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Harry Potter und
der Halbblut-Prinz


Kritik von Christian Mester

Harry Potter and the Half-Blood Prince (2009)
Regie: David Yates
Cast: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint

Story:
Neues Jahr, neues Abenteuer. Im Kurse eines neuen Zauberers findet Harry dieses Mal das Spruchbuch eines gewissen Halbblut-Prinzen, das scheinbar von Voldemort selbst stammt. Von Dumbledore geschickt, versucht er fortan, hinter das Geheimnis zu kommen...

...

Kritik:
Da die letzten drei Teile allesamt klasse waren, konnte man eigentlich nur davon ausgehen, dass der sechste vergleichbar gleich gut werden würde. Weit gefehlt, denn Harrys sechster fühlt sich fast so an wie Steven Seagals DVD-Filme.

Natürlich nicht qualitativ, wie gewohnt ist in der Hinsicht alles bestens und technisch auf höchstem Maß, aber inhaltlich entpuppt sich der vorvorletzte Teil der Serie als relativ leeres Nichts, als leerer Lückenfüller und Strecker. Abgesehen vom Showdown passiert nämlich nichts wirklich greifbar Wichtiges, und der Weg dahin ist mit derart viel Irrelevanz gefüllt, dass man sich mit hängenden Schultern an den zweiten der Reihe erinnert fühlt. In den DVD-Seagals interessiert man sich bekanntlich nicht wirklich für die Handlung; man wartet auf Ausreden, damit der dicke Aikido-Panda bloß zeigen kann, wofür er ursprünglich mal berühmt war: für seine offenbar beeindruckende Kampfkunst. Den Rest akzeptiert man.

Bei Potter ist das anders herum: es ist natürlich lustig zu sehen, wie Ron und Hermine halbverliebt pubertär herumstammeln, in den letzten drei Teilen war Geplänkel wie dieses aber eigentlich nur Randelement einer guten und ernsten Handlung; drei hatte die spannende Zeitreise und Sirius, vier das großartige Turnier, fünf das Aufstellen der Verteidiger und den Überfall der Bösen. Sechs? Nun, sechs hat... einen durchaus wichtigen Abschluß, richtig. Die letzten zehn Minuten sind sicher sehr wichtig, aber die über zwei Stunden davor?

...

IWenn nach gut 90 Minuten zur Pause unterbrochen wird, fragt man sich schon, ob es denn jetzt endlich danach losgeht. Die ersten 90 Minuten sind nämlich fast ausschließlich nur leeres Gewusel, in dem es hauptsächlich ums Verliebtsein der Figuren geht. Das jedoch will überhaupt nicht funktionieren, da die Konstellationen vollkommen schwach ausgelegt sind. Beispielsweise heißt es im Film, Potter sei groß in Ginny verliebt. Das glaubt man aber nicht, da er direkt am Anfang des Films noch ein Date mit einer Kellnerin ausmacht. Ginny währenddessen ist sogar selbst vergeben, weswegen ein urplötzliches Aufeinandertreffen mit Kuss später mitten aus dem Nichts und ziemlich unglaubwürdig daher kommt.

Ähnlich sieht es zwischen Ron und Hermine aus. Ron findet eine Freundin, was die heimlich in ihn verliebte Hermine verständlicherweise nicht allzu spitze findet - eine spätere Offenbahrung ihrerseits bleibt aber haltlos, da die zwei ganz am Ende des Films wieder da sind, wo sie auch vorher waren. Das gleiche trifft auch auf Harry zu, der am Schluss immer noch nicht mit Ginny zusammen ist. Dass dieser ganze Quark den Großteil des Films einnimmt und am Ende ohne Abschluss bleibt, lässt eine ziemliche Leere zurück. Dazu kommt, dass es bis auf die Rückkehr des damals schon langweiligen Quidditch-Ballspiels keine Action gibt (ein großer Kampf am Ende wurde unverständlicherweise komplett gestrichen) und das als unfassbar tragisch bestimmte Ende überhaupt keinen Effekt hinterlässt. Das an sich ist unfassbar, denn der Tod einer der wichtigsten Figuren seit Anfang der Serie ist im Laufe des Films nicht nur sehr vorhersehbar, sondern verglichen mit dem Tod anderer Filmhelden anderer Filme völlig frei von Emotionen, was unverzeihlich ist.

Der Rest? Gewohnte Kost, wobei das Rätsel um des Halbblut-Prinzen Tagebuch nicht wirklich ziehen will. Es fehlt dieses Mal auch Unterstützung von außen, denn sorgten Oldman und Co. in den letzten Teilen für guten Support, halten sich die Erwachsenen im neuen größtenteils zurück. Jim Broadbent (Indy 4) hat näher mit den Schülern zu, hinterlässt aber keineswegs den Eindruck eines Snape, Dumble oder Bumblebee. Ob es an Yates liegt, dessen letzter Film schon viele Erwartungen unterbot? Wäre schade, denn der Mann wird auch die nächsten beiden Teile inszenieren (die allerdings definitiv actionreicher werden sollen).

Fazit:
Teil 6 der Zauberersaga wirkt bis auf sein Ende wie eine große Teenie-Schmonzette im Potter-Universum, die keine wirklichen Eindrücke hinterlassen will. Er ist ein Serienfilm für die sogenannten Shipper, die Serien und Reihen in erster Linie wegen den Beziehungen der Charaktere sehen. Würde man das Wichtigste im nächsten Teil kurz innerhalb eines Flashbacks erwähnen, könnte man sich diesen hier aber fast komplett sparen.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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