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Kritik:
John Rambo


von Christian Mester

Rambo
(2008)
Regisseur: Sylvester Stallone
Cast: Sylvester Stallone, Julie Benz

Story:
Als ein paar Missionare in Burma in Gefangenschaft geraten, bittet man den alten Veteran John Rambo (Sylvester Stallone) um Hilfe. Der Mann, der dem Krieg eigentlich abgeschworen hatte, macht sich auf in die Hölle...

Kritik:
Die meisten kennen nur das eine Bild von Rambo - Stallone mit schmalziger Lockenpracht, wie er mit freiem Oberkörper, Stirnband und wilder Miene gegen Panzer und Hubschrauber kämpft. Dieses Bild hat sich (unter anderem dank Hot Shots 2) in unsere Popkultur eingebrannt, obwohl das ganze vor knapp 30 Jahren mal ganz anders anfing.

Der erste Rambo war nämlich keineswegs blutig stupide Ballerei, sondern ein ernsthaft packender Actionfilm, der in Sachen Blut sogar relativ zahm war. Im ganzen ersten Film stirbt nur ein einziger Mensch, und das auch nur durch einen Unfall (einer der Sheriffs stürzt aus einem Hubschrauber, nachdem er das Gleichgewicht verliert). Den Rest der Zeit ist Rambo nur auf der Flucht vor Cops, die ihn wegen einer Lapalie tot sehen wollen und gnadenlos jagen. Erst Rambo 2 und 3, in denen er alte Kameraden befreite und die Rebellen Afghanistans unterstützte, machten ihn zu einem unbesiegbaren Überwesen. Rambo legte sich darin mit ganzen Armeen an, die gegen den unbezwingbaren Bogenschützen und Nahkämpfer nicht den Hauch einer Chance hatten und von überzogenen russischen B-Movie Bösewichtern angeführt wurden. Mit 4 wollte sich Stallone jetzt wieder dem ersten Teil nähern, so wie er es auch bei seinem sechsten Rocky gemacht hat - Das allerdings trifft nicht wirklich zu.

Rambo 4 schafft es leider weder unterhaltsamer, noch ernster als die vorherigen Teile zu sein.

Zwar fängt alles halbwegs ernst an, in dem die unmenschlichen Grauen der burmesischen Tyrannen gezeigt werden, aber spätestens wenn Rambo ihnen genau das gleiche entgegensetzt, verliert der Film seinen pseudokritischen Ton. Und das man Rambos Gewalt gegen die Burmesen gut finden soll, könnte deutlicher nicht unterstrichen werden: pompös patriotische Musik und theatralische Pausen bringen das Publikum in Wallung, so das man sich fast wie bei Jarhead fühlt, als die jungen Soldaten beim extrem kritischen Apocalypse Now jubeln und die Fäuste in die Luft recken. Rambo's Motive sind zudem sehr billig. Tagtäglich erfährt er von den Schrecken
in Burma, doch erst als eine hübsche Weiße ihn Bedrängnis gerät, macht er sich auf, ihnen Paroli zu bieten. So interessiert es ihn im Laufe der Rettungs-aktion scheinbar auch nur, was mit den amerikanischen Touristen ist - die geschundenen Thailänder des Karen-Dorfes sind ihm sichtlich gleichgültig.

Sly spielt seinen berühmten Charakter zwar glaubhaft und sympathisch, aber da John Rambo eine unheimliche stille Figur ist, kommt es mehr auf seine Gegner, und in diesem Falle mal, Mitstreiter an.

Es heißt, jeden Superhelden misst man an seinem Gegner, doch in diesem Fall enttäuscht Rambo 4 auf der ganzen Linie. Selbst in Überzahl haben sie keine Chance gegen das Rauhbein, und da er nie wirklich in Bedrängnis gerät, wird es zu einer einseitigen, sehr geradlinigen Tour eines Unbesiegbaren - die man in 2 und 3 schon spektakulärer gesehen hat. Ähnlich wie bei Windtalkers und Wir waren Helden ergibt sich auch hier das Problem, dass die Gegner nur gesichtsloses Machetenfutter sind. Der einzige der Bösen, der ein paar kurze Szenen bekommt, ist deren Anführer Pah Taun Tint, der außer grimmig dreinschauen aber nichts wirklich zu tun kriegt.

Das Team, das Rambo zur Seite gestellt wird, hilft leider nicht weiter. Julie Benz ist nur reine Damsel in Distress (wenigstens versucht man keine aufgezwungene Lovestory), und von den Soldaten gibt es nur zwei, die etwas mehr auffallen. Schoolboy ist Scharfschütze und kriegt zwei, drei vernünftige Szenen, aber dann bleibt nur noch der unsympathischen Lewis, der die meiste Zeit mit seinem lauten Ego zu nerven weiß. Sieht man von der fehlenden Tiefe des Films ab, hat Sly aber dennoch Probleme, den Film als hirnfreien Actionfilm zu meistern.

Der Actionanteil im letzten Abschnitt ist hoch, aber meistens kalt und derart brutal, dass man Schwierigkeiten hat, sich daran zu unterhalten. Was auch fehlt, ist eine Art Showdown, denn ohne Endkampf hört Rambo mittendrin auf einmal auf. Was die Größe betrifft, kann man den vierten allerdings nicht mit 2 und 3 vergleichen. Die Sets und Ausstattungen waren dort viel größer, und während es da Panzer, Hubschrauber und mehr gab, gibt es im neuen gerade mal ein paar Wagen und ein kleines Boot. Sieht man dem Inhalt ab, ist der neue Stallone jedoch trotzdem sehr solide gemacht.

Der burmesische Dschungel wird gut eingefangen und auch die martialisch zerlegten Dörfer wirken sehr authentisch. Sehr viel Mühe hat man sich in Sachen Bodycount gemacht, so dass Szenen der vielen Gewalt zuweilen etwas an die grausigen Bilder eines Soldat James Ryan erinnern. Die Musik ist gut gewählt, wenn auch im letzten Abschnitt etwas sehr patriotisch und mit sehr viel Fanfare. Die vielen Actionsequenzen sind zwar nicht überragend, aber zumindest trotz hektischer Schnittfolge übersichtlich und handwerklich gut in Szene gesetzt. An dieser Stelle sei gesagt, dass die vielen kleinen Schnitte der deutschen Fassung definitiv störend auffallen.

Insgesamt kann man sagen das es zwar nett ist, den alten Charakter noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen, aber das Beste hat er definitiv schon hinter sich. Rocky's Comeback war groß, Rambo's ist allenfalls okay..


Fazit:
Der neue Rambo ist gut gemacht, steht aber im Schatten der anderen drei. Solide, harte Actionkost, die aber generell nur Mittelmaß ist.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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