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Kritik:
Irrgarten der Leidenschaft


von Christian Westhus

The Pleasure Garden
(1922)
Regie: Alfred Hitchcock
Darsteller: Virginia Valli, Miles Mander

Story:
Tänzerin Patsy verhilft der jungen Jill zu einer Anstellung im Revue-Theater. Während Patsy den Soldaten Levett heiratet, kommt Jill mit Hugh, einem Freund Levetts, zusammen. Als die Männer zu Kolonialarbeiten aufbrechen ist Jill bereits ein Star und der Erfolg steigt ihr zu Kopf. Doch auch Patsys Leben macht Wendungen durch.

Kritik:
„The Pleasure Garden“ ist ein Stummfilm, der nur im Ansatz das Potential seines Regisseurs, dem dieses Regie-Debüt eher zufällig in die Hände fiel, andeutet. Alfred Hitchcock arbeitete als Zeichner, Drehbuchautor und Regieassistent und dachte nach eigener Aussage gar nicht darüber nach, Regie zu führen. Heute ist sein Debüt größtenteils nur noch aus filmhistorischer oder nostalgischer Sicht relevant.

Hitch lernte in Deutschland und Russland, das Büro der Filmproduktionsfirma wurde von Amerikanern geführt und somit wirkte das Schaffen der drei führenden Filmnationen der 20er mit aller Macht auf den späteren Meisterregisseur. „The Pleasure Garden“ wirkt insgesamt allerdings noch etwas ungelenk und nicht immer ganz glücklich erzählt, was teilweise sicherlich auch an den geringen Mitteln der britischen Filmproduktion lag, die sich hier etwas bei Deutschland einhakte. Wirklich stark ist da zunächst nur der Beginn, wenn Hitchcock mit Perspektiven und visuellen Ideen, Tanz und Voyeurismus verbindet.

Lohnend ist letztendlich die Geschichte selbst, die mit geschickt überkreuzten Paarkonstellationen und interessanten Figuren durchaus fesseln kann. Hitchcock streut eine für damalige Verhältnisse erstaunlich deutliche Erotik mit ein und kümmert sich schon um so Themen wie sexualisierte Gewalt von Männern an Frauen. Ein späteres Hauptthema des Meisters. Jill nutzt ihre Reize, um sich in höheren Kreisen zu etablieren, vergisst Patsys frühere Hilfe, vergisst ihren Verlobten und vergisst vor allem wo sie her kommt. Patsy selbst ist so beschäftigt damit, Jill zu warnen und zu kritisieren, dass sie eigene Probleme übersieht. Auch wenn Stummfilmdarstellerinnen der 1920er häufig sehr ähnlich aussehen, können die Darstellerinnen durchaus überzeugen, immerhin war Virginia Valli auch so etwas wie ein Star. Manche Dialogszene – über Texttafeln, versteht sich – wirkt aber trotz hübscher Mondgesichter etwas steif.

Mit dem Schauplatzwechsel in die Tropenregion, wechselt auch das Genre. Das Gesellschafts-drama wird zum Psychothriller. Das macht auch den etwas zähen Mittelteil (schon beachtlich bei insgesamt gerade mal 75 Minuten Lauflänge) vergessen. Mit etwas Exotik, die zwiespältig wirken kann, aber nicht muss, kümmert man sich mehr um die beiden Männer, wobei die Psychologie durchaus gelungen ist. Eine Mordszene ist wahrlich glänzend inszeniert und die Wahnsinnsszenen in der Hütte können auch überzeugen. Trotz der Kirmesmusik, die – ob Original oder nicht – pausenlos den ruckelig geschnittenen Film begleitet.

Fazit:
Das Hitchcock-Debüt ist noch kein Meisterwerk und lohnt sich heute kaum noch für den reinen Filmgenuss, ist aber sicherlich auch nicht schlecht. Ein paar gute Szenen gibt es nämlich und die Geschichte an sich ist auch interessant genug, um mal einen Blick zu riskieren.

5,5 / 10 

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