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Regie: Oren Peli | Release: 2009 | Darsteller: Katie Featherston

Paranormal Activity


von Christian Mester

Story:
Seit Jahren hat Katie ein Problem - ein Geist bedrängt sie immer wieder in der Nacht und will sie nicht zufrieden lassen. Ihr Freund Micah will ihr helfen und die übernatürlichen Phänomene auf Band aufzeichnen. Das neugierige Vorhaben wird zum tödlichen Ernst...
 

Paranormal Activity 2
ist bereits in Planung

Kritik:
Paranormal Activity ist in den USA der große Überraschungshit des Jahres 2009, der lautstark beworben wird, einer der gruseligsten Filme aller Zeiten zu sein. Ein Statement, das man auch hierzulande sicher mehrfach hören wird, verdienterweise?

In der richtigen Verfassung und mit dem passenden Publikum kann der Geisterschocker in der Tat ein äußerst aufregender Film sein, stellt sich lediglich die Frage, ob man vor zehn Jahren bei Blair Witch Project ähnlich empfand. Die beiden Filme sind sich nämlich so dermaßen ähnlich, dass Paranormal Activity auch Blair Witch Project 3 heißen könnte.

In Orin Pelis Werk geht es ebenfalls um gewöhnliche Figuren, die von völlig unbekannten Darstellern gespielt werden und mit eigenen Kameras protokollieren, wie sie es mit einer unheimlichen Entität zu tun bekommen. Der größte Unterschied zwischen beiden Filmen liegt nun darin, dass Katie und Micah ausschließlich in ihrem Haus bleiben und sich anstatt mit einer Hexe mit einem Geist anlegen, was, wenn man sich darauf einlässt, durchaus fesseln kann. Dinge bewegen sich auf unheimliche Weise, Türen knallen, Schritte sind zu hören, der Angreifer selbst bleibt unsichtbar, lebt von Andeutungen und eigener Fantasie.

Ein schauriges Erlebnis, sofern man alles andere übersieht und sich erfolgreich vorstellt, an ihrer Stelle zu sein. Schafft man das, ist Paranormal Activity fraglos einer der gruseligsten Filme der letzten Zeit, da er mehr Schockszenen als jeder andere Horrortitel des Jahres einsetzt - und das ohne Ekel oder unnötiges Blutbad angeht.
 

Der Regisseur des Filmes bereitet zur Zeit
einen ähnlichen Film über Area 51 vor

Der Punkt ist, dass Paranormal Activity die Bezeichnung Spielfilm kaum, die vielen Säle der Kinos der Welt nur bedingt verdient. Es ist eine Independent-Produktion von läppischen 10.000 Dollar, in Eigenregie von einem Amateur inszeniert, der seine amateurhafte Geschichte mit anderen Amateuren umsetzte. Nun müssen Amateure und Indie-Projekte selbstredend niemals automatisch schlecht oder talentfrei sein (s. The Texas Chainsaw Massacre, The Evil Dead, Night of the Living Dead), gewiss nicht, die meisten sind es aber und Pelis "Werk" bietet im Grunde nicht viele Argumente, aus dieser Masse heraus zu stechen.

Die Optik erinnert an diverse Youtube-Kurzfilme. In "realer", sprich, langweiliger Beleuchtung gedreht spielt sich das Geschehen ab, Musik gibt es fast keine und so wirkt das Resultat dokumentarisch wie eine Nachstellung aus einer Mystery-Dokumentation. Das Fehlen luxuriöser Hollywood-Optik mag nun den ein oder anderen stören, groß ins Gewicht fallen soll dies an dieser Stelle jedoch nicht - gebt Sam Raimi dieselbe Summe und er wird Besseres aus dem Hut zaubern. Der überraschend gute Rec und auch Genrekollege Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon störten sich daran ja auch nicht.

Paranormal Activity hat in vielerlei Hinsicht jedoch leider wenig mit guten Horrorfilmen gemein. Ein guter Geschichtenerzähler lässt sich von schlechten Werkzeugen nur bedingt aufhalten, so hätte ein Raimi erst einmal das nicht vorhandene Drehbuch (die Darsteller hatten keine festen Texte, nur Themen, mit denen sie improvisieren mussten) aufgebessert, in dem er einen Großteil der überflüssigen Dialogwechsel mit anständigen Gesprächen ersetzt hätte. Als nächstes hätte er eifrig weiter gecastet bis er wirklich gute Darsteller gefunden hätte, denn Katie Featherston und Micah Sloat, die man mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals wieder sehen wird, haben das besondere Etwas eines Schauspielers einfach nicht; diesen speziellen Funken, der einen zum Wiedersehen einlädt. Es bleiben mögliche Auftritte als Nebenfiguren in Steven Seagal DVD-Filmen und Asylum-Kopien wie Transmorphers, Hollywoods Türen werden jedoch verschlossen bleiben.

Verglichen mit Blair Witch Project selbst fällt ernüchternd auf, dass das Haus der Sloats niemals so stimmig ist wie die Wälder Burkittsvilles und dass die von Myrick und Sanchez entwickelte Hexen-Mythologie einfallsreicher als Pelis Poltergeist/The Entity/Changeling Rip-Off war.

Dass Peli den Großteil des Filmes starr vom Stativ aus zeigt, macht hinsichtlich der Story zwar Sinn, fällt auf Dauer aber störend auf, da es schon seine Gründe hat, wieso Kamerawinkel ein essentielles Element aller Filme sind. Nicht auszudenken, wenn Filme wie Zwei glorreiche Halunken oder Matrix komplett aus bewegungslosen, statischen Punkten gedreht worden wären, weswegen es auf Dauer anödet, dass man ellenlang ewig gleiche Einstellungen vom Schlafzimmer der beiden sieht (eventuell vorgekommene Liebesspiele sind nicht Teil der Aufzeichnungen). Auch dramaturgisch hätte ein Talent wie Raimi mehr geboten, da Pelis Gruselgeschichte inhaltlich gerade einmal Nährwert für einen Kurzfilm hat. Es dauert zu lange, bis es wirklich zur Sache kommt und die Eingriffe des unheimlichen Gastes bleiben rückblickend viel zu sachte und kommen zu selten vor.

Diary of the Dead, Cloverfield und Blair Witch Project machten weit mehr aus der äußerst dynamischen Ego-Perspektive und profitierten vom Mittendrin-statt-nur-dabei Gefühl; Paranormal Activity dagegen hat zwar ansprechende Buh!-Momente, ist als Film aber eher zwischen dem mäßigen Open Water und dem katastrophalen The Last Broadcast einzuordnen. Seien wir mal ehrlich, erschrecken lässt sich jeder, der nach langer Stille urplötzlich wach gerüttelt wird, was hier x-mal passiert und dafür für manch einen unheimlich effektvoll sein könnte... ein guter Film ist allerdings etwas anderes.

Fazit:
Ein Hingucker für jeden Fan von Blair Witch Project und leichtes, unblutiges Schockmaterial für jeden, der in der Regel keine Horrorfilme sieht. Der Hype und 100 Millionen Dollar Einspiel? Absolut unverdient.

2,5 / 10


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