Story:
Tänzerin Patsy verhilft der jungen Jill zu einer Anstellung im Revue-Theater.
Während Patsy den Soldaten Levett heiratet, kommt Jill mit Hugh, einem Freund
Levetts, zusammen. Als die Männer zu Kolonialarbeiten aufbrechen ist Jill
bereits ein Star und der Erfolg steigt ihr zu Kopf. Doch auch Patsys Leben macht
Wendungen durch.
regie :
alfred hitchcock
cast :
virginia valli, carmelita geraghty, john stuart
kritik :
christian westhus
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Kritik:
„The Pleasure Garden“ ist ein Stummfilm,
der nur im Ansatz das Potential seines Regisseurs, dem dieses Regie-Debüt eher
zufällig in die Hände fiel, andeutet. Alfred Hitchcock arbeitete als Zeichner,
Drehbuchautor und Regieassistent und dachte nach eigener Aussage gar nicht
darüber nach, Regie zu führen. Heute ist sein Debüt größtenteils nur noch aus
filmhistorischer oder nostalgischer Sicht relevant.
Hitch lernte in Deutschland und Russland, das Büro der Filmproduktionsfirma
wurde von Amerikanern geführt und somit wirkte das Schaffen der drei führenden
Filmnationen der 20er mit aller Macht auf den späteren Meisterregisseur. „The
Pleasure Garden“ wirkt insgesamt allerdings noch etwas ungelenk und nicht immer
ganz glücklich erzählt, was teilweise sicherlich auch an den geringen Mitteln
der britischen Filmproduktion lag, die sich hier etwas bei Deutschland einhakte.
Wirklich stark ist da zunächst nur der Beginn, wenn Hitchcock mit Perspektiven
und visuellen Ideen, Tanz und Voyeurismus verbindet.
Lohnend ist letztendlich die Geschichte selbst, die mit geschickt überkreuzten
Paarkonstellationen und interessanten Figuren durchaus fesseln kann. Hitchcock
streut eine für damalige Verhältnisse erstaunlich deutliche Erotik mit ein und
kümmert sich schon um so Themen wie sexualisierte Gewalt von Männern an Frauen.
Ein späteres Hauptthema des Meisters. Jill nutzt ihre Reize, um sich in höheren
Kreisen zu etablieren, vergisst Patsys frühere Hilfe, vergisst ihren Verlobten
und vergisst vor allem wo sie her kommt. Patsy selbst ist so beschäftigt damit,
Jill zu warnen und zu kritisieren, dass sie eigene Probleme übersieht. Auch wenn
Stummfilmdarstellerinnen der 1920er häufig sehr ähnlich aussehen, können die
Darstellerinnen durchaus überzeugen, immerhin war Virginia Valli auch so etwas
wie ein Star. Manche Dialogszene – über Texttafeln, versteht sich – wirkt aber
trotz hübscher Mondgesichter etwas steif.
Mit dem Schauplatzwechsel in die Tropenregion, wechselt auch das Genre. Das
Gesellschaftsdrama wird zum Psychothriller. Das macht auch den etwas zähen
Mittelteil (schon beachtlich bei insgesamt gerade mal 75 Minuten Lauflänge)
vergessen. Mit etwas Exotik, die zwiespältig wirken kann, aber nicht muss,
kümmert man sich mehr um die beiden Männer, wobei die Psychologie durchaus
gelungen ist. Eine Mordszene ist wahrlich glänzend inszeniert und die
Wahnsinnsszenen in der Hütte können auch überzeugen. Trotz der Kirmesmusik, die
– ob Original oder nicht – pausenlos den ruckelig geschnittenen Film begleitet.
Fazit:
Das Hitchcock-Debüt ist noch kein Meisterwerk und lohnt sich heute kaum noch für
den reinen Filmgenuss, ist aber sicherlich auch nicht schlecht. Ein paar gute
Szenen gibt es nämlich und die Geschichte an sich ist auch interessant genug, um
mal einen Blick zu riskieren.
5,5 / 10
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