home  |  vorschau  |  kritiken  |  gewinnspiele  |  drehbücher  |  impressum  |  links  |  chat  |  forum

 
Film Kritik
 
<<Zurück


 


 

 
Pandorum

Story:
Nach völliger Übervölkerung der Erde wird ein Raumschiff entsandt, das mit tausenden Menschen an Bord den 127 Jahre entfernten Planeten Tanis erreichen soll. Geplant war, dass alle im Cryoschlaf bleiben und sich lediglich eine kleine Crew abwechselnd um das Schiff kümmert. Einer von ihnen ist Corporal Bower, der jedoch alleine aufwacht, merkt, dass der Schiffscomputer nicht mehr reagiert und weit und breit nichts von der Crew zu sehen ist. Er erweckt also seinen Vorgesetzten Payton und macht sich auf die Elektronik zu untersuchen, als er seine erste Begegnung mit seltsamen Kreaturen macht…

regie :
christian alvart
cast  : ben foster, dennis quaid
kritik : christian westhus
 

____________________________________________________________________________

Kritik:
Im Weltall hört dich niemand schreien. Diese ausgelutschte, aber immer noch richtige Maxime nutzt auch Christian Alvarts US-Film, der sich daraus ein schniekes Science-Fiction-Horror-Potpourri bastelt. „Pandorum“ hat seine Momente, ist aber auch ein Konglomerat aus Versatzstücken diverser Filme. „Event Horizon“, „Alien“ und der französische „Eden Log“ grüßen in einer Mischung aus dreistem Klau und zufälliger Ähnlichkeit.

 


"Ich werde Bella finden, und wenn es das letzte ist..."

Besonders in der ersten Hälfte macht der Film atmosphärisch einiges her. Wir haben zunächst nur zwei Hauptfiguren, beide sind orientierungslos und strahlen Angst und Unruhe aus. Der durchaus sympathische Ben Foster schält sich wunderbar bizarr und eklig aus dem Kryo-Schlaf und taumelt mit ordentlichem Gedächtnisverlust durch bizarre Rauschiffwelten. Foster kriecht und schleicht sich fortan durch enge Gänge, während Dennis Quaid am Computer seinen Weg verfolgt.

Hier geht das Konzept noch auf. Kurze Texttafeln zu Beginn teilten mit, dass man sich im späten 22. Jahrhundert auf dem Weg zu einem erdähnlichen Planeten machte. Quaid und Foster werden unsanft geweckt, wissen nicht wie lange sie geschlafen haben und vermissen ihr drittes Teammitglied. Alvart nutzt die Konfusion und das Grauen des Ungewissen. Tatsächlich ist man in keiner dunklen Nische sicher. Das Prinzip kennt man natürlich aus „Alien“, funktioniert aber auch hier. Es ist absolut finster und gerade in den ruhigen und langsamen Szenen und Momenten weiß Alvart daraus Kapital zu schlagen. Verdächtige Schatten bewegen sich umher, die unheimliche Bedrohung ist nur schemenhaft zu erkennen und eine weitere Überlebende zieht einsam und messerschwingend durch die engen Gänge. Sogar die Klaustrophobie in den Schächten dieses wirr konstruierten Raumschiffs ist in einigen Szenen durchaus wirkungsvoll auf Film übertragen, obwohl man zumeist einfach das Licht ausgeknipst hat.

Sobald aber Tempo und Dynamik in die Szenen kommen, ruiniert der Schnitt, der wohl genau das (schnell und dynamisch) sein soll, die Spannung. Es ruckelt unnötig hin und her, Bildfetzen fliegen über die Leinwand und die Geräuschkulisse versucht äußerst penetrant mit Techno-Wummersound der visuellen Bizarrheit Nahrung zu geben. Etwas mehr Übersicht hätte noch mehr Spannung und Atmosphäre entwickeln können und die beliebte Hollywoodgleichung „Temposzenen = hohe Schnittfrequenz“ ist auch nicht immer die richtige Wahl.

Dann kommen auch schon früh äußerst stillose und auch noch schlecht inszenierte Flashbacks hinzu, die zwar nötige Informationen wiedergeben, aber einfach störend sind. Gleiches gilt für einen späteren Aufklärungsmonolog, den sich zwei Personen an verschiedenen Orten teilen. Plötzlich gehen mit dem Drehbuch die Pferde durch und die dämlichen Szenen häufen sich. Ein Ruck, ein grober Wechsel geht plötzlich durch den Film, der nicht mehr klaustrophobischer Horror ist, sondern Überlebenshatz in Düsterkulisse. Dieser Wechsel ist zwar nicht ganz so grob wie der aus dem letzten Drittel von Danny Boyles „Sunshine“, aber dennoch auffällig.

Die Einführung weiterer Figuren schadet dem Film mehr, als es nützt. Die Frau und den Asiaten können wir noch akzeptieren, hoffen wir doch auf ein wenig Späne beim gepflegten Space-Hobeln und macht eine abenteuerliche Flucht durch wirres Gelände, mit stets präsenten Gegnern, doch in einer Gruppe mehr Spaß. Immerhin sind Effekte und Ausstattung ja absolut gelungen. Die Bauten und Gänge sind vielleicht nicht immer logisch und leider blicken manche Figuren irgendwann durch, wo man sich befindet, im Gegensatz zum Zuschauer, doch insgesamt kann die Optik begeistern. Die Animationen sind gelungen und fügen sich nahtlos in die Kulissen ein und ein paar Ideen sind durchaus originell zu nennen. Dass der Film auf diesem Sektor punkten kann, kapieren wir aber schon nach zehn Minuten. Wenn es an die Substanz geht, macht das Drehbuch als erstes schlapp.
 


"Ich glaub, wir brauchen die Joes..."  

Dass der Asiate klischeegerecht dazu verdonnert wird, ein paar Martial Arts Künste zum Besten zu geben, ist ein weiterer Stilbruch, der in einer extrem dämlichen, ja sogar unfreiwillig komischen Szenen mündet, die unweigerlich an Paul W.S. Andersons „Alien vs. Predator“ erinnert. Überhaupt schimmert Anderson, der diesen Film produzierte, mit seinem Stil und schimmern Andeutungen auf seine Filme immer mal wieder durch. Das ist nicht immer störend, aber auffällig, wenn man sich der Beteiligung des Mannes bewusst ist. So macht die Deutsche Antje Traue in der weiblichen Hauptrolle zwar eine durchaus gute Figur, nur erinnert sie zunächst leider etwas zu stark an Alice, aus den „Resident Evil“ Filmen. Dass Regisseur Alvart seine deutschen Wurzeln nicht vergessen hat und in einigen Szenen darauf hinweist, ist amüsant und damit komplett überflüssig in einem Film dieser Art.

Hauptdarsteller Ben Foster ist sympathisch genug, um durch die Handlung zu führen. Dann ist da aber auch noch Dennis Quaid. Der eiert den halben Film über so unnütz in seinem Kabuff herum, dass es stört und dass es – ungünstigerweise – zu Überlegungen führt, wie es für den guten Quaid wohl enden wird. Er hat letztendlich nichts zu tun und muss nur Foster hier und da an die Hand nehmen und ansonsten permanent fragen, wo dieser sich gerade herumtreibt. Für eine solche Rolle braucht man keinen Dennis Quaid, was die Besetzung ebenfalls sehr verdächtig erscheinen lässt.

Das ist alles irgendwie halbgar. Man ist immer gewillt, den Film für einige Dinge zu loben und zu mögen und dann entpuppt sich die Logik, das Monsterdesign (inklusive Pseudo-Mythologie) oder die nächste Aufklärung wieder als störend. Gerade die Aufklärungen und klaren Infos, was der Weltraumrambazamba eigentlich soll, sind nicht immer gelungen. Egal, ob es um die Bedrohung an Bord geht, die klar ‚Style over Logic’ ist, oder ob es um die Hintergründe geht, die etwas Licht ins ewige Dunkel bringen. Auch kommen die Schocks und Erschrecker leider meist nur über die Tonspur. Ihren Zweck erfüllen sie dennoch, womit wir wieder beim Thema wären: „Pandorum“ ist spannend, aber inhaltlich unausgegoren, ist visuell faszinierend, dann aber wieder zu hektisch.

So ist der Film als Ganzes, bis zum leicht vorhersehbaren Ende, eher durchwachsen und dennoch lohnt ein Kinobesuch sicherlich. Lohnend ist er, weil er sich angenehm vom üblichen Sci-Fi-Standard abgrenzt, obwohl er natürlich auch zitiert ohne Ende. Ein Paradoxon von Film, der seine visuelle Finesse und die reichlich aufdringliche und laute Soundkulisse nur im Kino richtig ausspielen kann. Und ganz dumm ist der Inhalt ja auch nicht, sondern nur unausgewogen und mit Macken. Wie gesagt.

Fazit:
Christian Alvart hat einen spannenden und teils durchaus originellen Weltraum-Horrorfilm geschaffen, der besonders in der ersten Hälfte mit einer tollen Atmosphäre begeistern kann. Das Drehbuch leistet sich aber einige Aussetzer, die Logik spielt nicht immer mit und ab und an verbaut sich Alvart mit seinem Stil selbst bessere Szenen. Kurzweiliger Sci-Fi-Grusel für Freunde des klar besseren „Event Horizon“.

5,5
/ 10

_____________________________________________________________________________



:::::...:
Diskussion im Forum





























 

 
 

 
FILM FORUM
Diskutiere mit anderen über die neuesten Gerüchte, die aktuellen Filme, den kommenden Highlights, den TV Top Serien und über Gott und die Welt!

Zum Forum!

 




alle genutzten Promomaterialien diverser Filme
Copyright den entsprechenden Besitzern
alle Texte und nicht-promotionalen Bilder
Copyright 2004-2024 bereitsgesehen.de
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websiten verantwortlich