Story:
Als eines Morgens eine gut besuchte New Yorker U-Bahn überfallen und die
Insassen als Geiseln genommen werden, ist der schüchterne Bahnkoordinator Walter
Garber (Denzel Washington) plötzlich gezwungen, als geschickter Zwischenhändler
um Menschenleben zu feilschen. Im Gespräch mit dem skrupellosen Anführer der
Bande (John Travolta) rennt ihm dabei die Zeit davon, denn dieser gibt ihm nur
eine Stunde...
regie :
tony scott
cast :
denzel washington, john travolta
kritik :
christian mester
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Kritik:
Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 ist
das aufgepeppte Remake des alten Walter Matthau Thrillers "Stoppt die Todesfahrt
der U-Bahn 123", der 1974 für reichlich Spannung sorgen konnte. Ob sich das
Nachlösen des Tickets aber lohnt?
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"Ey, Leute... gebt mir mal 'n Beat."
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Dass Ridley Scotts Bruder Tony
Scott sich im Genre des Thrillers auskennt, braucht er wohl keinem mehr zu
beweisen. Von ihm stammen Klassiker wie Crimson Tide, The Fan, Spy Game,
Staatsfeind Nr. 1 und Mann unter Feuer, die man heute fraglos mit zu den Besten
ihres Fachs zählen kann. Sein Neuester vermag damit zwar nicht ganz mitzuhalten, ist
aber dennoch diee Fahrt wert.
Dass der Film unterhaltsam ist, liegt in erster Linie am vortrefflichen Mit- und
Gegeneinander der beiden Hauptakteure, die sich - zwar in gewohnten, dafür
jedoch sehr passenden Rollenmustern - gegenseitig das Wasser reichen und
nahezu im Alleingang die gesamte Laufzeit des Films stemmen. Trotz
teurer Umsetzung könnte man sich ihr kleines Wortduell sogar als perfides Theaterstück
vorstellen, in dem sie wohl vergleichbar gut fesseln könnten.
Dabei kommt ihnen auch das aufpolierte Script der Neuauflage zu Gute. Verglichen
mit dem Original entwickelt sich die Geschichte ein klein wenig anders, und
sowohl Garber als auch Bösewicht Ryder entwickeln sich im Progress der
Geschichte auf recht interessante Weise. Nach und nach zeigen sich immer tiefere
Facetten ihrer Persönlichkeiten, die Travolta und Washington souverän und
abgebrüht umzusetzen wissen.
Die Story an sich ist relativ straight und baut hauptsächlich auf der Spannung
über das Überleben der Geiseln, sowie über die Spurenfindung der Guten aus. Während sich
die Zeit der gesetzten Vorgabe nähert, wird es also haarig, während die
immer neuen Indizien fesselnd mitraten lassen. Wer sich durch die Grundlage des
Raubes allerdings Hoffnung auf große Wendungen und geniale Coups ala Ocean's 11,
The Heist, The Score oder Inside Man macht, lässt diese mal besser zuhaus. Dieser
Überfall will zwar unterhalten, das aber, ohne irgendwelche Tricks aus dem Ärmel
schütteln zu müssen.
Weil Scott aber fast völlig ohne
Twists arbeitet, liegt das Hauptaugenmerk hier mehr auf dem Verlauf als auf die
Auflösung, was es für ihn schwieriger macht. Während Travolta und Washington beide
überdurchschnittlich gut sind, ist es leider nicht der Fall das ihr Spiel ausreicht,
um alles andere zu übertünchen.
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"Guzman, jetzt nimm den Hut ab, und nein
verdammt, du
hast keinen Gittes-Vibe."
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Beispielsweise versucht Scott gegen Ende des Films auf einmal Action in die
dynamische, aber ruhige Geschichte einzubringen, was hinsichtlich des Hintergrunds unsinnig erscheint -
die Bösen sitzen nun einmal unter der Erde abgeschottet in einem Tunnel, was
tätliche Übergriffe konsequent einschränkt. Stattdessen wird also aus einer
simplen Autofahrt des Geldboten ein cineastisches Tata gemacht, was aber
keineswegs greifen will. Wenn es für die Akteure dann später tatsächlich an die
Oberfläche geht, verfehlt Scott seine einzige Chance und vermag es nicht, seinen
Film auf der selben starken Note enden zu lassen, auf der er zwei Stunden vorher
noch begann.
Die Randfiguren machen ihren Job ordentlich, mehr allerdings auch nicht. So wie
Jodie Foster und Willem Dafoe schon sinnlos in Inside Man verheizt wurden,
tauchen hier James Gandolfini und John Turturro in kleinen Nebenspots auf, in denen sie
nichts wirklich machen können. Kurios: sowohl Agent Simmons als auch Shia
LaBeoufs nervend nerviger Zimmernachbar aus Transformers 2 tauchen auf, wobei
John Turturro sogar zufällig erneut einen Spezialbeamten mimt (dieses Mal jedoch
zum Glück, ohne sich auszuziehen oder unter gigantischen Metallhoden her zu
klettern).
Dafür, dass es eigentlich viele Figuren gibt - Ryders Compadres, die Geiseln,
die Cops und das restliche Zugpersonal, ist es schade, dass niemand davon dazu beiträgt, den Film zu etwas wirklich Besonderem zu machen.
Sowohl die Gangster als auch fast jeder andere wirkt leer und gesichtlos,
austauschbar. Statisten, die überdurchschnittlich lange im Bild sind.
Kläglich scheitert auch der Versuch, das Remake auf die Höhe der Zeit zu bringen. Das
Einbauen von Sprüchen wie "Hey, er hat dich gegoogelt", Google-Suche zur
Info-Findung und eine verhunzte (und unglaubwürdige) Webcam-Liebesgeschichte lassen Pelham stets
für Sekunden straucheln, auch wenn es niemals wirklich den Unsinn anderer
aktueller Sommerfilme erlangt.
Seltsam ist eine der prägnantesten Szenen des Films, die schon im Trailer
mit einer besonders wichtigen Note versehen wurde: Walters Frau bittet ihn, vier
Packungen Milch mitzubringen. Obwohl sie gerade zuvor erfahren hat, dass er
todesmutig zu den Terroristen vorstoßen und somit den Tag eventuell nicht überleben
wird. Garber fragt nach, wieso er denn ausgerechnet vier Packungen holen soll - ein
Codewort? Eine Warnung, eine versteckte Nachricht? Was es auch sein sollte, es
scheint so, als habe jemand entweder beim Script oder aber im Schnitt gehörig
gepennt. Hoffentlich kommentiert Scott dies im obligatorischen Audiokommentar.
Technisch ist Scotts Thriller natürlich gewohnte Oberklasse: farbenstarke
Bilder, dynamische Kameraarbeit und erstklassige Beleuchtung machen Pelham zu
einem fraglos schicken Film - zum Glück gehört das Epilepsie provozierende wilde
Zeitlupen-Kameraschwenken und der leidig anstrengende Stakkatoschnitt seiner
Vorherigen Filme jetzt so langsam wieder der Vergangenheit an.
Fazit:
Travolta und Washington liefern sich hier ein packendes Duell, das erstklassig und
zur Abwechslung zu anderen Sommerfilmen mal eher straight eingefangen wird.
Einzig das Fehlen von echten Überraschungen und das Missen eines größeren Showdowns
lassen zu wünschen übrig. Solide Oberklasse.
7 / 10
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