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Kritik:
Red Cliff


von Christian Mester

Red Cliff
(2008)
Regisseur: John Woo
Cast: Takeshi Kaneshiro, Tony Leung

Story:
Im Jahr 208 macht sich der machtgierige Herrscher Cao Cao auf, ganz China zu erobern. Unbeugsam bleiben jedoch zwei kleinere Provinzen, die der Übermacht mutig trotzen und dem mächtigen Feind Paroli bieten wollen……

Kritik:
Rund zwanzig Jahre ist es her, dass der asiatische Filmemacher John Woo dem Ausland erstmals auffiel: Actionfilme wie „The Killer“, „Hard Boiled“ oder „Bullet in the Head“ sorgten für großes Aufsehen, daher war es kein Wunder, dass der Mann Anfang der 90er sbegann, großes amerikanisches Kino zu machen. Da ging es dann auch gleich stark weiter, denn „Hard Target“, „Broken Arrow“ und „Mission Impossible 2“ ließen es krachen, „Face/Off – Im Körper des Feindes“ darf ohne Zweifel sogar mit zu den besten Genrefilmen aller Zeiten gezählt werden.

Daraufhin wurde es etwas ruhiger um ihn, denn abgesehen von dem soliden „Paycheck“ hat Woo in diesem aktuellen Jahrzehnt tatsächlich nichts wirklich Nennenswertes mehr gemacht. „Red Cliff“ soll das nun ändern, denn sein auf zwei Teile ausgelegtes Mammutwerk versprach schon im Vorfeld Gewaltiges. Es ist die epische Geschichte der alten Dynastien, die vor gut zweitausend Jahren Chinas heutige Linien festlegte. Eine Historie voller legendärer Helden, Schlachten, mächtiger Bauten und Leidenschaften, die eine ganze Nation prägte und in China so bekannt ist wie hierzulande die Schlacht im Teutoburger Wald. Ein Liebesbrief an sein Ursprungsland sollte es werden, und dafür konnte Woo gleich zwei der größten asiatischen Megastars verpflichten, die es zur Zeit gibt: nein, nicht Jet Li und Jackie Chan, sondern Tony Leung („Infernal Affairs“) und Takeshi Kaneshiro („House of Flying Daggers“).

Beide bekommen viel zu tun, denn in dem Epos kommt es zu zahleichen starken Gefechten und dramatischen Wendungen, bei der natürlich auch das allseits beliebte Element der verworrenen Liebe nicht fehlen darf. In Sachen technischer Umsetzung gibt es fast nichts zu bemängeln, denn was Woo hier zum Bankett auftischt kann sich überaus sehen lassen. Die Kampfhandlungen sind riesig, die Statistenmengen atemberaubend und die Effekte sind recht gut, nur hin und wieder schleichen sich einige nach Videogame-Zwischensequenz aussehende Schnitzer ein.

Leider ist „Red Cliff“ trotz all der hübschen Zutaten nicht das erhoffte Festrezept geworden, denn zwei ungemein unübersehbare Schwächen stören den bleibenden Gesamteindruck. Vielleicht mag es daran liegen, dass beide Einzelteile von „Red Cliff“ als ein Werk gedreht wurden und der in Deutschland auf DVD veröffentlichte Film mit 150 Minuten ganze 70 Minuten kürzer ist als sein Original, es passt aber nicht, da Kurzweil nicht das Problem ist. Ganz im Gegenteil. Woo verfehlt es, seiner Bildgewalt inhaltlich gleichzukommen und serviert demnach narrativ eine extrem zähe Angelegenheit, dessen noch längere Fassung nur kaum von Vorteil sein kann. „Three Kingdoms“, der dieselbe Geschichte erzählt, hatte schon exakt das gleiche Problem. Die Geschichte entwickelt sich träge, es gibt keinen Spannungsaufbau und trotz der guten Besetzung will niemand so recht auffallen. Was bleibt, sind gute Darsteller in schicken Kostümen, die auf schicken Sets bedeutungsschwangere Palastreden halten und dabei selbst fast einnicken. Noch enttäuschender ist allerdings der Soundtrack, der zwar dynamisch und abwechslungsreich ist, aber keine einzige vernünftige Theme hat und Welten von den angenehmen Klanglandschaften eines „Tiger & Dragon“, „Hero“ oder „House of Flying Daggers“ entfernt ist. Die Action ist in Ordnung, erinnert aber teilweise an den ebenfalls deprimierenden „Ong Bak 2“: jeder Beteiligte versteht sein Fach, es ist aber unharmonisch zusammengeschnitten und wenig aufregend vertont.

Verglichen mit dem großartigen „The Warlords“ lässt sich sagen, dass der zwar technisch in keinster Spur an Woos Felsenepik heranreicht, dafür ein aber ein weitaus besserer Film ist. Aufregend, spannend inszeniert, besser gespielt (Jet Li ist klasse) und mit einem starken dramatischen Score.


Fazit:
Schade, „Red Cliff“ ist prunkvolle Chinahistorie mit gewaltiger Ausstattung, allerdings madig langweilig inszeniert und ohne Höhepunkte.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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