home  |  vorschau  |  kritiken  |  gewinnspiele  |  drehbücher  |  impressum  |  links  |  chat  |  forum


 

KRITIK:
PERCY JACKSON:
 DIEBE IM OLYMP


von Christian Mester

PERCY JACKSON: DIEBE IM OLYMP (2010)
Regie: Chris Columbus
Cast: Logan Lerman, Brandon T. Jackson, Uma Thurman

Story:
Percy Jackson (Logan Lerman) traut seinen Augen nicht, als seine Englischlehrerin sich eines Tages in eine fauchende Furie verwandelt. Gerettet von seinem besten Freund Grover (Brandon T. Jackson), der sich ihm sodann als bizarrer Ziegenmensch offenbart, muss Percy erkennen, dass er Perseus ist – der Sohn eines Gottes. In einem großen Abenteuer darf sich fortan mit dem Minotaurus, der Medusa, der Hydra und dem Herren der Unterwelt anlegen, da der erzürnte Zeus ihm vorhält, seinen Superblitz gestohlen zu haben...

Brandon T. Jackson (Grover) ist 26, Logan Lerman (Percy) 18,
Alexandra Daddario (Annabeth) 24

Kritik:
Seit dem großen Erfolg der „Harry Potter“-Verfilmungen (Kritik) streben Filmstudios danach, auch andere Buchreihen ins Kino zu holen. Buchreihen, die sich primär an jüngere Leser richten, bereits einen großen Bekanntheitsgrad genießen, sich inhaltlich sichtlich von besagter Zauberreihe unterscheiden und vor allem eines bieten: Material für viele Fortsetzungen. Das Interesse ist offensichtlich – hat ein Franchise erst einmal Fuß gefasst, sind alle weiteren Kapitel eine sichere Bank. Leider ist es so, dass abgesehen von Stephenie Meyers „Twilight“-Serie (Kritik Teil 1, 2) kein einziger Versuch ausreichenden Erfolg fand.

„Eragon: Das Vermächtnis der Drachenreiter“, „Der goldene Kompass“, „Tintenherz“, „Mitternachtszirkus: Willkommen in der Welt der Vampire“ und „Die Geheimnisse der Spiderwicks“ enttäuschten, selbst die gewaltige Bestsellerreihe „Die Chroniken von Narnia“ (Kritik Teil 2) strauchelte nach ihrem zweiten Film (spielte nur noch die Hälfte des Ersten ein, ein Dritter ist in der Mache, das allerdings mit deutlich reduziertem Budget). Der nächste Versuch ist nun der Fantasy-Abriss „Percy Jackson: Diebe im Olymp“, eine amerikanisierte Jugend-Actionreihe mit Motiven der griechischen Mythologie, die es bereits auf vier Nachfolgeromane bringen konnte und seit über 130 Wochen in der Bestsellerliste der New York Times zu finden ist. Kaliber wie Pierce Brosnan, Kevin McKidd, Rosario Dawson, Catherine Keener und Sean Bean schrieben sich für den Film ein, 100 Millionen Dollar Budget standen zur Verfügung und Regie übernahm der Macher der ersten beiden "Potter"-Filme. Potential?

Hades,
ja, der Hades (Steve Coogan)

Die Idee des Ganzen ist hervorragend. Es lässt sich nicht absprechen, dass es clever ist, die zeitlos faszinierenden Göttersagen im neuen Gewand einer heutzutage ohnehin lesefaulen, neuen Generation zu präsentieren. Ganz gleich, ob man eine tiefer gehende, ernstzunehmende Geschichte finden mag; sobald Kreaturen wie der Minotaurus oder die Hydra auftauchen, sobald Männer Monster bezwingen, darf man erwarten, dass das Ergebnis unterhaltsame Schauwerte beinhaltet. In diesem Fall ist es allerdings kein Mann, der die Medusa (Uma Thurman) besiegt, sondern ein junger Teenager, der naiv, unreif und schön familiengerecht unblutig zur Sache geht. Ein 15jähriger, der die legendäre Sagengestalt – die modern in Lederjacke und mit Sonnenbrille auftaucht - mit einem Apple iPhone überlistet.

Dieser eine Einblick spricht bereits für den gesamten restlichen Film. Das Grundelement der griechischen Sagenwelt wird nur oberflächlich genutzt, sogar verfälscht (im Film ist Perseus beispielsweise der Sohn von Poseidon, obwohl er laut Sage Kind von Zeus ist, die Unterwelt – schon fast eigensatirisch in Nähe der Hollywood-Buchstaben gelegen – eine lavaströmende Hölle) sämtlichen Gottgestalten und Erwachsenen tauchen nur am Rande auf, stattdessen versucht man forciert, das gesamte Geschehen auf cool und jugendorientiert zu trimmen. Halbgötter spielen Videospiele, im göttlichen Trainingslager spielt man Live-Action Capture the Flag und ein zu Lady Gaga tanzender Ziegenboy ruft seinen Schützling stets mit „Yo, Perce!“, um ständig zu untermauern, dass er nicht bloß ein langweiliger Freund, sondern sein Bro ist. Ohne die grundlegenden Bücher zu verurteilen (Nachtrag: wie es aussieht, unterscheidet sich der Film doch sehr vom Buch, zwar ist der Romaninhalt weniger debil, dafür sind die Helden erst 12), macht es den Eindruck, als habe jemand ein paar Wikipedia-Einträge über Zeus und so überflogen und kurz überlegt, auf welche coolen Sachen die Jugend wohl gerade abfährt.

So krude und platt die gekünstelte Modernisierung wirkt, so gehastet und oberflächlich wirken auch Story und Figuren. Das Trio Logan Lerman (der Gamer aus „Gamer“, Kritik), Brandon T. Jackson (Alpa Chino aus „Tropic Thunder“, Kritik) und Alexandra Daddario geben sich allerhand Mühe und sind nicht schlecht und man folgt ihnen gern, andererseits aber auch nie wirklich bemerkenswert. Ihre Dialoge sind banal, der Handlungsverlauf beschränkt bis behämmert, achtet man dann noch auf Details (der „Teufel“ Hades hat eine Gitarre neben seinem Thron, ein Zentaur versteckt seinen Pferdeleib in einem Rollstuhl), darf man des öfteren gleichgültig mit den Schultern zucken. Was dem Film vollkommen misslingt, ist der Versuch, in irgendeiner Form Spannung, Dramatik und Gefühle aufzubauen.

Da das Geschehen stets platt bleibt und auch vermeintliche Tode von innig geliebten Familienmitgliedern keine Reaktion der Hauptdarsteller hervorrufen, bleiben Intensität, Atmosphäre und ein Hineinfinden in Jacksons Abenteuer unerreichbar. Eine Schande, die man so leicht hätte vermeiden können. Man kann nur um Helden bangen, die einem sympathisch sind – dass sie den Song Pokerface mögen, reicht da nicht. Wenn es um einen drohenden Weltkampf der Götter geht, bei dem Myriaden an Menschen sterben könnten und es somit kritisch ist, muss das beim Publikum ankommen. Wenn man als Normalsterblicher plötzlich vom eigentlich fiktiven Minotaurus gejagt wird, darf man das nicht regungslos hinnehmen (nun gut, an dieser Stelle ließe sich argumentieren, dass Logan Lerman sich sein Gegenüber beim Dreh nur vorstellen konnte, da der Menschenstier später erst per Computer dazu kam, aber das ist prinzipiell Herausforderung eines guten Akteurs: fiktives Geschehen zu vermitteln, sich so in eine Rolle hinein zu versetzen, dass man sich als Zuschauer wiederum in seine Rolle hinein versetzen kann). Es ließe sich sicherlich sagen, dass „Percy Jackson“ ohnehin „nur“ für junge Teenager sei und demnach nicht viel bieten müsse, doch selbst ein „High School Musical“ bringt höheren Enthusiasmus und eine höhere Disziplin mit
.  


Filmerisch ist das Sagensouvlaki zumindest relativ unterhaltsam umgesetzt. Man hält sich nie lange mit handlungsarmen Szenen auf, eine aufgesetzte Love-Story spart man sich nahezu komplett und selbst die dümmlichsten Szenen sind immer dynamisch unterhaltsam in Szene gesetzt (oder, will man es anders formulieren, schnell vorrüber). Effekttechnisch gibt es ein nur einen halben Daumen hoch, da die Computerherkunft sämtlicher Schöpfungen oftmals unfertig aussieht und nie authentisch und echt wirkt. Umas Schlangenkopf, der Minotaur, die Hydra, Höllenhunde, Zentauren, Ziegenmenschen, überdimensionale Götter, alles ist im Rahmen, von glaubhaft oder überzeugend jedoch olympisch weit entfernt.

Wird Perseus Jackson eine strahlende Zukunft haben? Schwer zu sagen, noch ist der Film der erfolgreichste des Jahres, allerdings ist bislang auch noch kein wirklicher Blockbuster angelaufen. Die Serie hat definitiv Potential, nur wurde es bei diesem ersten Teil nur dürftig genutzt. Die Jackson Three sind eine nur mäßige Heldentruppe, das Endgeschehen resultiert in keinerlei Verlangen, weitere Abenteuer zu sehen – es gibt keinen Cliffhanger, keine Überleitung zu weiteren Kapiteln und überhaupt fragt man sich, wieso Supergott Zeus besagten Hänfling nicht selbst eben fragt, wo sein Superblitz ist (überhaupt ist es fragwürdig, dass ein Knirps dem größten Obergott die größte Waffe stehlen kann). Inhaltlich größtenteils dämlich, visuell akzeptabel ist „Percy Jackson: Diebe im Olymp“ am Ende kein Highlight, kein Toptitel, aber auch kein Debakel. Die kleineren Auftritte der markanten Stars, die schnellen Szenerienwechsel und Chris Columbus’ moderate Regie bewahren ihn vor Schlimmerem.

Fazit:
Perseufz Jacksons cineastisches Abenteuer ist eine hinreichend ordentliche Gyros Pita, in dessen Brothälften sich reichlich Sauerkraut und Tzatziki, jedoch auffallend wenig Fleisch verbirgt. Ouzo trauriger, das man die vorstellbaren Möglichkeiten nicht nutzt und sich unproduktiv und platt aufs Pantheon stürzt. „Passt schon“ reicht nicht immer.

4 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


Das Copyright der genannten Markennamen und genutzten Promotionsmaterialien
liegt bei den entsprechenden Besitzern. Texte und nicht-promotionalen Bilder
Copyright bereitsgesehen.de
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websiten verantwortlich.