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Orphan - Das Waisenkind

Story:
Als Familie Coleman eines Tages die vermeintlich harmlose Esther (Isabelle Fuhrmann) bei sich aufnimmt, ahnen sie zunächst nicht, dass mit dem Kind irgendetwas nicht stimmen mag. Erst nach und nach finden Kate (Vera Farmiga) und ihre Kinder heraus, dass Esther ein tödliches Geheimnis birgt...

regie :
jaume collet-serra
cast  : peter sarsgaard, vera farmiga
kritik : christian mester
 

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Kritik:
Eine äußerst angenehme Überraschung.

 


"Rosemary, es ist doch alles in Ordnung..."

Ein Rückblick: 2005 markierte das Jahr, in dem Jaume Collet-Serra hierzulande erstmals in Erscheinung trat. Der spanische Filmemacher hatte sich aufgrund unzähliger hochqualitativer Commercials einen Namen als Werbefilmer gemacht und sah vor, mit einem Remake eines Horror-Klassikers sein Debüt als Spielfilmregisseur zu geben. Er wählte das 1953er "House of Wax".

Zugegeben, Skepsis war anfangs unumgänglich. Statt einer originellen Geschichte war es prinzipiell wieder einmal bloß ein Remake, zudem hatte sich ausgerechnet Medienmätresse und Talentvakuum Paris Hilton in die Besetzung seines Films verirrt. Ein sicheres Fiasko? Falsch gedacht. Nicht nur, dass Mrs. Hilton zur Überraschung aller tatsächlich nicht weiter störend auffiel und sogar eine der heraus stechendsten Szenen des Films bekam, entpuppte sich das schicke Remake des Vincent Price-Klassikers als echte Empfehlung.

Während der Cast mit Elisha Cuthbert ("24") und "Freitag der 13te", sowie "Supernatural" Alumnus Jared Padalecki solide, wenn auch nicht überragend war, bestach der Film im Gegenzug durch spektakuläre Sets, einer schlagkräftigen Regie und einer reichlich blutigen Slasher-Geschichte.

Nachdem er danach mit "Goal 2: Living the Dream" kurz die Genres wechselte, kehrt Collet-Serra 2009 nun wieder mit einer neuen düsteren Geschichte zurück. "Orphan - Das Waisenkind" hat interessanterweise wieder recht ähnliche Vorabzweifel zu überstehen. Wieder ein Film mit vermeintlich bösen Kindern? Dass das effektiv funktionieren kann, bewies erst kürzlich "Teufelskind Joshua" mit Sam Rockwell, doch ob es wieder gelingen sollte?
 


"Achtung, das sind die Triffids."  

Falls man besagten, sehr zu empfehlenden Thriller gesehen haben sollte, fällt einem sicherlich schnell auf, dass Vera Farmiga ("Departed: Unter Feinden") auch in diesem Film wieder als besorgte Mutter zu sehen ist, die sich mit einem gefährlichen Kind auseinandersetzen muss. Ein Zufall? War ihre Rolle in "Joshua" apathisch und passiv, so darf sie hier allerdings wesentlich aktiver ins Geschehen eingreifen und eine gänzlich andere Persönlichkeit spielen. Dabei bringt sie ein sehr markantes Element mit, das schon "Joshua" aus der Masse typischer Projekte hervor ragen ließen: Schauspieltalent.

Keine Frage, die Geschichte des Films entwickelt sich prinzipiell wie zu erwarten war nach Schema F: Familie nimmt Kind auf, kurzfristiger Schein häuslicher Idylle tritt ein, erste Ereignisse rütteln an der Harmonie, Morde passieren etcetera. Das zeigte ja auch bereits der Trailer, allerdings verbarg er, wie gut die Charaktere ausgearbeitet sind. Einmal mehr zeigt Vera Farmiga ihre Reichweite als Darstellerin und macht die Mutter, die neben der Waisen auch noch mit ganz eigenen Dämonen ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, zu einer tiefschichtigen, tragischen und sympathischen Figur. Ihr gegenüber steht der immer gute Peter Sarsgaard ("Jahrhead - Willkommen im Dreck"), der ihren Mann spielt und dazu beiträgt, dass "Orphan" in dem zumeist schwächlichen Darstellerbrei seiner Untersparte mit guten Leuten aufwarten kann.

Ähnlich gut ist aber auch die Wahl der Kinderdarsteller geworden, allen voran der auffälligen Isabelle Fuhrmann. Auf Postern und Bildern noch haltlos, entwickelt sich ihr Charakter schleichend zu einer bitterbösen Horrorfigur, die sich im späteren Verlauf zu einem Albtraum entwickelt und glaubhaft vermitteln kann, dass sie selbst für Erwachsene eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt. Was ihr großer Twist ist, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten, nur, dass es die meisten Zuschauer tatsächlich überraschen wird und clever versteckt ist.

Collet-Serra entfernt sich dabei auch stilistisch vom typischen Genre-Film, und definiert "Orphan" besser gesagt als hitchcockesken Thriller, der kraftvoll inszeniert ist und für viele ein Geheimtipp werden wird. Blut und Spektakel halten sich im Zuge der Stoffentwicklung allerdings in Grenzen, es schmelzen keine Häuser und es geht Collet-Serra auch nicht darum, möglichst denkwürdiges Ableben zu inszenieren. Was das betrifft, bleibt "Orphan" auf dem Teppich, auch wenn das nicht heißen soll, das Esther keinen Schneid hätte. Es soll nur festlegen, dass "Orphan" und "Wax" zwei deutlich verschiedene Schuhe sind und auch unterschiedliche Zielgruppen bedienen. War sein Erstling eher ein Popcornstück zum Amüsieren, lädt sein Neuer zu herbstlicher Spannung ein.

Fazit:
Starke Darsteller, tolle Regie und ein aufreibendes Finale machen "Orphan" zu einer echten Genre-Überraschung mit Anspruch. Wem "Saw 26" zu plakativ und "Freitag der 13te" zu plump sind, muss ihn gesehen haben.

7,5
/ 10

> jetzt lesen: Interview mit Regisseur Collet-Serra


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