Kritik:
Mr. Poppers Pinguine
von
Christian Westhus
Mr. Poppers Pinguine
(2011)
Regie: Mark Waters
Cast: Jim Carrey, Carla Gugino u.a.
Story:
Tom Popper ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und lebt nur
für den Job. Persönliche Bindungen handhabt er
oberflächlich, bisweilen kalt und ordnet sie dem beruflichen
Erfolg unter. Kein Wunder also, dass er von seiner Frau getrennt lebt
und die Kinder nur selten sieht, bei denen sein Ansehen auch sonst
nicht so hoch ist. Alles ändert sich, als Popper von seinem
lange abwesenden Vater sechs lebendige Pinguine zugeschickt bekommt, um
die er sich kümmern soll.
Kritik:
Poppers Pinguine
platzen ins Multiplex. Das potentielle Publikum darf sich auf potente
und putzmuntere Familienunterhaltung einstellen, die es sicherlich
schon häufig besser und origineller, aber auch schon
schlechter gab. Basierend auf dem 1938er Kinderbuch von Richard und
Florence Atwater ist der relativ frei adaptierte Film ganz auf seinen
Star Jim Carrey und seine tierischen Sidekicks zugeschnitten, die
zwischen Slapstick, turbulentem Chaos und Furzwitzen die
familiären Grundthemen präsentieren. Originell geht
wirklich anders. Weil klein Popper von Daddy-Popper allein gelassen
wurde, herrscht natürlich knatschige Stimmung. Als Erwachsener
ist Popper ganz logisch zum gefühlskalten… na ja,
zumindest gefühlsunterkühlten Karrieretypen geworden,
der kurz vor der entscheidenden Beförderung steht und deswegen
Angela Lansbury ihr nostalgieträchtiges Restaurant abschwatzen
soll. Wie und warum genau der egozentrische Workaholik Popper
zwischendurch noch eine Familie gründen konnte (wollte) und 15
Jahre mit seiner Frau (Carla Gugino, immerhin) zusammen blieb, ist
verwunderlich und nicht relevant. Die Familie ist da, aber zurzeit noch
störende Pflichtaufgabe neben dem eigentlichen Lebensinhalt
Beruf. Die schwerst pubertierende Tochter hat den Glauben an Daddys
Aufrichtigkeit eh schon beinahe verloren und der jüngere Sohn
klammert sich an ein paar sportliche Erlebnisse mit dem alten Herrn,
während Gugino den gesamten Film über eh nur das
Beste für ihre Liebsten will.
Die
Sachlage ist klar und mit wehenden Fahnen präsentiert der Film
seine Moral und seine familiären Statements, die
natürlich auch schon von vornherein klar sind, weil es
letztendlich immer darum geht, dass die Familie das wichtigste im Leben
sein sollte und das familiärer Zusammenhalt ein
erstrebenswertes Ziel ist. Warum auch nicht? Dafür stehen dann
auch Frau und Kinder, sowie Lansbury, die ihr Restaurant nur an
jemanden verkaufen will, dem Tradition und Familiensinn liegt. Dem
gegenüber stehen die Antithesen, die Anzugträger mit
dem Dollar-Zeichen im geifernden Blick. Die grauen Lamas der
Führungsetage setzen Popper auf den kniffligen Lansbury-Fall
an, wähnen sich siegessicher und wissen nicht, dass Popper
Senior seinem Filius eine mehrdeutig eindeutige Botschaft zukommen
lässt. Und die tierischen Möchtegern-Vögel
und Quasi-Frackträger bringen Poppers Plan und Position in
Leben und Beruf gehörig durcheinander. In einer durchaus
gelungenen Mischung aus trainierten Echttieren und Computeranimation
wuseln die platschenden Pinguine pausenlos durchs Popper’sche
Apartment, veranstalten einen Höllenlärm,
hinterlassen Dreck und Chaos, und verstoßen ganz nebenbei
noch gegen die „Keine Haustiere“ Auflage in der
Edelwohnanlage. Dass die Kids – Poppers, wie auch die im
Publikum – auf die lässigen Nichtflieger abfliegen,
ist nur nachvollziehbar, sind es doch knuffige Kumpanen, deren
lärmendes und furzendes Wesen hier und da etwas zu penetrant
in den vermeintlich humoristischen Vordergrund gerückt wird,
die aber dennoch für gute Laune sorgen.
Urplötzlich ist Daddy
Popper der Held von Welt, bringt seine eigene Familie mit der
Pinguinfamilie wieder näher an sich und lässt sich
ziemlich schnell von menschlicher und tierischer Wärme
einlullen, um darüber die Konzentration für den ach
so geliebten Job und den Lansbury-Auftrag zu verlieren. Das Drehbuch
konstruiert sich nun einen Wolf, um Humor, Familiensentiment und
kurzzeitige Bedrohungen abwechslungsreich zusammen zu fügen.
Dabei müssen wir ignorieren – oder brummend zur
Kenntnis nehmen – dass das Meiste hier Mittel zum Zweck ist.
Die Überflutung der Wohnung, die frostige Umgestaltung
selbiger, die Spaziergänge in der Außenwelt
– alles verläuft familienfilmgetreu ohne
größere Konsequenzen. Weil aus der Job/Lansbury
Handlung nicht viel Tempo oder Bedrohung herauszuholen ist und weil die
Sache mit dem Vermieter relativ nutz- und witzlos verläuft,
muss noch ein Element her. Genau genommen gleich zwei Elemente:
Zoowärter Clark Gregg will die sechs Pingus einsacken, was
natürlich nicht passieren darf, weil Popper ein
väterliches Ehrenwortversprechen abgegeben hat. Knifflige
Geschichte, die im letzten Drittel für den nötigen
Schub an Aufregung und Dynamik sorgt, nachdem man Element zwei, den
emotionalen Rückfall, überstanden hat. Ein Film,
komplett nach Schema F, zusammengewürfelt mit bekannten
Versatzstücken und der immergleichen Erkenntnis.
Immerhin geht es durchweg flott
und schnittig vorwärts, aber wirklich zusammen gehalten wird
der Film in erster Linie von Jim Carrey, der hier aber eigentlich auch
nur eine routinierte Standardleistung abliefert. In Interaktion mit den
Pinguinen gibt es – neben manch Fehlzündung
– durchaus ein paar charmante und harmlos-witzige Momente.
Und wenn gar nichts mehr hilft, bricht Carrey auch mal
gänzlich aus der Rolle aus und schiebt eine kurze
Grimassen-Szene ein, die eigentlich nicht wirklich zu Popper passt,
aber ganz amüsant ist. Die beiden Kids und Gugino sind das
Sonnenscheinzentrum und funktionieren als solches ganz gut, ohne
irgendwie tiefgreifender und charakterlich weitreichender zu werden.
Die Schurken sind klar und präsent, und als pointierte
Heiterkeitsparade gibt es die hinreißende Ophelia Lovibond
als Pippi, Poppers persönliche und stets apart gekleidete
Assistentin, die mit possierlichem P-Problem permanent pfiffige Phrasen
präsentiert. Schade nur, dass man ihre Figur, bzw. ihren
Wortwitz am Ende etwas zu schmalzig aufgreift. Schmalz – um
schlimmste Befürchtungen abzuwenden – ist
genregetreu natürlich zu erwarten, aber der geneigte Fan
ähnlicher Filme ist da Aufdringlicheres gewohnt. Poppers
Pinguine können kurzweilig unterhaltsam sein und halbwegs
nette Zeit im Kino bieten. Luft nach oben gibt es aber reichlich.
Fazit:
Formelhaft, vorhersehbar konstruiert und ohne wirklich neue
Einfälle, dazu die altbekannten Themen und Familienthesen. Wem das
egal ist, kann mit einem routiniert-engagierten Carrey, nettem
Pinguin-Schabernack und einigen sympathischen Momenten durchaus
Spaß am Film haben.
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