Story:
Als ein paar Missionare in
Burma in Gefangenschaft geraten, bittet man den alten Veteran John Rambo
(Sylvester Stallone) um Hilfe. Der Mann, der dem Krieg eigentlich abgeschworen
hatte, macht sich auf in die Hölle...
regie :
sylvester stallone
cast :
sylvester stallone, julie benz
kritik :
christian westhus
____________________________________________________________________________
Kritik:
Sylvester Stallone
greift wieder zum Stirnband und begibt sich auf Rettungsmission in ein
Kriegsgebiet. Doch der vierte Teil der Rambo-Reihe schleppt die alten Probleme
mit sich und weckte im Vorfeld zu hohe Erwartungen.
Mit Ausnahme von Teil 1 waren
schon die anderen Rambo-Teile in ihrer Botschaft eher fragwürdig, wenn nicht
sogar gefährlich. Die Brutalität nahm zu und damit auch das aufwendig
inszenierte Sterben mit politischem Hintergrund. Der neue Teil geht da noch ein
paar Schritte weiter.
Man muss den Film nicht auf seine Botschaft hin deuten und man muss auch nicht
zwanghaft eine politische Aussage hineininterpretieren, aber ein Film, der
gleich am Anfang reale Aufnahmen des burmesischen Terrors voran stellt, kann
sich dagegen eigentlich kaum weheren. Und irgendwie schienen auch die Macher
nicht wirklich zu wissen, was genau sie mit ihrem Film jetzt bezwecken wollten.
Mal sprach der gute Sly davon, dass ihm die Situation in Burma am Herzen lag,
dass er Augen öffnen wollte, dann sagte er aber auch, dass er einfach einen
knackigen Actionfilm machen wollte, der die Zuschauer nach Möglichkeit wegbläst.
Das riecht nach Widerspruch und so wirkt dann auch der fertige, in Deutschland
etwas entschärfte, Film.
Selbst wenn Stallone nicht bewusst eine bestimmte Message transportieren wollte,
so kommt er nicht umher, dass manche Szenen und Zusammenhänge unglücklich
wirken. Indem er die zwar naive, aber humanistische Idee der Ärzte als sinnlos
und gescheitert darstellt, legt er direkt den pessimistischen Grundstein für den
folgenden Rambo-Feldzug. Gewalt kann man also nur mit Gegengewalt besiegen und
humanitäre Hilfe ist quasi ein Himmelfahrtskommando? Und bis man überhaupt
selbst eingreift, muss natürlich erst eine bekannte Bezugsperson in der Hölle
landen, die man dann herausholt. Damit ist die Rechtfertigung für das Metzeln
gegeben, bzw. endgültig erst nach dem man uns die Bösewichte vorgestellt hat.
Die Darstellung der Bösen ist an
eindimensionaler Sichtweise kaum zu überbieten. Nicht nur das die bösen Burmesen
nicht mehr als wild umher brüllende Irrwische sind, von denen keiner auch nur
irgendwie genauer gezeigt wird, nein, sie knallen auch kommentarlos Alles ab,
was ihnen vor die Flinte kommt. Es mag ja so sein, dass das Größtenteils der
Realität entspricht, aber wir sehen nur uniformierte Wesen, die im hektischen
Schnittstakkato ein Dorf in die Luft jagen, in Nahaufnahme Kinder erschießen und
Gliedmaßen abhacken, ehe Stallone in der Inszenierungs-Wühlkiste fündig wird,
die Szenerie auf stumm schaltet, die Zeitlupe einsetzt und die Massenerschießung
zu pathetischer Musik laufen lässt, um noch das letzte Quäntchen Mitgefühl
herauszupressen. Klar, Stallone wollte das Grauen deutlich zeigen, aber dafür
fehlt ihm wohl etwas Feingefühl, da gerade die erste Dorfstürmung nur eine
grausame Actionszene ist, die zwar schockiert, aber respektlos wirkt.
Auch der Anführer der Burmesen ist gänzlich charakterlos. Auch er brüllt nur
andauernd herum, wird nur bei martialischen Reden untertitelt, bewilligt
ansonsten ruhig den Massenmord und holt sich kleine Jungen ins Zimmer. Für so
ein Monster empfindet man natürlich sehr leicht fast ausschließlich Hass, aber
es ist auch eindimensional, billig und ohne jeglichen politischen Anspruch.
Die Rettungsmission, bei der unser Held Unterstützung von einem kleinen,
größtenteils unsympathischen Trupp amerikanischer Soldaten bekommt, wird dann
auch zur zwielichtigen Geschichte. Nicht nur, dass bei der Aktion quasi nur die
Weißen, bzw. Amerikaner gerettet werden, Stallone montiert diese an sich nett
gefilmte Aktion auch noch im steten Wechsel mit einer „Party“ der Bösen, bei der
die Stimmung ziemlich schnell in Aggressionen umschwanken und es den Tänzerinnen
an den Kragen geht. Sollte dies wieder eine politische Botschaft sein, quasi
Kritik auch an der bewaffneten Hilfsmission, dann funktioniert auch dies nicht,
es sei denn Stallone wollte uns nur mitteilen, dass eigentlich jegliche Hilfe
von Außen nur ein Tropfen auf dem vielzitierten heißen Stein ist. Es fehlt der
Bezug und das nötige Feingefühl, besonders nachdem die Rettung wieder cool und
heroisch aussieht.
Und wie dünn der politische Anspruch, bzw. Realismus wirklich ist, zeigt doch
schon das Schicksal der weißen Ärztin, Rambos Bezugsperson. Stallone inszenierte
zuvor die pure Hölle, fern jeglichem Mitleids, quasi der grausamste Ort der Welt
und dann nehmen die Bösen eine weiße (!) Frau gefangen und haben sie knapp zwei
Wochen (!) in ihrer Gewalt. Doch das Drehbuch ist hier nicht konsequent in
seiner Grausamkeit, denn Spoiler >
der blonden Sarah geht es nicht nur einigermaßen gut, es gibt auch keine
Anzeichen auf gewaltsame Übergriffe oder Vergewaltigungen. Nach fast 14 Tagen
will der erste Typ die Frau vergewaltigen und just da kommt Rambo zur Hilfe.
< Spoiler Ende. Man hätte es ja nicht direkt zeigen müssen, aber wäre Sarah als
gebrochene Frau dargestellt worden, wäre der fade Beigeschmack vermieden worden,
den diese Szene definitiv auslöst.
Spoiler > Und nach dem
großen, finalen Gefecht, bei dem der Tod des burmesischen Anführers mit
heroischer Musik unterlegt ist, verschlägt es unseren ach so verbitterten Rambo
zurück in die Heimat, zu seiner Familie.
Und die Montage ist eindeutig: Nachdem Rambo durch den tiefsten Schlund der
Hölle gekrochen ist und mehr Leute getötet hat als jemals zuvor, hat er endlich
seinen Frieden gefunden. Das Ende suggeriert nicht nur illusionären Frieden in
Burma, sondern auch, dass Gewalt und Unmenschlichkeit den Charakter befreit und
wieder menschlich macht. Ein Happy End mit sehr fadem Beigeschmack.
< Spoiler Ende.
So, nun muss man das Alles nicht zwangsläufig so sehen, auch wenn es sich
größtenteils nicht vermeiden lässt, aber man kann ja auch den Versuch starten,
„John Rambo“ als harten Actionfilm zu sehen, doch vollends überzeugen, kann der
Film auch hier nicht.
Wenn Rambo dann plötzlich mit
Pfeil und Bogen daherkommt und die Soldaten erlegt, kommt durchaus positives
Rambo-Feeling auf. Es werden zwar gesichtslose Monster gekillt, aber so etwas
gibt es häufig genug in Filmen und in Rambo erwartet man solche Szenen quasi,
zumindest eine Zeit lang. Auch die Dschungelhatz und Teile des Endgefechts
können sich sehen lassen, denn handwerklich ist der Film durchaus gelungen.
Problematisch wird’s beim Actionfaktor, denn knapp die Hälfte der Action besteht
aus Terror und Folter und das ist absolut nicht unterhaltsam, und der Rest kommt
nicht über solide hinaus.
Man versuchte den Film mit knackiger, ultraharter und teilweise sogar comichaft
überzogener Gewalt aufzupeppen. Zu sehen, wie ein Mann mit einem großkalibrigen
Geschütz zu Mus verarbeitet wird, hat nicht mehr viel mit realistischer
Kriegsaction zu tun, sondern ist ein grell überzogenes Geschenk ans junge
Publikum. Der Härtegrat in der entschärften deutschen Kinofassung ist hingegen
erträglich, auch wenn die Schnitte besonders im letzten Drittel stark auffallen.
Diese besprochene Szene fehlt beispielsweise komplett. Auch verliert man gegen
Ende im Kamera-Schnitt-Wirrwarr ein wenig den Überblick, doch insgesamt kann
zumindest die Technik als sehr ordentlich bezeichnet werden.
Dennoch stellt dies nicht zufrieden, da der Film unentschlossen wirkt und
zwischen den Stühlen sitzt. Rambos Charakter macht nur einen, nicht
nachvollziehbaren Wandel durch und läuft permanent mit dem selben Ausdruck durch
den Busch, um sich ein, zwei Mal als gar rafitückischer Fallensteller (Hallo
Logikloch!) zu beweisen, der ansonsten aber nur am Rennen ist oder mit großen
Geschützen große Löcher in eher kleine Menschen schießt. Wenn schon
Dschungelhatz, dann auch fetzig und unterhaltsam, doch weder gibt es dort viel
Action oder Fallen, noch gerät Rambo ernsthaft in Gefahr. Er ist der
unantastbare Kriegsgott, der sich glücklicherweise mal nach Burma bequemt hat,
um dort aufzuräumen. Man hat beim bizarr-fragwürdigen Ende immer das Gefühl,
dass noch eine Menge fehlt, denn der Film ist deutlich zu kurz, bzw. nutzt die
vorhandene Zeit nicht gut genug.
Fazit:
„John Rambo“ scheitert
an der selbstauferlegten Erwartungshaltung und der reale, politische Bezug
bricht dem Film dann endgültig das Genick. Technisch eine solide Leistung, ist
der Film aber moralisch fragwürdig und als Actionfilm mit einigen Problemen
behaftet. Das kann man sich angucken, ohne gleich an die Decke zu gehen, aber
egal was man vom neuen Rambo erwartet hat, eine Offenbarung ist er wohl auf
keinen Fall.
3,5-4 / 10
_____________________________________________________________________________
:::::...: Diskussion im Forum
|