Story:
Der unscheinbare Trelkovsky
bewirbt sich um ein kleines Pariser Appartement, dessen Besitzerin nach einem
Selbstmordversuch im Krankenhaus liegt. Kurze Zeit später ist die Frau tot,
Trelkovsky bezieht ihre Wohnung und sieht sich dem strengen Regiment der Mieter
und Vermieter ausgesetzt, die ihn langsam aber sicher in den Wahnsinn treiben.
regie :
roman polanski
cast :
roman polanski, isabelle adjani, melvin douglas
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Nach dem großen
Kritikererfolg von „Chinatown“ kehrte Roman Polanski nach Europa zurück und
inszenierte recht spontan den dritten Teil der losen Trilogie um Mietshäuser und
Nachbarschaften. Polanski adaptierte Roland Topors Roman und begab sich damit
auf ähnliches Terrain wie in den anderen beiden Beiträgen der Trilogie: Eine
Person taumelt dem Wahnsinn entgegen und die Grenzen zwischen Realität und
Einbildung verschwimmen.
Dass sich Trelkovsky Dinge einbildet und sich selbst durch Wahnsinnsfantasien
zusetzt, ist in diesem Film jedoch klar zu sehen. Mehrfach erhalten wir Einsicht
in beide Seiten dieser Welt. Trelkovskys schleichender Irrsinn und das reale
Äußere, welches ihm zusetzt. Die interessante und entscheidende Frage ist in
diesem Film, wie viel wirklich Einbildung ist und wie sehr Trelkovsky in den
Wahnsinn getrieben wird. Damit ist dieser Film näher an „Rosemary’s Baby“ als an
„Repulsion“.
Polanski spielt die Hauptfigur selbst und gibt einen ruhigen, offenkundig leicht
beeinflussbaren und nicht sehr selbstsicheren Mann, der selten wirklich
wahrgenommen wird. Dennoch ist er beim Gespräch mit dem grantigen Vermieter
entschlossen. Das Verhalten der Personen kippt mal in die eine, mal in die
andere Richtung, auch bei den Nebenfiguren. Nach dem bizarren Vorfall im
Krankenhaus, als er die noch lebende Vormieterin besucht und deren Freundin
trifft, schleppt Trelkovsky schon ein großes Unbehagen mit sich, welches
spätestens in der tollen Kirchenszene nicht mehr von der Hand zu weisen ist.
Diese Angst und Verunsicherung verträgt sich überhaupt nicht mit dem peniblen
Drang der anderen Mieter auf Ruhe.
Trelkovsky eckt an, obwohl er nichts getan hat, lässt sich manipulieren und es
scheint, als wolle man mit ihm das machen, was auch seine Vormieterin in den
Selbstmord getrieben hat. Die Persönlichkeitsfragen, die der Film aufwirft,
machen einen Großteil der Faszination aus. Trelkovskys existentialistischer
Monolog, den er im betrunkenen Zustand – der ebenfalls undurchschaubaren –
Isabelle Adjani vorträgt, bringt es auf den Punkt. Trelkovsky übernimmt die
Rolle der Vormieterin und Polanski inszeniert es clever, aber auch schräg.
Einige Ideen oder Szenen wirken doch eher grotesk als spannend und ein wenig
galliger Humor schwingt immer mit, besonders wenn Trelkovskys Wahnsinn nicht
mehr zu leugnen ist. Dennoch ist die Verschwörung im Haus nicht zu leugnen und
zunächst überwiegt das Mysteriöse. Vom Fenster aus sind Personen in einem Zimmer
zu sehen, die stundenlang auf der Stelle verharren, ein bizarrer Fund hinterm
Schrank gibt Rätsel auf und selbst wenn Trelkovsky auswärts übernachtete,
beschweren sich die Anwohner über den Lärm.
Das schwache, sich selbst kaum verstehende Individuum prallt auf das starke,
nach festen Regeln funktionierende Kollektiv. „Der Mieter“ ist mehr Psychodrama
als Horror, doch die wunderbare Kameraarbeit, vom ehemaligen Bergman-Filmer Sven
Nykvist, liefert dennoch wieder ungewöhnliche Perspektiven und spielt ebenso
geschickt mit der verschwimmenden Linie zwischen real und irreal. Die Optik und
gute, wenn auch nicht hochkarätige, Darstellungen peppen das manchmal etwas
träge Drehbuch auf. So ist auch „Der Mieter“ ein wunderbar konstruiertes Werk
das immer wieder Neues bietet. Wohl der schwächste der drei Mieter-Filme, aber
dennoch gut.
Fazit:
Roman Polanski schickt
erneut seine Hauptfigur in den Wahnsinn. „Der Mieter“ ist ein teils schräger,
teils spannender und zumeist faszinierender Film, der nicht immer ganz
ausgewogen erscheint, aber dennoch fesselt und einfach gekonnt inszeniert ist.
7 / 10
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