Story:
Ein junges Paar zieht in ein
großzügiges New Yorker Apartment ein. Guy, ein Schauspieler, versucht seine
Karriere in Schwung zu bringen und Rosemary kümmert sich um das Haus, in der
seligen Erwartung, in naher Zukunft ein Kind zu bekommen. Die Castevets, das
etwas aufdringliche ältere Nachbarspaar, werden zu engen Bezugspersonen und
helfen während Rosemarys Schwangerschaft. Doch nach einem Albtraum und
mysteriösen Vorkommnissen glaubt Rosemary, Teil einer satanischen Verschwörung
zu sein.
regie :
roman polanski
cast :
mia farrow, ruth gordon, john cassavetes
kritik :
christian westhus
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Kritik:
Basierend auf Ira
Levins gleichnamigen Roman, inszenierte Roman Polanski 1968 sein US-Debüt und
den zweiten Teil der inoffiziellen Mietshaus-Trilogie. In einer Zeit
gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen, sexueller Revolution und
Aufklärung, wirkt „Rosemary’s Baby“ wie ein reduzierter, altmodischer
Gegenentwurf. Die klare Rollenverteilung der Geschlechter und der starke Drang
einer Familiengründung wirken gerade in Anbetracht der damaligen Umstände
interessant. Und doch verweigerte sich Polanski der Annahme, er wolle
Botschaften übermitteln.
Wie in „Repulsion“ inszeniert Polanski „Rosemary’s Baby“ als psychologischen
Horrorfilm, in dem wir der weiblichen Hauptfigur und ihrer Gedankenwelt hilflos
ausgeliefert sind. So könnte man dem Drehbuch zwar vorwerfen, es sei ab der
ungewöhnlichen und sehr effektiven Traumsequenz, inklusive vermeintlicher
Vergewaltigung, zu offensichtlich, doch letztendlich kann man sich nach dem Film
nicht sicher sein, was nun wirklich passiert ist. Traum, Vermutungen und
Angstvorstellungen verschwimmen komplett und nahtlos mit der Realität und dieses
irreale Gefühl lag Polanski eher am Herzen, als vermeintliche Aussagen zur
Gesellschaft.
Polanski erzählt den Film wie ein großer Könner. Ohne irgendwelche unnötigen
Zusätze entspinnt sich früh ein Netz aus Andeutungen und Verdächtigungen, das
zunehmend dichter wird: die Vorgeschichte des Hauses, die junge Frau im
Wäschekeller und auch das Verhalten aller Mitmenschen Rosemarys. Sie steigert
sich in die Vorstellung herein und zieht den Zuschauer mit auf diese Ebene. Jede
Handlung, jeder Blick, jedes noch so banale Vorkommnis hat eine Bedeutung und
mathematisch genau deutet alles auf die vermeintliche Verschwörung hin.
Dennoch inszeniert Polanski das Ende teils so schrill und selbstironisch, dass
man in der vermeintlichen Auflösung doch ins Straucheln kommt. „Rosemary’s Baby“
ist demnach kein „Oh mein Gott, damit habe ich nicht gerechnet“-Film, sondern
eine psychologische Beobachtung, die auch den Zuschauer ein ums andere Mal
narrt. Gerade das Ende, das aus dem großen, grotesken Schrecken mit einer
ungewöhnlichen Wende kommt, unterstreicht dieses Anliegen.
Präzise und mit tollen Einstellungen führt man durch den Film, eine Ausstattung
zum Niederknien (diese Kleider sind einfach zu schön) trägt ihren Teil dazu bei
und die Darsteller sind grandios. John Cassavetes mag vielleicht zu früh etwas
zu unsympathisch wirken, doch das kompensiert Mia Farrow, die wirklich eine
Idealverkörperung Rosemarys ist. Als zerbrechliche und blasse Schönheit ist sie
ideal als Sympathie- und Leidenszentrum, wenn die ungewöhnlichen Schmerzen der
Schwangerschaft mehr und mehr an ihr nagen und der wahnsinnige Verdacht des
Okkulten sich bei ihr ausbreitet. Die Schau stiehlt ihr aber mehrfach die
Oscarprämierte Ruth Gordon als schrille Nachbarin mit krächzend-penetranter
Freundlichkeit.
In der heutigen Zeit mag es deutlicher schwerer fallen, die Hochspannung des
Films zu genießen, die es zweifellos gibt. Dennoch strahlt der Film auch heute
noch diese unbehagliche Ungewissheit aus und konstruiert eine Welt, die das Böse
beherbergt und schließlich gebiert. Was hinter verschlossenen Türen passiert,
was hinter freundlichen Gesichtern für Abgründe lauern und wie sich eine gesunde
Person in einen schrecklichen Abwärtsstrudel gefangen sieht, sind Eckpfeiler des
Handlungs- und Spannungskonstrukts. Visuell ist der Film so realistisch wie es
in einem Spielfilm nur geht, bietet lediglich Traumsequenzen und setzt ansonsten
auf brillant inszenierte Ungewissheit und Befürchtungen.
Fazit:
Roman Polanskis
Romanverfilmung ist ein Klassiker des Horrorkinos und bietet eine präzise
konstruierte Geschichte, die spannende und beunruhigende Szenen bietet. Tolle
Darsteller, eine präzise Inszenierung und die wunderbare Optik machen den Film
zu einem unheimlichen Genuss.
8,5 / 10
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