im Zuge dessen eine Neuaufführung, die als Aktion der Berlinale als Weltevent gefeiert wurde.

“Metropolis“ ist das Bild einer verzerrten Zukunft, die für damalige Verhältnisse beeindruckend inszeniert ist. Gigantische Bauten, Armeen von Statisten (die unter dem Dreh und einem tyrannischen Lang ironischerweise ebenso litten wie ihre gespielten Figuren im Film) und futuristische Versatzstücke machen den Klassiker auch heute noch zu einem sehenswerten Stück Filmkunst. Trotz seines Alters und der für viele jungen Zuschauer unakzeptablen Tatsache, dass es ein Stummfilm mit eingeblendeten Texttafeln ist, weckt er auch heute immer wieder Interesse, da die prinzipiellen Themen des Films zeitlos aktuell sind.

2007 kaufte sich Produzent Thomas Schühly (ALEXANDER, DER NAME DER ROSE)
die Rechte für ein Remake.

Langs Werk mischt bekannte Motive wie Utopie, Dystopie, Religionskonflikt, Politik, Klassenkampf, Sündenpfuhl, Liebe, Technikwahn und Schicksalsgedanken zu einem Potpourri einer Geschichte, die großen Interpretationsandrang findet. Noch heute ist der Film somit Diskussions- und Lehrmaterial in Schulen. „Metropolis“ mag schwere Sozialkritik tragen und diese in pompösen Bildern und einlullendem, großartigem Theatralorchester präsentieren, doch die eigentliche Exekution ist zu zugänglich, zu platt, gar plump. Hinter der eisernen Fassade des unantastbaren Klassikers verbirgt sich ein im Grunde sehr einfacher Popcornfilm, der sich frech vielerlei vorheriger Werke bedient („Die Zeitmaschine“, „Frankenstein“), von allen Beteiligten übertrieben ausufernd gespielt ist (ekstatisch wie der im Film von Wahn befallene Renfield in „Dracula“) und das ganze auch noch in zähem Kitsch-Happyend enden lässt. Die Vielzahl angesprochener Themen reduziert sich selbst in ihrer Qualität, ist nicht fähig, überhaupt einem einzigen der Pfeiler gerecht zu werden?  

Hektik ist es vor allem, die den Gesamteindruck schmälert. Gerade beim Stummfilm, der aufgrund lesfauler Zuschauer nur ungern zur Texttafeln greift und lieber alles über seine Bilder erzählt, verfehlt es der Film, seine Charaktere griffig und spannend zu machen. Für damalige Verhältnisse war es ein bloß actionreicher, oberflächlicher Effektreißer mit skandalträchtiger Fast-Nacktszene, mit Stunts und Katastrophenfilm-ähnlichem Destruktionsspektakel. Das er sich an vielerlei wichtigen, sozialkritischen Themen versucht, ist sicherlich lobenswert, dass es ihm misslingt, nicht. Böse Zungen könnten fast behaupten, Langs cineastisch umfassende Gesamtkritik habe nur den Draht der Klimakritik eines „The Day after Tomorrow“.

Die damaligen 20er boten eine handvoll Highlights wie „Panzerkreuzer Potemkin“, „The Lodger“, „Das Phantom der Oper“, „Der andalusische Hund“, „Blackmail“, „Nosferatu – Symphonie des Grauens“ und „Dr Jeykll and Mr Hyde“, doch auch wenn „Metropolis“ fraglos der aufwendigste von allen war (der zu dem Zeitpunkt teuerste Stummfilm aller Zeiten), inhaltlich war er weit davon entfernt, den ganz großen Beifall zu ernten.

Fazit:
Langs Klassiker ist ein historisch beeindruckender Meilenstein der Effekte, Organisation und Sets, bietet inhaltlich allerdings nichts als simplifiziertes Wischiwaschi. Ein stummes Action-Abenteuer mit modernem Kitschende.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
 

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