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Film Kritik
 
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[Rec]

Story:
Fernsehmoderatorin Angela Vidal und ihr Kameramann Pablo wollen eigentlich nur eine Nacht lang den Alltag der Männer einer Feuerwache dokumentieren. So denken sie sich nichts weiter, als die Feuerwehrmänner zu einem Routine-Einsatz in ein altes Mietshaus gerufen werden, wo sie der Polizei die Tür zu einer Wohnung öffnen sollen. Doch dann werden sie in der Wohnung von einer blutverschmierten Frau angegriffen, ein Polizist wird schwer verletzt. Flucht ist unmöglich, denn mittlerweile hat die Polizei das Gebäude weiträumig abgesperrt. Fernsehteam, Beamte, Feuerwehrmänner und Mieter sind gefangen in dem Haus. Dann bricht die Hölle los...

regie :
jaume balagueró, paco plaza
cast  : manuela valasco, ferran terraza
kritik : tobias hohmann
 

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Kritik:
[Rec] ist ein wirklich intensiver Horrorthriller, der den hohen Erwartungen fast vollends gerecht wird und Spaniens Vorreiterrolle im europäischen Horrorgenre massiv unterstreicht.
 


Matt Damon war dann doch größer als sie dachten.

Jaume Balagueró gilt als einer der hoffnungsvollsten Regisseure des jungen, europäischen Horrorfilms. Seine Filme „The Nameless“, „Darkness“ oder „Fragile“ waren in Spanien allesamt Hits und verbuchten weltweit, auch in den USA, Aufmerksamkeitserfolge. Zusammen mit dem etwas unbekannteren Paco Plaza - dessen bekannteste Beiträge „Romosanta“ oder „Xmas Tale“ aus der Horror Anthology Reihe Reihe, für die auch Balagueró eine Episode drehte („Hell´s Resident“), sein dürften – schrieb und inszenierte er [Rec].
Der Film ist eine wirklich fiese Kombination aus dem bekannten „Blair Witch Project“ Doku Stil und dem realistischen Terrorambiente der „28 Days later/weeks“ Filme.

Die Eröffnung gelingt hervorragend und selbstverständlich, man befindet sich direkt in der TV Reportage und akzeptiert als Zuschauer diesen erzählerischen und visuellen Kniff sofort. Balagueró und Plaza versuchen erst gar nicht, die Geschichte unnötig auszuweiten, sondern sind direkt im Thema: Man weiß in etwa worum es geht, dann legt [Rec] auch schon los.

Sobald die Protagonisten im Haus sind, wirkt der Film wie eine Achterbahnfahrt; allerdings wie eine Tour, die kaum Verschnaufpausen kennt und bietet.

Der Angriff auf den Polizisten bietet den Auftakt zu einer hektischen und packenden Hatz durch das verwinkelte Haus. Die Angriffe der Wesen – die sowohl von der wütenden Art der Angriffe als auch des Aussehens her extrem an die Infizierten aus „28 days later/weeks“ erinnern - erfolgen rabiat, unerwartet und sind sehr hart inszeniert. Als Zuschauer ist man ebenso erschrocken wie die Protagonisten im Film. Diese Verwirrung wird dann durch das klaustrophobische Element des Eingeschlossen seins, also durch die plötzlich - und anfangs unerklärbare – Abriegelung des Wohnhauses verstärkt. Es ist sehr clever gewesen, den Handlungsort nur auf dieses Wohnhaus zu beschränken. Je länger der Film läuft, desto mehr entwickelt er sich zu einem Alptraum.
 


Ja, Matt Damon.

Unterstützt wird die sorgsam aufgebaute Spannung durch hektische Kameraschwenks, Bild- und Tonausfälle, den obligatorischen Kamerawackeleien und dem diffusen Spiel mit Licht und Schatten. Hier wird es sicherlich unterschiedliche Ansichten geben, da einige Zuschauer diese Technik nicht mögen und eher als störend empfinden werden. Allerdings sollten diese [Rec] lieber meiden, da der entsprechende Stil recht häufig und ausgiebig eingesetzt wird. Besonders zum Ende hin bekommt man fast kein „normales“ Bild mehr zu sehen. Doch objektiv gesehen unterstützt das die intensive Stimmung des betont auf Realismus setzenden Streifens ebenso, wie die mitunter heftigen Panikattacken der Schauspieler. Deutlich wird das am Beispiel der Reporterin Angela – sehr passend mit Manuela Valasco besetzt – die zuerst sehr gefasst wirkt, im Laufe der Handlung jedoch zu einer wahren Scream Queen mutiert. Die mitunter übertrieben wirkende Hektik der Personen unterstützt also das Format eher, als das es stört. Allerdings muss man sich darauf gefasst machen, das eine Charaktereinführung praktisch nicht existent ist; bis auf die Reporterin handelt es sich um mehr oder minder „leere“ Figuren. Das ist zwar ein Fehler, wirkt sich aber auf den gewünschten Effekt nicht weiter negativ aus. Dafür ist [Rec] zu atemlos und schlussendlich mit einer Laufzeit von knapp 80 Minuten auch kurz genug gehalten.

Im Mittelteil kommt der Film für ein paar Minuten zu Ruhe, Minuten, für die der Zuschauer fast schon dankbar ist, so aufwühlend ist der wirkliche Einstieg in das Thema. In diesen ruhigen Momenten offenbart [REC] dann allerdings auch seine Schwächen im Bezug auf Story, Dialoge und Figuren. Das fällt auf und kostet mit Sicherheit auch ein paar Pünktchen Abzug, doch diese Phase ist kurz gehalten und bleibt auch nicht nennenswert weiter im Gedächtnis hängen. Dann dreht der Film wieder auf und wird von Minute zu Minute intensiver. Die letzten zehn Minuten sind dann nur noch ein einzige Jagd durch dunkle Gänge, Räume und Flure. Hier liegen die Nerven bereits blank, doch wenn man dann ganz am Schluss alles nur noch durch die Nachtsichtoptik der Kamera sieht, handelt es sich wohl um die packensten, intensivsten Momente der letzten Jahre.

Natürlich hat [Rec) formatbedingt auch einige Schwächen, die man einfach im Kauf nehmen muss, damit man Gefallen an dem Prinzip des Dokustils hat. So ist es selbstverständlich unrealistisch, das Pablo ab einem gewissen Moment seine Kamera nicht einfach wegwirft und um sein Leben rennt. Dazu schleichen sich auch ab und an einige Denkfehler in die Geschichte ein. Doch das ist alles zu rasant und perfekt umgesetzt, als das man sich darüber wirklich ärgern will.
Viel mehr stört es, das Balagueró und Plaza unbedingt einen „Erklärungsversuch“ für die Vorfälle geben müssen. Das wirkt deplaziert, unüberlegt und einfach unnötig. Das macht den Film als Ganzes nicht schlechter, hinterlässt aber einen zweifelhaften Nachgeschmack.

Dazu lassen sich die beiden Spanier hin und wieder dazu verleiten, auf
einfache, formelhafte Schockmomente mit Buh-Effekt zu setzen. Das ist
zwar handwerklich exzellent gemacht, wird der Dichte des Streifens jedoch
nicht gerecht und ist damit auch schon wieder überflüssig.

All die genannten Negativpunkte können jedoch über eines nicht hinwegtäuschen: [Rec] ist sicherlich einer der intensivsten und ungewöhnlichsten Horrorfilme der letzten Jahre.

Fazit:
Nach eigener Aussage wollten Balagueró und Plaza eine erschreckende Erfahrung, die das Publikum auf eine über das übliche Maß hinausgehende Art und Weise einbindet, erschaffen. Dieses Ziel erreichen sie locker. [Rec] ist spannend, packend und ungewöhnlich intensiv. Das weder die Story noch das Format sonderlich innovativ sind, und es auch durchaus negative Faktoren gibt, wird von der rasanten, temporeichen und atmosphärisch dichten Inszenierung fast völlig überschattet. Unbedingt anschauen.

8
/ 10

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