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Harry Potter und
der Halbblut-Prinz


Kritik von Christian Westhus

Harry Potter and the Half-Blood Prince (2009)
Regie: David Yates
Cast: Daniel Radcliffe, Emma Watson, Rupert Grint

Story:
Neues Jahr, neues Abenteuer. Im Kurse eines neuen Zauberers findet Harry dieses Mal das Spruchbuch eines gewissen Halbblut-Prinzen, das scheinbar von Voldemort selbst stammt. Von Dumbledore geschickt, versucht er fortan, hinter das Geheimnis zu kommen...

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Kritik:
Potter zum Sechsten. Das verläuft mittlerweile so erwartungsgemäß ohne Ecken und Kanten, dass man schon mit einem ‚netten’ Film zufrieden ist. ‚Nett’ war aber auch mal der kleine Bruder von ‚beschissen’ und wenn die Halbblut-Prinz-Episode auch nicht weh tut und insgesamt sogar einen etwas besseren Eindruck macht als „Der Orden des Phönix“, so wird mit jedem Teil das Gefühl größer, dass man mit der ganzen Reihe irgendwie nur notdürftig abgespeist wurde. Als Fan der Bücher eh, aber auch als unbefangener Zuschauer. Was haben wir zusammen mit Harry gestaunt, als wir vor acht Jahren das erste Mal Hogwarts auf der Leinwand erblicken durften, als wir die detailverliebte visuelle Umsetzung und die Designs bejubelten, von denen die Reihe bis heute zerrt. Und natürlich vom Namen „Potter“. Der Rest ist mit der Zeit verflacht und auch wenn Alfonso Cuaróns „Der Gefangene von Askaban“ wohl als der insgesamt gelungenste, weil rundeste Beitrag gesehen werden kann, war damit der Zenit erreicht und der Eindruck gefestigt, dass man beim irrwitzigen Sturzflug durch die größten Schauwerte und die nötigsten Handlungsfetzen der Bücher, nur halbwegs den Eindruck zu erwecken braucht, die Potter-Filmwelt habe sich nur so weit verändert, dass die Kids älter und die Welt noch ernster und düsterer geworden ist.

Das ist natürlich Blödsinn und das wissen die Verantwortlichen wahrscheinlich auch selbst, aber mit dem abgenutzten Modebegriff „düster“ peppt man das alljährliche Potter-Festival natürlich irgendwie auf und so dachte sich David Yates, der im Sommer 2011 seinen insgesamt vierten und damit den letzten Potter gedreht haben wird, dass schon Teil 5. einfach nur dunkel gehalten sein muss, um dem gerecht zu werden. Statt also Dramatik, Psychologie und Bedrohung zu forcieren, stapfen unsere Freunde durch die immergleiche Welt in grünlichem Blau und statt schwarz lackiertem Ministerium, bleibt hier einfach die ganze Welt in diesem Ton. Sogar die Realwelt. Da verpufft gleich zu Beginn ein nicht weiter erklärter Angriff von Todessern in London, weil London wie ein künstlicher Zauberer-Ort wirkt, nicht aber wie das reale London, was sicherlich bedrohlicher gewesen wäre. Es lebe das Zeitalter der Farbfilter, hat man sich da wohl gedacht und einen ersten Fehler gemacht, weil die Coolness und visuelle Einheit scheinbar wichtiger ist, als die optimale Umsetzung der Szenen.

Nach einem unsinnigen und irgendwie albern wirkenden Flirt von Harry, nimmt ihn Dumbledore zu Beginn an sich. Und der alte Mann kalauert sich wirr was in seinen Rauschebart, dass man sich im falschen Film wähnt. Die Blase drückt, Stricken ist cool und simple Formen von umgekehrter Psychologie funktionieren selbst bei hohen Zauberern. Als sei Dumbledore auf dem besten Weg senil zu werden, faselt er lange Zeit wirres Verschwörungszeug, um dann Teenieprobleme zu beobachten und seufzend der eigenen Jugend zu gedenken. Man sollte ja meinen, die Figuren seien mittlerweile Selbstläufer und auch wenn die drei Hauptdarsteller wohl allesamt keine darstellerischen Wunderkinder sind, darf man doch ein wenig mehr erwarten. Stattdessen lernen wir wieder: Die Pubertät ist immer noch reichlich blöde. Nach einem abermals ungeschickt inszenierten Intermezzo im Zug, sind wir endlich in Hogwarts und da fühlen wir uns ja eigentlich immer geborgen. Nur hat die Schule scheinbar eine Extraportion Hormone verteilt, denn an jeder Ecke, in jedem Gang, hinter jedem Baum wird geknutscht und gefummelt und vor Liebeskummer geschluchzt. Das wirkt so gekünstelt und unrealistisch, dass man sich am liebsten Dolores Umbridge zurück wünscht, die wenigstens für Ordnung sorgen würde.

Unsere drei Helden stecken in dem ganzen Liebestohuwabohu natürlich bis zur Nasenspitze mit drin. Es ist ja halbwegs realistisch, dass sie sich nicht sofort trauen, zu ihren Gefühlen zu stehen, aber warum sich Ron dann eine komplett überzeichnete und nervige Lavender Brown angelt, warum Hermine vor lauter Kummer den Arsch vom Dienst (der nicht Malfoy heißt) zu einem Dinner einlädt und warum Harry scheinbar alles um sich herum einfach geschehen lässt, will nicht einleuchten. Dabei gibt es ganz ordentliche Momente in Hogwarts-90210. Der Humor ist zwar wenig subtil, aber ganz sympathisch, Hermines Vogelzauber ist halbwegs beeindruckend und die (kurzen) Quidditch-Szenen sind dank Zeitlupe und verbesserten Effekten die vielleicht besten der Reihe, wenn Ron auch reichlich daneben aussieht. Überhaupt muss der arme Ron mal wieder für die ganz albernen Momente herhalten. Harry hat zwar auch seinen ganz eigenen Drogentrip, doch vom Liebeszauber befallen, schäkert Ron mit dem Mond und grinst pausenlos wie ein Halbdebiler und erntet so statt Lacher eher Kopfschütteln, welches er doch bitte den Drehbuchautoren mitteilt. Wenig später muss er sich natürlich auch über die Knutscherei beschweren, weil seine Lippen schon ganz spröde sind. Apropos knutschen. Trauen sich die Verantwortlichen nicht das S-Wort zu benutzen oder will man uns für dumm verkaufen, wenn die halbe Schule sich permanent befingert und 17-jährige ‚knutschen’ sagen und was anderes meinen?

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Als Nebenhandlung zur ausufernden Liebesproblematik, irrt Emo-Malfoy wirr durch die Gänge der Schule, hat ein, zwei harsche Momente mit Harry – Blut! Ach du Schreck! – und benimmt sich ansonsten so, wie man das von einem weinerlichen Neu-Todesser erwartet. Dann natürlich Snape, der Anakin Skywalker von Hogwarts, der Ex-Todesser mit Faible für schwarze Kleidung und etwas zu guten Kontakten mit Narcissa Malfoy und Bellatrix Lestrange. Man hätte ein wenig vom Liebesfirlefanz straffen sollen, um der Hintergrundhandlung mehr Spielraum zu geben, z.B. auch Bellatrix, die eigentlich ideal besetzt und gespielt ist, dann aber nicht viel mehr zu tun hat, als irre Blicke zu verschießen und die Weasleys zu besuchen. Die dortigen Geschehnisse hätten emotional ein echtes Highlight werden können, sind so aber maximal visuell überzeugend, ansonsten verschenkt.

Verschenktes Potential auch bei den anderen Nebenfiguren. Luna Lovegood könnte eine der coolsten Figuren überhaupt sein und ist ebenfalls sehr passend besetzt, hat sogar einen tollen Moment mit Harry bei der Ankunft in Hogwarts, muss dann aber untertauchen. Ginny ist überraschend stark präsent, muss aber nur mit fremden Jungen rummachen und ansonsten Potter mit größtenteils peinlichen, weil gestelzten Aktionen auf die Pelle rücken. Hagrid ist nur der Vollständigkeit wegen dabei und darf einen haarigen Freund verabschieden, was unnötig ausgewälzt wird. Slughorn ist halbwegs greifbar, McGonagall darf wieder nur Einzeiler an die Kinder verteilen, Neville verkommt zu einem Cameo und Crabbe und Goyle sind für Malfoy wohl zu uncool geworden. Geradezu verschwenderisch kurz auch die Auftritte von Lupin und Tonks, so dass tatsächlich Tom Riddle, in zwei Altersinkarnationen den besten Eindruck macht, weil „The Magician formerly known as Voldemort“ in Persona ja nicht auftaucht.

Weg vom kruden Teentralala, hin zu Angst und Schrecken und dem unheilvollen Finale geht es reichlich plötzlich, nachdem Harrys Jagd nach der einen Erinnerung die entscheidende Wendung nimmt und er auf Dumbledore trifft, der das kalauern lässt und mal eben entscheidet, die gesamte Stimmung des bisherigen Films radikal umzukrempeln. Der Besuch der „Zombiehöhle“ hat zwar stimmungstechnisch auch noch Luft nach oben, ist aber spannend und ganz nett visualisiert. Dumbledore erinnert hier zwar mehr und mehr an Gandalf, doch die ganze Sequenz geht in Ordnung und das Finale in Hogwarts kann sich auch einigermaßen sehen lassen. Alle anderen Figuren rücken im letzten Akt arg in den Hintergrund und als sie wieder auftauchen, ist schon fast Schluss. Der titelgebende Halbblut-Prinz wird fix noch angedeutet, hat ansonsten nur eine sekundäre Funktion und final gibt’s noch den Gruß zum zweigeteilten siebten Teil.

Und so hat man am Ende den Eindruck, inhaltlich erneut auf der Stelle zu treten und ist beim angesprochenen Eindruck ‚nett’ angekommen, der eigentlich zu wenig sein muss, für eine Potter-Verfilmung, aufgrund der anderen Filme aber halbwegs okay ist. Buch-Fans dürften diese Erfahrungen wohl in ähnlicher Form schon gemacht haben, denn das Buch ist wohl mal wieder klar besser und den Rest erwartet man so aus den anderen Filmen. Film-Fans müssen sich dagegen entscheiden, wie sie fast zwei Stunden Pubertäts-Herzschmerz-Liebes-Szenen kompensieren, mit ein paar halbwegs gelungenen Szenen und einem runden Finale. Fantasy-Bombast-Unterhaltung sieht anders aus, aber dafür ist Potter auch nicht die allerbeste Buchreihe.

Fazit:
Das alte Lied. Trotz wieder aufgestockter Laufzeit, will kein homogener Gesamteindruck entstehen. Statt Hektik (Teil 4 und 5), gibt es hier zerfahrene Drama-Szenen, die nur selten wirklich überzeugen und sich ansonsten etwas ziehen. Mehr Zeit und mehr Mut für die entscheidenden Szenen wäre mal wieder wünschenswert gewesen. So bleiben wie üblich die ordentlichen Effekte, die tolle Ausstattung und die halbwegs lieb gewonnenen Gesichter. Für Jubelstürme dürfte dieser Potter daher wohl nicht sorgen.

5,5 / 10

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