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KRITIK:
DAS PARFUM
Die Geschichte eines Mörders
von
Christian Westhus
DAS PARFUM (2010)
Regie: Tom Tykwer
Cast: Ben Wishaw, Karoline Herfurth
Story:
Wir schreiben das Jahr 1738. In einem kleinen
französischen Städtchen treibt ein geheimnisvoller
Parfüm-Mörder sein Unwesen. Doch wer steckt
dahinter? Wer bringt die Jungfrauen um ihr Leben
ohne ihrem Körper auch nur die kleinste Schramme
zuzufügen? Die Spuren führen zu einem jungen Mann
mit einem einzigartigen Sinn für Düfte, die ihm zum
Verhängnis werden...

Kritik:
Lange Zeit galt der Welt-Bestseller "Das Parfüm -
die Geschichte eines Mörders" von Autor Patrick
Süskind als unverfilmbar. Ähnlich wie
"Sin City" - Schöpfer Frank Miller fand der
deutsche Autor niemanden, der es verstand, sein Werk
richtig für die große Leinwand umzusetzen.
Doch als sich Bernd Eichinger, Deutschlands
berühmtester Produzent, sich der Sache annahm und
mit einem ungefähren Budget von sage und schreibe 50
Millionen Euro auf den Weg machte, stand für Süskind
fest: Jetzt oder nie. Für Deutschlands bis dato
teuerste Produktion gewann man Tom Tykwer ("Lola
Rennt") als Regisseur und den jungen und noch
weitestgehend unbekannten Ben Wishaw für die Rolle
des Frauenmörders. Die bereits als unverfilmbar
verdammte "Herr der Ringe"-Saga hat vielleicht auch
hier den Anstoß gegeben, es doch zu wagen und sich
auf eine parfümierte Duftreise zu begeben.

Zu Beginn des Filmes wird die Vergangenheit des
zukünftigen Frauenmörders Jean-Baptiste Grenouille
erzählt. Als Baby im Stich gelassen, nur knapp einem
Mordversuch entkommen, als Waisenkind aufgewachsen
und später als Sklave verkauft. Schnell wird
deutlich, wie arm der Junge dran ist und warum er
sich so auf seinen außerordentlich ausgeprägten Sinn
für Gerüche und Düfte beschränkte. Dieser Sinn
bleibt das einzige, was er in dieser großen weiten
Welt besitzt. Weder Verwandte, noch Freunde oder
Bekannte hat er um sich herum, allein gelassen mit
seiner Gabe die sich alles andere als ein Segen
erweißt. Bis hier her begleiten wir den
Hauptdarsteller durch ein sehr intensives, kaltes
und herzloses Stückchen Leben, ein Leben mit dem
niemand tauschen möchte, und das so überzeugend in
Szenen gesetzt wird, dass man sofort mit dem
traurigen und einsamen Protagonisten mitfühlt.
Mit einer wunderschönen Soundkulisse und einer
technisch hervorragenden Inszenierung bringt man dem
Zuschauer den "Segen" der Düfte näher, die den hart
arbeitenden Sklaven Grenouille den Weg zu seinem
Parfüm-Meister (Dustin Hoffmann) ebnet. Nach etwas
Überzeugungsarbeit seiner Fähigkeiten weißt dieser
ihn in die Welt des Parfüms ein. Schnell wird für
den tüchtigen Grenouille klar, dass es seine
Bestimmung, sein einziges Ziel im Leben ist, das
perfekte Parfüm herzustellen.
Und wer duftet schon schöner als das weibliche
Geschlecht. Doch durch seine seltsame Eigenart
verspürt er nur wenig Zuneigung und keinen Erfolg
bei den Frauen. Getrieben von seinem starken
Verlangen nach dem perfekten Duft, verwandelt sich
Grenouille in einen Mörder der immer mehr Frauen auf
dem Gewissen hat. Es ist dieser Zwiespalt dieser
einzigartigen Person, die auf der einen Seite
liebevoll, nett, höflich und zuvorkommend erscheint,
durch ihren ausgeprägten Sinn für Gerüche diesen
jedoch widerfällt da sie nicht stark genug ist,
gegen ihre Gabe anzukämpfen.
Er lässt sich von
ihr verführen und somit nimmt ein mörderisches Spiel
unaufhaltsam seinen Lauf. Bei dieser grandiosen
Darstellung kann man Ben Wishaw nur gratulieren.
Seiner Fähigkeit, mit seiner ganzen Mimik, der
Ausstrahlung, ja sogar der permanent leicht
gebeugten Haltung das traurige Schicksal des
Grenouille so intensiv wiederzugeben ist es zu
verdanken, dass der Zuschauer sich sofort in die
Person hineinversetzen und sich mit ihr und ihrem
Schicksal identifizieren kann. Grenouille mordet
hinter wunderschönen altertümlichen Kulissen, die
mit viel Liebe zum Detail und mit äußerster Sorgfalt
entstanden. Egal ob Nachts in den düsteren und
kalten Gassen der Städte oder tagsüber, steht's
spielt der Film an stimmigen Sets mit faszinierender
Atmosphäre die durch die passende Filmmusik oft noch
verstärkt wird.

Positiv hervorzuheben ist noch der nette Auftritt
des alten Hasen Dustin Hoffman, der den
misstrauischen jedoch gleichermaßen gutmütigen
Parfümeur spielt. Die Leistung der restlichen
Akteuren stellt zufrieden, angesichts der
Fokussierung auf Grenouille aber verständlich, dass
diese keine Bäume ausreißen müssen. Doch auch wenn
die Kulissen und Kostüme schön anzusehen sind und
die Entwicklung des Grenouille fantastisch gefilmt
wurde, vermisst man leider all zu oft die spannenden
Momente. Zu geradlinig erscheint die Erzählweise, zu
wenig Abwechslung wird geboten. Erst zum Ende hin
nimmt der stellenweise langatmige Film wieder etwas
Fahrt auf und präsentiert ein ungewöhnliches Finale,
im positiven Sinne.
Fazit:
"Das Parfüm" ist ein optisch schöner Mix aus
mittelalterlichem Drama und Thriller mit einem
bravourös aufspielenden Ben Wishaw und vorzüglichen
Kulissen. Abzüge gibt es aufgrund einer Großzahl an
langatmigen Szenen und der zu selten aufkeimenden
Spannung.
9 / 10
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