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Kritik:
Ninja Assassin


Regie: James McTeigue
Darsteller: Rain, Naomi Harris
Release: 2009


von Christian Mester

Story:
Gegen den Willen ihrer Vorgesetzten ermittelt eine junge Agentin (Naomi Harris) im Fall einer mysteriösen Mordserie. Ein Streben, das sie alsbald ins Visier gnadenloser Ninjas führt, die ihr fortan mit Shuriken und Katanas nach dem Leben trachten. Hilfe eilt in Form eines ehemaligen Mitglieds (Rain) herbei, der einst mit ansehen musste, wie seine Clankollegen die Liebe seines Lebens töteten...

Rain ist in Asien so bekannt, dass er dort als Sänger
ganze Stadien füllt.

Kritik:
In Matrix Reloaded gibt es eine längere Szene, in der sich Held Neo urplötzlich zahlreichen Gegnern auf einem Hinterhof gegenüber sieht. Mit Händen und Füßen wehrt er sich minutenlang seiner Haut, schafft es jedoch lediglich, sich die Angreifer eine Weile vom Hals zu halten. Was aber, wenn er statt Fäusten und Stiefeln Schwerter und eine FSK-18 Freigabe gehabt hätte?

Aus dieser Idee muss Ninja Assassin entstanden sein, der neueste Streich des kreativen Trios James McTeigue, Lana (ehemals Larry) und Andy Wachowski. Zwar werden letztere beiden hier offiziell nur als Produzenten gezählt, innerhalb Hollywoods ist es allerdings längst kein Geheimnis mehr, dass das Team seit Matrix 2+3 zusammen an Speed Racer, V wie Vendetta und nun diesem neuen Titel gearbeitet hat. Interessanterweise mischen sich die Stile der letzten beiden Projekte und fügen sich, da es zum eine eine sehr düstere Rachegeschichte ist, zum anderen fraglos an die Extreme eines Live-Action Animés erinnert.

Wie nicht anders zu erwarten war, sind sämtliche der Actionszenen fraglos sensationell geworden. Rain, ein koreanischer Popsänger, beeindruckt in der Hauptrolle mit großartigem, glaubwürdigen Auftreten und beachtlicher Physis. Die sichtbaren einhunderttausend Sit-Ups machen sich bezahlt, in den atemberaubend dynamischen Actionszenen darf er vollends als ernst zunehmender Martial-Arts Künstler überzeugen. Dass die Regie ein Auge für gute Genreszenen hat, bewies man ja bereits im Vorfeld hinreichend, doch Ninja Assassin erreicht den Olymp des Actionmomentums. War Speed Racer visueller Fantasy-Visualorgasmus übertriebenen Comic-Karachos, zelebriert Rain selbiges mit ausufernder Ninja-Gewaltepik. Es wird gesäbelt, geschnitten und gehackt, dass es am laufenden Band zu gewaltigen Blutfontänen und abgetrennten Gliedmaßen kommt. Ein klares Fest für alteingesessene B-Movie Fans, die darüber hinaus den ehemaligen Genrestar Sho Kosugi - den wohl bekanntesten Darsteller aller Ninja-Streifen - als Bösewicht wieder erkennen dürften.
 

James McTeige war der zweite Assistenz-Regisseur
bei Street Fighter: Die entscheidende Schlacht.

Das Blutvergießen gipfelt teilweise im Absurden, doch recht schnell fällt auf, dass nur darin Qualitäten zu finden sind. In mehreren Flashbacks wird immer wieder gezeigt, wie hart die Erziehung im Geheimorden ist und mit welch düsterem Kalkül die Oberen gegen jegliche Moral vorgehen, doch obwohl die jüngeren Darsteller sich reichlich Mühe mit der Intensität ihres Leidens geben, verkommt es zu langweiligem, vorhersehbaren Einheitsbrei. Dies nimmt einen Großteil der Handlung ein, die Hauptdarsteller Rain einzig und allein mit verbitterten Blicken kommentieren darf. Ebenso groß vertreten ist der Plot um Agentin Naomie Harris, der offensichtlich gezwungen gestrickt wurde, um den vielen Kampfszenen verkaufbaren Rahmen zu bieten. Harris (Tia Dalma aus Fluch der Karibik 2+3) tritt auf der Stelle, ist nichts als die typische Damsel in Distress. Sie ist auch der einzige westliche Haken des Films, der kaum davon ablenken kann, dass es ansonsten eine komplett von asiatischen Darstellern dominierte Geschichte ist (offenbar, um dem westlichen, von westlichen Darstellern verwöhntem Publikum gewissen Anhalt zu bieten, was, richtig, ein Unding ist). Bei all dem Exploitation-Gore ist es dann kurios, dass die wenig überraschende, unausweichliche Duschszene Harris' eklatant FSK-6 bleibt.

Die Lieblosigkeit aller ruhigeren Momente führt zur Langeweile, wodurch der Film zu einer Art Hallenfussball wird: solang es läuft, geht es tüchtig zur Sache, doch jedes Mal, wenn die Action ausgewechselt wird, sinken Unterhaltung und Aufmerksamkeit ins Bodenlose. Fragwürdig ist auch das Einbringen gewisser Fantasy-Elemente: zwar ist es immer schon Teil des Ninja-Mythos, dass Ninjas über magische Kräfte verfügen, scheinbar aus dem Nichts erscheinen und sich selbst heilen können, wenn dies aber konkret gezeigt wird und Rain Kraft seines Willens Wunden zu wachsen lässt, beginnt das Grübeln.


Missfallen dürfte ebenso, dass die überstilisierte Gewalt unübersehbar cgi-lastig ist. Viele der speziellen Ninja-Waffen, wie Wurfsterne und bitterböse angelegte Klingenketten kommen oftmals aus dem Computer. Das Ergebnis ist prinzipiell imposant, es kostet jedoch mehrmals Überwindung, die oftmals offensichtliche Effektherkunft hinzunehmen. Schlimmer trifft es das viele Blut, denn das meiste davon kommt ebenfalls aus dem Rechner. Es ist verständlich, da Kampfszenen mit Kunstblut immer äußerst schwierig sind, weil nach jedem Take erst einmal gründlich geputzt und komplette Monturen ausgetauscht werden müssen, aber die übertriebene Splatter-Action (es gibt Splatterfilme, in denen weniger Blut spritzt) kratzt aufgrund nicht immer getroffener Blutfarbe und -physik immer wieder an der Glaubwürdigkeit. Eine Tatsache, die zuweilen aus dem Geschehen reißt, distanzieren kann.

Technisch ist der Film ansonsten relativ gut gemacht, auch wenn es trotz beträchtlichen Budgets den Eindruck eines kleinen Films hinterlässt. Zumindest wirkt es so, da sich vieles in denselben Gebäuden abspielt und man das Gefühl hat, selbst bei den Kollegen Ninja Turtles mehr Lokation zu sehen.

Fazit:
Wem es nach ausufernd gewalthaltiger Ninja-Action dürstet, für den dürfte der neue McTeigue ein äußerst schmackhaftes Stück Kuchen mit Schokostreusel auf Sahne sein. Wer jedoch grundsätzlich Interesse an solch trivial anmutenden Aspekten wie Handlung, interessanten Figuren und der Entwicklung beider hat, darf seine Erwartungen dämpfen.

4,5 / 10


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