Story:
Neues Jahr, neues Abenteuer. Im Kurse eines neuen Zauberers findet Harry dieses
Mal das Spruchbuch eines gewissen Halbblut-Prinzen, das scheinbar von Voldemort
selbst stammt. Von Dumbledore geschickt, versucht er fortan, hinter das
Geheimnis zu kommen...
regie :
david yates
cast :
daniel radcliffe, rupert grint, emma watson
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Potter zum Sechsten. Das verläuft
mittlerweile so erwartungsgemäß ohne Ecken und Kanten, dass man schon mit einem
‚netten’ Film zufrieden ist. ‚Nett’ war aber auch mal der kleine Bruder von
‚beschissen’ und wenn die Halbblut-Prinz-Episode auch nicht weh tut und
insgesamt sogar einen etwas besseren Eindruck macht als „Der Orden des Phönix“,
so wird mit jedem Teil das Gefühl größer, dass man mit der ganzen Reihe
irgendwie nur notdürftig abgespeist wurde. Als Fan der Bücher eh, aber auch als
unbefangener Zuschauer.
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"Bei mir steht: Ihre wahre Liebe ist ein
Hausmeister. Namens Toxie."
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Was haben wir zusammen mit Harry
gestaunt, als wir vor acht Jahren das erste Mal Hogwarts auf der Leinwand
erblicken durften, als wir die detailverliebte visuelle Umsetzung und die
Designs bejubelten, von denen die Reihe bis heute zerrt. Und natürlich vom Namen
„Potter“. Der Rest ist mit der Zeit verflacht und auch wenn Alfonso Cuaróns „Der
Gefangene von Askaban“ wohl als der insgesamt gelungenste, weil rundeste Beitrag
gesehen werden kann, war damit der Zenit erreicht und der Eindruck gefestigt,
dass man beim irrwitzigen Sturzflug durch die größten Schauwerte und die
nötigsten Handlungsfetzen der Bücher, nur halbwegs den Eindruck zu erwecken
braucht, die Potter-Filmwelt habe sich nur so weit verändert, dass die Kids
älter und die Welt noch ernster und düsterer geworden ist.
Das ist natürlich Blödsinn und das wissen die Verantwortlichen wahrscheinlich
auch selbst, aber mit dem abgenutzten Modebegriff „düster“ peppt man das
alljährliche Potter-Festival natürlich irgendwie auf und so dachte sich David
Yates, der im Sommer 2011 seinen insgesamt vierten und damit den letzten Potter
gedreht haben wird, dass schon Teil 5. einfach nur dunkel gehalten sein muss, um
dem gerecht zu werden. Statt also Dramatik, Psychologie und Bedrohung zu
forcieren, stapfen unsere Freunde durch die immergleiche Welt in grünlichem Blau
und statt schwarz lackiertem Ministerium, bleibt hier einfach die ganze Welt in
diesem Ton. Sogar die Realwelt. Da verpufft gleich zu Beginn ein nicht weiter
erklärter Angriff von Todessern in London, weil London wie ein künstlicher
Zauberer-Ort wirkt, nicht aber wie das reale London, was sicherlich bedrohlicher
gewesen wäre. Es lebe das Zeitalter der Farbfilter, hat man sich da wohl gedacht
und einen ersten Fehler gemacht, weil die Coolness und visuelle Einheit
scheinbar wichtiger ist, als die optimale Umsetzung der Szenen.
Nach einem unsinnigen und irgendwie albern wirkenden Flirt von Harry, nimmt ihn
Dumbledore zu Beginn an sich. Und der alte Mann kalauert sich wirr was in seinen
Rauschebart, dass man sich im falschen Film wähnt. Die Blase drückt, Stricken
ist cool und simple Formen von umgekehrter Psychologie funktionieren selbst bei
hohen Zauberern. Als sei Dumbledore auf dem besten Weg senil zu werden, faselt
er lange Zeit wirres Verschwörungszeug, um dann Teenieprobleme zu beobachten und
seufzend der eigenen Jugend zu gedenken.
Man sollte ja meinen, die Figuren seien mittlerweile Selbstläufer und auch wenn
die drei Hauptdarsteller wohl allesamt keine darstellerischen Wunderkinder sind,
darf man doch ein wenig mehr erwarten. Stattdessen lernen wir wieder: Die
Pubertät ist immer noch reichlich blöde. Nach einem abermals ungeschickt
inszenierten Intermezzo im Zug, sind wir endlich in Hogwarts und da fühlen wir
uns ja eigentlich immer geborgen. Nur hat die Schule scheinbar eine Extraportion
Hormone verteilt, denn an jeder Ecke, in jedem Gang, hinter jedem Baum wird
geknutscht und gefummelt und vor Liebeskummer geschluchzt. Das wirkt so
gekünstelt und unrealistisch, dass man sich am liebsten Dolores Umbridge zurück
wünscht, die wenigstens für Ordnung sorgen würde.
Unsere drei Helden stecken in dem ganzen Liebestohuwabohu natürlich bis zur
Nasenspitze mit drin. Es ist ja halbwegs realistisch, dass sie sich nicht sofort
trauen, zu ihren Gefühlen zu stehen, aber warum sich Ron dann eine komplett
überzeichnete und nervige Lavender Brown angelt, warum Hermine vor lauter Kummer
den Arsch vom Dienst (der nicht Malfoy heißt) zu einem Dinner einlädt und warum
Harry scheinbar alles um sich herum einfach geschehen lässt, will nicht
einleuchten. Dabei gibt es ganz ordentliche Momente in Hogwarts-90210. Der Humor
ist zwar wenig subtil, aber ganz sympathisch, Hermines Vogelzauber ist halbwegs
beeindruckend und die (kurzen) Quidditch-Szenen sind dank Zeitlupe und
verbesserten Effekten die vielleicht besten der Reihe, wenn Ron auch reichlich
daneben aussieht.
Überhaupt muss der arme Ron mal wieder für die ganz albernen Momente herhalten.
Harry hat zwar auch seinen ganz eigenen Drogentrip, doch vom Liebeszauber
befallen, schäkert Ron mit dem Mond und grinst pausenlos wie ein Halbdebiler und
erntet so statt Lacher eher Kopfschütteln, welches er doch bitte den
Drehbuchautoren mitteilt. Wenig später muss er sich natürlich auch über die
Knutscherei beschweren, weil seine Lippen schon ganz spröde sind. Apropos
knutschen. Trauen sich die Verantwortlichen nicht das S-Wort zu benutzen oder
will man uns für dumm verkaufen, wenn die halbe Schule sich permanent befingert
und 17-jährige ‚knutschen’ sagen und was anderes meinen?
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"Reinhold?"
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Als Nebenhandlung zur ausufernden
Liebesproblematik, irrt Emo-Malfoy wirr durch die Gänge der Schule, hat ein,
zwei harsche Momente mit Harry – Blut! Ach du Schreck! – und benimmt sich
ansonsten so, wie man das von einem weinerlichen Neu-Todesser erwartet. Dann
natürlich Snape, der Anakin Skywalker von Hogwarts, der Ex-Todesser mit Faible
für schwarze Kleidung und etwas zu guten Kontakten mit Narcissa Malfoy und
Bellatrix Lestrange. Man hätte ein wenig vom Liebesfirlefanz straffen sollen, um
der Hintergrundhandlung mehr Spielraum zu geben, z.B. auch Bellatrix, die
eigentlich ideal besetzt und gespielt ist, dann aber nicht viel mehr zu tun hat,
als irre Blicke zu verschießen und die Weasleys zu besuchen. Die dortigen
Geschehnisse hätten emotional ein echtes Highlight werden können, sind so aber
maximal visuell überzeugend, ansonsten verschenkt.
Verschenktes Potential auch bei den anderen Nebenfiguren. Luna Lovegood könnte
eine der coolsten Figuren überhaupt sein und ist ebenfalls sehr passend besetzt,
hat sogar einen tollen Moment mit Harry bei der Ankunft in Hogwarts, muss dann
aber untertauchen. Ginny ist überraschend stark präsent, muss aber nur mit
fremden Jungen rummachen und ansonsten Potter mit größtenteils peinlichen, weil
gestelzten Aktionen auf die Pelle rücken. Hagrid ist nur der Vollständigkeit
wegen dabei und darf einen haarigen Freund verabschieden, was unnötig ausgewälzt
wird. Slughorn ist halbwegs greifbar, McGonagall darf wieder nur Einzeiler an
die Kinder verteilen, Neville verkommt zu einem Cameo und Crabbe und Goyle sind
für Malfoy wohl zu uncool geworden. Geradezu verschwenderisch kurz auch die
Auftritte von Lupin und Tonks, so dass tatsächlich Tom Riddle, in zwei
Altersinkarnationen den besten Eindruck macht, weil „The Magician formerly known
as Voldemort“ in Persona ja nicht auftaucht.
Weg vom kruden Teentralala, hin zu Angst und Schrecken und dem unheilvollen
Finale geht es reichlich plötzlich, nachdem Harrys Jagd nach der einen
Erinnerung die entscheidende Wendung nimmt und er auf Dumbledore trifft, der das
kalauern lässt und mal eben entscheidet, die gesamte Stimmung des bisherigen
Films radikal umzukrempeln. Der Besuch der „Zombiehöhle“ hat zwar
stimmungstechnisch auch noch Luft nach oben, ist aber spannend und ganz nett
visualisiert. Dumbledore erinnert hier zwar mehr und mehr an Gandalf, doch die
ganze Sequenz geht in Ordnung und das Finale in Hogwarts kann sich auch
einigermaßen sehen lassen. Alle anderen Figuren rücken im letzten Akt arg in den
Hintergrund und als sie wieder auftauchen, ist schon fast Schluss. Der
titelgebende Halbblut-Prinz wird fix noch angedeutet, hat ansonsten nur eine
sekundäre Funktion und final gibt’s noch den Gruß zum zweigeteilten siebten
Teil.
Und so hat man am Ende den Eindruck, inhaltlich erneut auf der Stelle zu treten
und ist beim angesprochenen Eindruck ‚nett’ angekommen, der eigentlich zu wenig
sein muss, für eine Potter-Verfilmung, aufgrund der anderen Filme aber halbwegs
okay ist. Buch-Fans dürften diese Erfahrungen wohl in ähnlicher Form schon
gemacht haben, denn das Buch ist wohl mal wieder klar besser und den Rest
erwartet man so aus den anderen Filmen. Film-Fans müssen sich dagegen
entscheiden, wie sie fast zwei Stunden Pubertäts-Herzschmerz-Liebes-Szenen
kompensieren, mit ein paar halbwegs gelungenen Szenen und einem runden Finale.
Fantasy-Bombast-Unterhaltung sieht anders aus, aber dafür ist Potter auch nicht
die allerbeste Buchreihe.
Fazit:
Das alte Lied. Trotz wieder aufgestockter Laufzeit, will kein homogener
Gesamteindruck entstehen. Statt Hektik (Teil 4 und 5), gibt es hier zerfahrene
Drama-Szenen, die nur selten wirklich überzeugen und sich ansonsten etwas
ziehen. Mehr Zeit und mehr Mut für die entscheidenden Szenen wäre mal wieder
wünschenswert gewesen. So bleiben wie üblich die ordentlichen Effekte, die tolle
Ausstattung und die halbwegs lieb gewonnenen Gesichter. Für Jubelstürme dürfte
dieser Potter daher wohl nicht sorgen.
5,5 / 10
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