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Kritik:
John Rambo


von Christian Westhus

Rambo
(2008)
Regisseur: Sylvester Stallone
Cast: Sylvester Stallone, Julie Benz

Story:
Als ein paar Missionare in Burma in Gefangenschaft geraten, bittet man den alten Veteran John Rambo (Sylvester Stallone) um Hilfe. Der Mann, der dem Krieg eigentlich abgeschworen hatte, macht sich auf in die Hölle...

Kritik:
Sylvester Stallone greift wieder zum Stirnband und begibt sich auf Rettungsmission in ein Kriegsgebiet. Doch der vierte Teil der Rambo-Reihe schleppt die alten Probleme mit sich und weckte im Vorfeld zu hohe Erwartungen.

Mit Ausnahme von Teil 1 waren schon die anderen Rambo-Teile in ihrer Botschaft eher fragwürdig, wenn nicht sogar gefährlich. Die Brutalität nahm zu und damit auch das aufwendig inszenierte Sterben mit politischem Hintergrund. Der neue Teil geht da noch ein paar Schritte weiter.
Man muss den Film nicht auf seine Botschaft hin deuten und man muss auch nicht zwanghaft eine politische Aussage hineininterpretieren, aber ein Film, der gleich am Anfang reale Aufnahmen des burmesischen Terrors voran stellt, kann sich dagegen eigentlich kaum weheren. Und irgendwie schienen auch die Macher nicht wirklich zu wissen, was genau sie mit ihrem Film jetzt bezwecken wollten. Mal sprach der gute Sly davon, dass ihm die Situation in Burma am Herzen lag, dass er Augen öffnen wollte, dann sagte er aber auch, dass er einfach einen knackigen Actionfilm machen wollte, der die Zuschauer nach Möglichkeit wegbläst. Das riecht nach Widerspruch und so wirkt dann auch der fertige, in Deutschland etwas entschärfte, Film.

Selbst wenn Stallone nicht bewusst eine bestimmte Message transportieren wollte, so kommt er nicht umher, dass manche Szenen und Zusammenhänge unglücklich wirken. Indem er die zwar naive, aber humanistische Idee der Ärzte als sinnlos und gescheitert darstellt, legt er direkt den pessimistischen Grundstein für den folgenden Rambo-Feldzug. Gewalt kann man also nur mit Gegengewalt besiegen und humanitäre Hilfe ist quasi ein Himmelfahrtskommando? Und bis man überhaupt selbst eingreift, muss natürlich erst eine bekannte Bezugsperson in der Hölle landen, die man dann herausholt. Damit ist die Rechtfertigung für das Metzeln gegeben, bzw. endgültig erst nach dem man uns die Bösewichte vorgestellt hat.

Die Darstellung der Bösen ist an eindimensionaler Sichtweise kaum zu überbieten. Nicht nur das die bösen Burmesen nicht mehr als wild umher brüllende Irrwische sind, von denen keiner auch nur irgendwie genauer gezeigt wird, nein, sie knallen auch kommentarlos Alles ab, was ihnen vor die Flinte kommt. Es mag ja so sein, dass das Größtenteils der Realität entspricht, aber wir sehen nur uniformierte Wesen, die im hektischen Schnittstakkato ein Dorf in die Luft jagen, in Nahaufnahme Kinder erschießen und Gliedmaßen abhacken, ehe Stallone in der Inszenierungs-Wühlkiste fündig wird, die Szenerie auf stumm schaltet, die Zeitlupe einsetzt und die Massenerschießung zu pathetischer Musik laufen lässt, um noch das letzte Quäntchen Mitgefühl herauszupressen. Klar, Stallone wollte das Grauen deutlich zeigen, aber dafür fehlt ihm wohl etwas Feingefühl, da gerade die erste Dorfstürmung nur eine grausame Actionszene ist, die zwar schockiert, aber respektlos wirkt.

Auch der Anführer der Burmesen ist gänzlich charakterlos. Auch er brüllt nur andauernd herum, wird nur bei martialischen Reden untertitelt, bewilligt ansonsten ruhig den Massenmord und holt sich kleine Jungen ins Zimmer. Für so ein Monster empfindet man natürlich sehr leicht fast ausschließlich Hass, aber es ist auch eindimensional, billig und ohne jeglichen politischen Anspruch.

Die Rettungsmission, bei der unser Held Unterstützung von einem kleinen, größtenteils unsympathischen Trupp amerikanischer Soldaten bekommt, wird dann auch zur zwielichtigen Geschichte. Nicht nur, dass bei der Aktion quasi nur die Weißen, bzw. Amerikaner gerettet werden, Stallone montiert diese an sich nett gefilmte Aktion auch noch im steten Wechsel mit einer „Party“ der Bösen, bei der die Stimmung ziemlich schnell in Aggressionen umschwanken und es den Tänzerinnen an den Kragen geht. Sollte dies wieder eine politische Botschaft sein, quasi Kritik auch an der bewaffneten Hilfsmission, dann funktioniert auch dies nicht, es sei denn Stallone wollte uns nur mitteilen, dass eigentlich jegliche Hilfe von Außen nur ein Tropfen auf dem vielzitierten heißen Stein ist. Es fehlt der Bezug und das nötige Feingefühl, besonders nachdem die Rettung wieder cool und heroisch aussieht.

Und wie dünn der politische Anspruch, bzw. Realismus wirklich ist, zeigt doch schon das Schicksal der weißen Ärztin, Rambos Bezugsperson. Stallone inszenierte zuvor die pure Hölle, fern jeglichem Mitleids, quasi der grausamste Ort der Welt und dann nehmen die Bösen eine weiße (!) Frau gefangen und haben sie knapp zwei Wochen (!) in ihrer Gewalt. Doch das Drehbuch ist hier nicht konsequent in seiner Grausamkeit, denn Spoiler >
der blonden Sarah geht es nicht nur einigermaßen gut, es gibt auch keine Anzeichen auf gewaltsame Übergriffe oder Vergewaltigungen. Nach fast 14 Tagen will der erste Typ die Frau vergewaltigen und just da kommt Rambo zur Hilfe. < Spoiler Ende. Man hätte es ja nicht direkt zeigen müssen, aber wäre Sarah als gebrochene Frau dargestellt worden, wäre der fade Beigeschmack vermieden worden, den diese Szene definitiv auslöst.

Spoiler >
Und nach dem großen, finalen Gefecht, bei dem der Tod des burmesischen Anführers mit heroischer Musik unterlegt ist, verschlägt es unseren ach so verbitterten Rambo zurück in die Heimat, zu seiner Familie. Und die Montage ist eindeutig: Nachdem Rambo durch den tiefsten Schlund der Hölle gekrochen ist und mehr Leute getötet hat als jemals zuvor, hat er endlich seinen Frieden gefunden. Das Ende suggeriert nicht nur illusionären Frieden in Burma, sondern auch, dass Gewalt und Unmenschlichkeit den Charakter befreit und wieder menschlich macht. Ein Happy End mit sehr fadem Beigeschmack.
< Spoiler Ende.

So, nun muss man das Alles nicht zwangsläufig so sehen, auch wenn es sich größtenteils nicht vermeiden lässt, aber man kann ja auch den Versuch starten, „John Rambo“ als harten Actionfilm zu sehen, doch vollends überzeugen, kann der Film auch hier nicht.

Wenn Rambo dann plötzlich mit Pfeil und Bogen daherkommt und die Soldaten erlegt, kommt durchaus positives Rambo-Feeling auf. Es werden zwar gesichtslose Monster gekillt, aber so etwas gibt es häufig genug in Filmen und in Rambo erwartet man solche Szenen quasi, zumindest eine Zeit lang. Auch die Dschungelhatz und Teile des Endgefechts können sich sehen lassen, denn handwerklich ist der Film durchaus gelungen. Problematisch wird’s beim Actionfaktor, denn knapp die Hälfte der Action besteht aus Terror und Folter und das ist absolut nicht unterhaltsam, und der Rest kommt nicht über solide hinaus.

Man versuchte den Film mit knackiger, ultraharter und teilweise sogar comichaft überzogener Gewalt aufzupeppen. Zu sehen, wie ein Mann mit einem großkalibrigen Geschütz zu Mus verarbeitet wird, hat nicht mehr viel mit realistischer Kriegsaction zu tun, sondern ist ein grell überzogenes Geschenk ans junge Publikum. Der Härtegrat in der entschärften deutschen Kinofassung ist hingegen erträglich, auch wenn die Schnitte besonders im letzten Drittel stark auffallen. Diese besprochene Szene fehlt beispielsweise komplett. Auch verliert man gegen Ende im Kamera-Schnitt-Wirrwarr ein wenig den Überblick, doch insgesamt kann zumindest die Technik als sehr ordentlich bezeichnet werden.

Dennoch stellt dies nicht zufrieden, da der Film unentschlossen wirkt und zwischen den Stühlen sitzt. Rambos Charakter macht nur einen, nicht nachvollziehbaren Wandel durch und läuft permanent mit dem selben Ausdruck durch den Busch, um sich ein, zwei Mal als gar rafitückischer Fallensteller (Hallo Logikloch!) zu beweisen, der ansonsten aber nur am Rennen ist oder mit großen Geschützen große Löcher in eher kleine Menschen schießt. Wenn schon Dschungelhatz, dann auch fetzig und unterhaltsam, doch weder gibt es dort viel Action oder Fallen, noch gerät Rambo ernsthaft in Gefahr. Er ist der unantastbare Kriegsgott, der sich glücklicherweise mal nach Burma bequemt hat, um dort aufzuräumen. Man hat beim bizarr-fragwürdigen Ende immer das Gefühl, dass noch eine Menge fehlt, denn der Film ist deutlich zu kurz, bzw. nutzt die vorhandene Zeit nicht gut genug.


Fazit:
„John Rambo“ scheitert an der selbstauferlegten Erwartungshaltung und der reale, politische Bezug bricht dem Film dann endgültig das Genick. Technisch eine solide Leistung, ist der Film aber moralisch fragwürdig und als Actionfilm mit einigen Problemen behaftet. Das kann man sich angucken, ohne gleich an die Decke zu gehen, aber egal was man vom neuen Rambo erwartet hat, eine Offenbarung ist er wohl auf keinen Fall.

3,5-4 / 10

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