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Kritik:
Oben


von Christian Mester

Up
(2009)
Regisseur: Pete Doctor
Cast: -

Story:
Carl Fredricksen ist ein alter Kauz, der nach dem Tod seiner hübschen Frau verbittert ist und sein geliebtes Haus kaum noch verlässt. Als dann eines Tages garstige Makler nach seinem Grundstück trachten und durch einen kleinen Vorfall das Recht dazu bekommen, fasst der Rentner kurzerhand einen irrwitzigen Plan. Da er und seine Frau immer schon davon geträumt hatten, einmal im Leben den Dschungel Südamerikas zu besuchen, bindet er kurzerhand unzählige Luftballons an sein Haus und fliegt dem Altersheim davon.

Allerdings nicht allein, denn mit an Bord ist ein dicker kleiner Pfadfinder namens Russel, der beim Abheben zufällig mit auf der Veranda saß. Zunächst tierisch genervt von dem aufdringlichen Naivling, freunden sich die beiden an, als sie in Südamerika gemeinsam auf allerlei verrückte Figuren stoßen...

Kritik:
Wer die animierten Filme der letzten Jahre gesehen hat, wird schon gemerkt haben, dass sich die Filme von Pixar (Ratatouille, Die Unglaublichen, Findet Nemo, Wall-E) auffallend von denen anderer Studios unterscheiden. Nicht nur, dass sie in Sachen Optik stets die Referenz sind, versuchen sie immer, typische Erwartungen zu übertreffen und mehr aus dem kindischen Genre zu machen. Niedliche Figuren gibt es bei ihnen zwar auch, aber im Hause Pixar hält man wenig von Gesangseinlagen, von überzogener Action und den üblichen Liebesgeschichten.

Viel mehr versucht man in erster Linie, tolle Figuren und abwechslungsreiche Geschichten zu entwerfen, die nicht nur bunter Zeitvertreib für die Kleinen sind, sondern auch gute Filme sein wollen. Wall-E im letzten Jahr konnte schon sehr vielen gefallen, was man mit Oben jetzt natürlich noch toppen will – und auch schaffen könnte. Keine Frage, die Geschichte an sich mag sich erst einmal relativ plump und albern anhören, doch was Pixar daraus macht, kann sich mehr als nur sehen lassen. War der kleine "Wall-E" im letzten Jahr schon ungemein rührend, steht Pixars Neuester seinem Vorgänger wirklich in nichts nach. Wieder schaffen sie eine zugleich unheimlich rührende, wie auch witzige Geschichte, die es in sich hat und spielend auch ältere Semester erreicht.

Nach einer extrem herzlichen und zugleich traurigen Vorgeschichte, die Carls bisheriges Leben anfangs kurz zusammenfasst, entpuppt sich der alte Griesgram als gezeichneter Charakter, dessen Eigenheiten vor allem eines machen: zum Lachen anregen. Ob er nun mit seinem Treppenlift murrend stecken bleibt oder entnervt Pfadfinder zu Recht weist, das Ganze ist so klasse inszeniert, dass man sich laufend dabei erwischt, wie man herzlich mitlacht. Der komplett im Computer gemachte Rentner ist dabei mit viel Liebe zum Detail gemacht worden und schauspielt sogar besser als viele seiner echten Kollegen. Überhaupt ist der Film unheimlich lustig geworden und beweist, dass stolpernde Wikinger längst nicht das Ende der Fahnenstange Comedy sind.

Der Humor, der übrigens sehr oft an den genialen Charlie Chaplin erinnert, ist meist absurd (wer nennt einen Vogel Kevin?) und fällt deswegen so klasse aus, weil die Reaktionen des ernsten Carls grandios zur herrlichen Dummheit des Jungen und der skurrilen Action im Dschungel passt. Der Junge selbst? Wäre eigentlich prädestiniert dazu, hauptsächlich uns - dem Zuschauer - auf den Keks zu gehen, weil das Kinder in solchen Filmen fast immer tun, aber der kleine Russell ist so herrlich stupide, dass er auch eine Figur aus King of Queens sein könnte. Die lustige Geschichte ist zudem sehr abwechslungsreich inszeniert und jongliert nonstop mit lustigen, actionreichen und manchmal auch gefühlvollen Szenen, die fast alle hervorragend zusammen passen.

In Sachen Optik zeigt Pixar einmal mehr, wieso sie weiterhin die technisch Besten ihres Faches sind. Die Grafik ist zwar nicht lebensecht, will man stilistisch ja auch gar nicht, aber die cartoonhaften Figuren erscheinen absolut greifbar und in jeder der Szenen gibt es liebenswerte Details, die unentwegt staunen lassen. Passend dazu steuert Komponist Michael Giacchino, den unsere Ohren schon von Lost, dem neuen Star Trek, vier Teilen Medal of Honor und dreimal Call of Duty kennen eine wundervolle Klangkulisse bei. Darüber hinaus ist es auch erfreulich, dass das 3-D im Gegensatz zum ebenfalls aktuellen Final Destination 4 hier mal sinnvoll eingesetzt wird. Anstatt bloß vereinzelt Dinge in die Kamera zu halten, beeindruckt die 3-D Fassung dank Panoramabilder mit starker Tiefe, und das, ohne die normale 2-D Version damit zu beeinträchtigen.

So gelungen der Großteil des Films auch sein mag, gibt es leider zwei Aspekte, die das Ende ein wenig trüben. Über die ersten beiden Drittel des Films passt der Humor einfach perfekt, aber dann treffen sie auf den Bösewicht der Geschichte, einen alten Abenteurer, der eine Armee von sprechenden Hunden befehligt. Die sind leider wirklich reichlich albern geworden und passen mit eigenen Flugzeugen, Pokerrunden und Chipmunk-Stimmen so gar nicht zum Rest. Sie kommen zwar wenig vor, stören aber jedes Mal da man richtig merkt, wie die Qualität der Witze auf Wikingerniveau herabsinkt. Allenfalls okay ist der Bösewicht, der irgendwie nur böse ist und vermuten lässt, dass man ihn nur mit eingebaut hat, damit die Geschichte zum Ende hin etwas flotter wird. Oben sollte man sich abschließend übrigens nicht unbedingt der Action wegen ansehen; die gibt es, aber verglichen mit Ice Age 3 und Monters vs. Aliens ist sie nicht wirklich erwähnenswert. Kommt halt darauf an, was man erwartet – wem Witz und eine tolle Geschichte reichen, gar gleich viel oder mehr wert sind, der wird zufrieden sein.


Fazit:
Ganz im Stile von "Ratatouille" und "Wall-E" ist auch der neue Pixar hervorragend geworden. Er mag weniger Action haben als seine Vorgänger, ist dafür aber wesentlich lustiger – sehr zu empfehlen!

9 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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