Story:
Carl Fredricksen ist ein
alter Kauz, der nach dem Tod seiner hübschen Frau verbittert ist und sein
geliebtes Haus kaum noch verlässt. Als dann eines Tages garstige Makler nach
seinem Grundstück trachten und durch einen kleinen Vorfall das Recht dazu
bekommen, fasst der Rentner kurzerhand einen irrwitzigen Plan. Da er und seine
Frau immer schon davon geträumt hatten, einmal im Leben den Dschungel
Südamerikas zu besuchen, bindet er kurzerhand unzählige Luftballons an sein Haus
und fliegt dem Altersheim davon.
Allerdings nicht allein, denn mit an Bord ist ein dicker kleiner Pfadfinder
namens Russel, der beim Abheben zufällig mit auf der Veranda saß. Zunächst
tierisch genervt von dem aufdringlichen Naivling, freunden sich die beiden an,
als sie in Südamerika gemeinsam auf allerlei verrückte Figuren stoßen...
regie :
pete docter
cast :
-
kritik :
christian westhus
____________________________________________________________________________
Kritik:
Es ist irgendwie beruhigend zu sehen, dass
es selbst in der Filmwelt wenigstens noch ein paar Konstanzen gibt. Das fast
jährlich stattfindende Pixar-Fest ist jedes Mal aufs Neue wieder ein Garant für
überdurchschnittliche Qualität auf jedem Sektor, verbindet erlesene
Animationskunst mit gutem, alten Geschichtenerzählen und einer ausgewogenen
Humormischung für Jung und Alt. So ist auch „Up“ keine Enttäuschung, sondern
einfach nur nicht Pixars bester.
|

"..."
|
|
„Up“ wurde zunächst als erneutes
Wagnis beschrieben, was nach Filmen mit Ratten und Müll-Robotern in den
Hauptrollen schon was heißen muss. Die Geschichte eines alten Mannes, der
verwitwet und allein in seinem Haus festsitzt und plötzlich beschließt, dem
lange gehegten Traum seiner Frau nach zu fliegen, bietet allerhand
traurig-sentimentale Momente, die so real und ernsthaft selten ihren Weg in
vermeintliche Kinderfilme finden. Wenn dann werden diese Themen als Metaphern
gezeigt, doch in der ersten Viertelstunde, wenn wir das Leben von Carl
Fredricksen in einer zu Herzen gehenden Montage präsentiert bekommen, sind
Themen wie Liebe, Tod, Alter und Einsamkeit überraschend deutlich vor uns
ausgebreitet. Es ist vielleicht die beste Sequenz des ganzen Films, obwohl es
streng genommen ja nur bekannte Szenen, ja fast Klischees aus dem Alltag und
Leben sind. Vielleicht liegt es daran, dass wir solche Bilder in
Animationsfilmen nicht erwarten, aber der Wirkung kann man sich einfach nicht
entziehen.
Die beiden Pixar-Vorgänger von „Up“ waren jeweils kleine Revolutionen was
Animationskunst und Anspruch betraf und so sitzt „Up“ ein wenig zwischen den
Stühlen. „Ratatouille“ ist rein technisch wahrscheinlich mit der beste, weil
detailreichste und am aufwendigsten wirkende Computer-Animationsfilm der Dekade
und „Wall-E“ ist technisch fast gleichwertig und bietet die vielleicht mutigste,
weil experimentellste Story der Pixar-Geschichte. Da diese beiden Filmen aber,
zumindest in den USA, die „schwächsten“ (überdurchschnittlich erfolgreich waren
sie ja alle) Einspielergebnisse der Pixar-Filme aufweisen, nur vor den
Frühwerken „Toy Story“ und „Das große Krabbeln“ platziert, dachte man sich
scheinbar, dass „Up“ deutlicher ein Familienfilm sein müsste. Das Meisterwerk „Wall-E“
schien besonders Kindern zu artifiziell und schwer greifbar. „Up“ wird, nach der
tieftraurigen Exposition und mit der geballten Kraft tausender Ballons, zu einem
rasanten Abenteuerfilm und im kunterbunten Haus segeln wir der Tristesse davon.
Das Haus samt Ballons ist quasi eine doppelte Manifestation. Zum einen die der
verstorbenen Frau, zum anderen die des Traumes vom Abenteuer in Südamerika.
Entsprechend hängt Carl an diesem Haus voller Erinnerungen, spricht mit dem
Haus, bzw. mit Ellies Geist (Aura), den er dort zu sehen glaubt. Das ist so
geschickt und wirkungsvoll gemacht, dass wir jedes Mal mitfühlen, wenn ein
Ballon zerplatzt, wenn Geschirr vom Regal fällt, oder ein Felsen gerammt und
Holz zersplittert wird. So wird dann eine dramatische Szene, kurz vor Beginn des
letzten Aktes, zum großen emotionalen Schock, zu einem schmerzhaften Stich ins
Herz, den wir uns so kaum vorstellen konnten. Da muss man sich dann entscheiden,
ob man Melancholie, Trauer und Verdruss mit spaßigem Abenteuer verbinden kann.
Hunde mit Piepsstimme, Rentner mit Schwert und noch mehr Hunde in
Doppeldeckerflugzeugen sind dann nämlich schon hart an der Grenze zur extremen
Comicalbernheit.
Seit Jahren schon unterscheiden sich die Pixar-Werke besonders bei der Handlung
von der Animations-Konkurrenz. Ernster, tiefgreifender, abwechslungsreicher und
irgendwie origineller sind die Pixars meistens, während z.B. „Dreamworks“
vermehrt auf Humor setzt und damit inzwischen ähnliche Erfolge an der Kinokasse
erzielen kann. Der Humor bei „Up“ wird selten platt oder erdrückend, ist jedoch
deutlicher im Zentrum. Das Dschungel-Abenteuer bietet Slapstick, wunderbar
wortlosen und langsamen Humor und natürlich schräge Nebenfiguren. Ohne die
Handlung und die Ernsthaftigkeit je ganz aus den Augen zu verlieren, scheinen
manche Szenen und Momente dennoch nur halbgare Humor-Füller zu sein. Das trifft
besonders auf die vielen Hundis zu, die zumeist sprechend hinter Klischees
herjagen.
Während der schräge Paradiesvogel ein echter Volltreffer ist und der liebe Hund
Dug als Einzelfigur so richtig zum Knuddeln ist, verliert es sich dann
irgendwann, wenn mit dem Bösewicht ein paar Schwanzwedler zu viel auf der
Bildfläche auftauchen. Für einen Moment werden wir fast gezwungen, die
Schwermütigkeit abzuschütteln und temporeich über Gesteinsbrocken zu hüpfen, mit
dem schwebendem Haus zu flüchten und zu beobachten, wie der grimmige Carl zum
sportlichen Helden mutiert. Das macht zweifelsohne Spaß, aber die Kombination
mit den immer wieder eingestreuten ernsten Momenten will nicht immer ganz
harmonisch gelingen.
|

"..."
|
|
Ganz abgesehen davon ist der
Bösewicht selbst eher einer von der langweiligen Sorte. Als Charakter sicherlich
wieder toll entwickelt, aber Charisma, Bedrohung und Erinnerungsfaktor hat man
bei Pixar-Schurken schon besser gesehen. Er wird sehr geschickt schon früh in
der Handlung angedeutet und mit ihm gibt sich der ganze Film zunächst ernst und
realistisch, mit leisem, bedächtigem Humor, ehe man beschließt – Film und
Schurke -, sich doch als Comic zu outen und Logik und Physik bis ans Äußerste zu
strapazieren. Was in Animationsfilmen normalerweise kein Problem ist, wirkt hier
aufgrund der Einleitung nicht so leicht hinnehmbar.
Das heißt aber nicht, dass man sich permanent dabei ertappen müsste, wie man
emotional und stilistisch hin und her gestoßen wird. „Up“ ist trotz dieser
unausgewogenen Art ein echter Leckerbissen, der wieder liebevoll gemacht ist.
Der Weg zum fintenreichen und immer wieder schön augenzwinkernden Finale ist
spannend und abwechslungsreich und die Figuren haben wir eh schon seit einer
ganzen Weile ins Herz geschlossen. Das Tempo ist hoch und spannend ist es auch,
sodass man sich kaum satt sehen kann. Und weil es Pixar ist, gibt es eben immer
wieder diese glaubhaft inszenierten ernsten Szenen, auch wenn sie hier nicht
immer ganz perfekt in die restliche Handlung integriert wurden. Dass es sie gibt
und dass sie eigentlich auch funktionieren, grenzt „Up“ schon deutlich von der
üblichen Animations-Spektakel-Kost ab. Am Ende geht es um Freundschaft, Ehre und
Abschied und da ist der Film dann wieder so auf der Höhe, wie in der
ergreifenden Anfangsviertelstunde.
Zwar bieten Dschungel und karge Felslandschaften für die Animation nicht so
viele Möglichkeiten, wie eine zermüllte Erde, französische Restaurantküchen oder
das Meer, aber auch in diesem Film zeigen die Künstler von Pixar wieder, wo
animationstechnisch der Hammer hängt. Und wer den Film in 3D zu Gesicht bekommt,
wird sich an der tollen Tiefenwirkung und am Detailreichtum begeistern. Statt
immer wieder Dinge aus der Leinwand fliegen zu lassen und damit billige Lacher
und Erschrecker abzugreifen, nutzt „Up“ 3D als Zusatz für noch mehr optische
Brillanz.
Fazit:
„Up“ ist gewohnte
Pixar-Qualität, was bedeutet, dass die Handlung Vorrang vor den Gags hat. Nach
der grandiosen und ergreifenden Einleitung wird der Film zum tollen Abenteuer,
das nicht immer ganz perfekt zum ernsten Rest passen will, aber erstklassig
gemacht ist und blendend unterhält. Viele liebenswerte Figuren halten den
Humorlevel hoch, das Tempo stimmt und am Ende spürt man wieder, warum man sich
auf die Pixar-Leute jederzeit verlassen kann.
8 / 10
_____________________________________________________________________________
:::::...: Diskussion im Forum
|