hauptseite  |  kritiken |  news |  trailer showroom |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Miami Vice


von Christian Mester

Miami Vice
(2005)
Regisseur: Michael Mann
Cast: Colin Farrell, Jamie Foxx

Story:
Sonny Crockett und Ricardo Tubbs sind zwei Cops in Miami, die vom FBI den Auftrag bekommen, sich bei dem mächtigen Drogenboss Jesus Montoya einzuschleichen. Bei der Drogenfahndung gibt es nämlich einen Maulwurf, und durch ihren gewagten Undercover-Einsatz erhofft man sich eine Lösung. Dies wird schwieriger, als sich Crockett in Montoya's Gespielin Isabella verliebt.

Kritik:
Nas Konzept garantierte den Erfolg eigentlich schon im vorraus, aber das Endprodukt der Miami Vice Neuauflage schafft es leider nicht ganz, sein Potenzial kraftvoll auszuschöpfen. An Regisseur Michael Mann selbst soll es nicht liegen; sein neuer Film übertrifft Vorgänger Collateral bei weitem - in Sachen Optik. Der Mix aus wundervollen Panorama-Aufnahmen und dreckigem, hautnahen Einsatz von beweglichen Kameras in der Nacht bringt die Welt des Films perfekt herüber, so dass man sich wünschen mag, Mann nutze seine neue HD-Kameras bei vielen weiteren Filmprojekten.

Frauenschwarm Colin Farrell gilt schauspielerisch momentan als das Equivalent des jungen Keanu Reeves: hölzerne Perfomance mit geringer Reichweite, wenig Abwechslung. Das trifft leider auch hier auf seine Rolle als Crockett auf. Vergleicht man ihn mal mit Mel Gibson als Martin Riggs, wird schnell klar, dass er noch einiges lernen muss und nicht unbedingt die stärkste Wahl für eine Hauptrolle ist. Er ist nicht schlecht, aber man wünscht sich einfach soviel mehr als das. Die zweite Hauptrolle des Films hat nicht etwa Jamie Foxx, sondern Gong Li als zwielichte Vermittlerin, die sich Hals über Kopf in Crockett verliebt. Die asiatische Schönheit macht aus wenig viel und ist mehr als nur nette Hintergrunddekoration; schauspielerisch ohne Frage das beste in Miami Vice.

Wieso Jamie Foxx nur wenige Szenen bekommen hat, bleibt ein Rätsel. Der Oscar-prämierte Topschauspieler verblasst hier als notorisch gelangweilte Nebenrolle, dessen Lustlosigkeit überrascht und den Film ein Stück kälter macht. In Jarhead und Stealth war er noch weniger zu sehen, machte sich da aber weitaus besser als hier. In weiteren Rollen finden sich Ciaran Hinds (Cäsar aus "Rome"), Naomie Harris (Tia Dalma aus "Fluch der Karibik 2"), Justin Theroux (Joe aus "Six Feet Under") und John Ortiz, der auf den ersten Blick Naveen Andrews aus Lost extrem ähnlich sieht; jedenfalls, alle sind gut, aber kaum zu sehen

Kommen wir zum größten Knackpunkt: Miami Vice ist kein Actionfilm. Der Trailer verspricht es zwar, Möglichkeiten hätte es auch genug gegeben, aber Miami Vice ist ein eher ruhiges Drama mit Schwerpunkt Lovestory geworden. Die Liebesgeschichte zwischen Crockett und Isabella ist Herz des Films, funktioniert aber wegen der einseitigen Ausdruckslosigkeit leider nur selten. Neben der erstklassigen Gong Li erscheint Crockett nämlich farblos und derart unmotiviert, dass es schwer fällt, sich für seinen Teil der Geschichte zu interessieren.

Bei der Zusammenarbeit mit seinem Partner sieht es ähnlich aus: das Bild der Routine wird vermittelt, die nach langjähriger Arbeit eintritt und den Partner so wichtig wie das eigene Leben macht. Blindes Vertrauen, absolute Sicherheit. Das ist ja auch in Ordnung, nur ist ein Satz ("Meine Frau ist mir mindestens so wichtig wie das mit uns beiden") für eine ausreichende Charakterisation einfach zu wenig.

Crockett und Tubbs sollten ein Team sein wie Riggs & Murtaugh, Bill & Ted, Bad & Boys. Dafür fehlt aber der persönliche Background, die kleinen Eigenheiten, Insiderwitze, das Aufeinandereingehen, Angewohnheiten, einfach das "Leben" der beiden. Noch etwas, was man hätte besser machen können. Wie schon bei allen Mann Filmen zuvor ist auch hier wieder die Wahl der Musik vortrefflich gelungen, und wer Linkin Park oder Hip Hop am laufenden Band befürchtet, kann aufatmen - das gibt es nur im Club in der Eröffnungsszene. Es fällt allerdings auf, dass Mann Fan der Band Audioslave ist, die mit mehreren Songs zu hören sind.

Ordentliche Action hätte Miami Vice verdammt gut getan, denn abgesehen von einem kleinen Showdown am Ende gibt es fast überhaupt keine zu sehen. Zwar fliegen Helis, Hubschrauber, Flugzeuge, Sportwagen und Rennboote nur so durchs Bild, allerdings immer nur... solo. Verfolgungsjagden ala Bad Boys II oder Lethal Weapon sind gewissermaßen nicht-existent. Eine Parodie ala "Starsky & Hutch" hätte dieser TV-Serien-Umsetzung wahrlich noch schlechter getan, aber Michael Mann verpasst leider völlig, aus Miami Vice einen Topfilm zu machen. Schade. Einzig die gewisse "Klasse", die Mann dem ganzen verleiht, rettet ihn vor der Mittelmäßigkeit.


Fazit:
Miami Vice sieht schick aus und hört sich gut an, hat aber für einen Actionfilm viel zu wenig Action und für ein gutes Drama zu schwache Figuren. Mann's neuer ist passabel, aber kein Blockbuster der Erwartungen.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich